
Wissenschafter und Nachtportier
Der Sozialwissenschafter gibt keine Antwort auf diese Frage. Stattdessen zeichnet er in seinem Buch Skizzen persönlicher Biografien, die von Verfolgung, Flucht, dem Ankommen in einer anderen Welt und dem langen Warten auf Gewissheit geprägt sind.
Anstatt sich auf theoretische Untersuchungen zu beschränken, hat er sich selbst in die Praxis begeben: Er arbeitete als Nachtportier in zwei Flüchtlingsheimen, nahm Kontakt mit AsylwerberInnen auf, sprach mit SozialarbeiterInnen, verfolgte Asylverfahren und deren Ausgang - die Erschütterung über eine Ablehnung oder die Freude über den Positivbescheid.
Da wird der zwölfjährige Mahmoud zitiert, der bisher mit seinen Eltern in einem Flüchtlingsheim untergebracht war, in einem Zimmer, dessen Tür nicht versperrbar war: "Einmal kam einer um zwei Uhr früh und wollte Geld stehlen. Mutter hat ihn mit einem Stock vertrieben", erzählt Mahmoud. Jetzt hat seine Familie Asyl bekommen, die Aufregung ist groß: "Wenn wir eine Gemeindewohnung haben, wird der Vater wieder als Lkw-Fahrer arbeiten und Geld verdienen und es wird uns sehr gut gehen. Wir werden die Tante in Schweden besuchen, sie führt dort einen Pizza-Kebab- und McDonalds-Laden. Wir werden sie besuchen und ich werde nur essen."
Hofer analysiert die Fluchtgründe der in Österreich lebenden AsylwerberInnen, erläutert die Problemkomplexe Schlepperei und Menschenschmuggel und beschreibt das Misstrauen, das den Asylsuchenden auf ihren Amtswegen immer wieder begegnet. Er beschreibt den Alltag der Flüchtlinge als ein ständiges Warten, ohne Möglichkeit, einer Arbeit nachzugehen - und ohne Gewissheit, wann und vor allem wie das Warten enden wird.
derStandard.at/Integration verlost fünf Exemplare des Buchs. (red)
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