Windows Vista: Willkommen in der Welt des DRM

23. Juli 2007, 12:58
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Nicht Hollywood hat diesen Schutz der Inhalte gewollt, sondern Microsoft - für den Kampf um die Kontrolle am PC-Markt

Das US-Magazin Wired widmet sich in einem Blog einem bislang noch wenig beachteten "Feature" in Microsofts neuem Betriebssystem Windows Vista - dem Digital Rights Management - kurz DRM.

Sind die KundInnen besorgt?

"Es befindet sich ein Elefant im Raum, den wir noch nicht angesprochen haben - DRM. Windows Vista hat die DRM-Unterstützung tief in sein Betriebssystem eingebaut. Die Frage ist, sind die KonsumentInnen so verunsichert über Vistas DRM-Mechanismus, dass sie nicht umsteigen werden?". Mit diesen Sätzen beginnt der Autor seinen Blogeintrag bei Wired und meint weiter: Auf der einen Seite bietet Vista überzeugende neue Funktionen, mehr Sicherheit und Performancesteigerungen, aber gleichzeitig werden diese Vorzüge mit der Last eines DRM ausgeliefert."

"Premium Content"

Vista erlaubt nur das Abspielen jener Inhalte, die unter der Bezeichnung "Premium Content" laufen und eingebauten DRM-Mechanismus haben. Was verbirgt sich aber nun hinter diesem "Premium Content"? , so die Frage. Die einfachste Antwort findet sich zum einen bei den DVD-Nachfolgeformaten: sowohl HD-DVD als auch Blu-ray verfügen über verschiedenste DRM-Kontrollmechanismen. Selbst wer eine High-end-Videokarte sein Eigen nennt, wird, sofern diese kein DRM unterstützt, weder HDH-DVD noch Blu-ray abspielen können.

Druck von Hollywood

"Viele haben Microsoft damit entschuldigt, dass die Entscheidung DRM in Vista zu integrieren auf Druck der Hollywood-Studios erfolgt sei - mit den gleichen Argumenten erklärte Steve Jobs auch iTunes DRM - aber Sicherheitsguru sieht dies zurecht anders: Das ist alles kompletter Unsinn. Microsoft hätte ruhig sagen können, dass DRM nicht in Vista integriert wird, da es das Betriebssystem einschränke - bei 95 Prozent Marktanteil am Desktopmarkt, wo hätte Hollywood also sonst hingehen sollen?"

DRM schlecht für Vista

Der Blogautor Michael Calore zitiert zudem einen Artikel von Peter Gutmann, der einen tiefen Blick auf Vistas DRM geworfen hat. Gutmann kommt zu dem Ergebnis, dass Vistas DRM-Schutz "zu nicht unwesentlichen Einschränkungen bei der System-Performance und der System-Stabilität führt und damit auch zusätzliche Kosten für technischen Support sowie spezielle Hard- und Software erfordert".

Microsofts Antwort

Microsoft hat in seinem Artikel "Windows Vista Content Protection - Twenty Questions (and Answers)" im Vista-Blog auf die Vorwürfe geantwortet. So meldet Microsoft etwa, dass zahlreiche dieser Features bereits in Windows XP und auch in anderen Produkten, wie etwa DVD-Playern eingesetzt würden. Aber auch diese ausführliche Darstellung der Sicht des Softwarekonzerns kommt zu dem Ergebnis, dass Vistas DRM die CPU-Ressourcen belaste.

Eine verquere Logik

Es finde sich zudem eine Vielzahl von Widersprüchen in der Microsoft Verteidigung des DRM. So etwa jene Ansicht, dass es durch die Veröffentlichung der benötigten Hardware-Spezifikationen ohnehin problemlos möglich sei Open-Source-Treiber zu schreiben. Diese Argumentation steht im krassen Widerspruch zur Ansage, dass Open-Source-Treiber, die Vistas DRM nicht eingebaut haben, einfach nicht mit "Premium Content" arbeiten werden.

DRM als Entscheidungsgrundlage

Calore sieht in der Frage des DRM eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für Unternehmen und AnwenderInnen ob sie Windows Vista einsetzen wollen/sollen oder nicht. Eine Frage würde sich dabei aufwerfen: Schafft sich Microsoft gerade ein neues Monopol im Feld des "Content Distributing"? Die Musiklabels haben gerade erst realisiert, dass iTunes DRM sie an Apple kettet und die Hollywood-Studios fürchten nun, dass ihnen ein ähnliches Schicksal mit dem Vista DRM blüht, so Bruce Schneier. "Es ist ein weiterer Krieg über die Kontrolle am Computermarkt", so Schneier.

Ein Schuss ins Knie?

Es bestehe allerdings auch die Möglichkeit, dass sich Microsoft mit seinem DRM ins eigene Knie geschossen hat. Was würde passieren, wenn sich die Hollywood-Studios entscheiden keine DRM-geschützten Inhalte zu publizieren? Die steigenden Kosten, die durch DRM entstehen, würden jedoch nicht nur Vista betreffen, sondern alle Hard- und Softwarebereiche. Calore schließt mit: "Ich bin gespannt, wie viele auf einen Umstieg auf Vista wegen der DRM-Bedenken verzichten? Ist dies nur die Furcht der Paranoiden oder gibt es generelle Bedenken der KonsumentInnen? Überwiegen die Vorteile von Vista die DRM-Bedenken?"(red)

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    Wer wird in Zukunft bestimmen, was auf einem Vista-Rechner laufen darf und was nicht? Den geringsten Einfluss dürften die AnwenderInnen selbst darauf haben.

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