Netztochter APG investiert 110 Millionen Euro

9. März 2007, 14:23
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Bis zum Jahr 2011 sind Investitionen in Höhe von 800 Millionen Euro geplant

Wien - Die Verbund-Netztochter APG wird heuer den Rekordbetrag von über 110 Mio. Euro in den Ausbau und die Wartung des heimischen Stromnetzes stecken. Bis zum Jahr 2011 sind Investitionen in Höhe von 800 Mio. Euro geplant, mehr als die Hälfte davon für den Ringschluss der 380-kV-Leitung in der Steiermark und in Salzburg. Für die Steiermark-Leitung erwartet die APG für Ende Februar, Anfang März die letztinstanzliche Entscheidung des Umweltsenats. Im Herbst soll die bis Ende 2009 für 168 Mio. Euro geplante Errichtung dann starten.

Erforderlich sei der Ausbau des heimischen Höchstspannungsnetzes, um den rasant wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, verweist APG-Vorstandsdirektor Thomas Karall auf den liberalisierten Stromhandel, die zunehmend marktorientierte Stromerzeugung und den rasanten Ausbau an erneuerbaren Energieträgern - Stichwort Windkraft.

Wiederholte Kritik aus Brüssel an österreichischen Netzbetreibern, deren Investitionsbereitschaft würde sich in Grenzen halten, kann Karall angesichts der Rekordinvestitionen nicht nachvollziehen: Die Aussage sei für die APG "unbegreiflich". Jedoch würden im Inland die Rahmenbedingungen nicht passen, schließlich versuche der Verbund schon seit mehr als 20 Jahren, die Lücke im 380-kV-Ring zu schließen. Nötig seien daher effizient administrierbare Genehmigungsverfahren.

Starke Eigenpaitalbasis

Für weitere Investitionen in der Zukunft sei eine starke Eigenkapitalbasis für die APG von entscheidender Bedeutung. Dafür müsse es auch eine Unterstützung der Regulierungsbehörde geben, die über die Festlegung der Höhe der Netztarife den Aufbau eines gesunden Eigenkapitalsockels in der APG ermöglicht, verlangt Karall im Gespräch mit der APA: "Wir erwarten vom Regulator schon, dass er unsere Investitionstätigkeit berücksichtigt." Schließlich sei die Belastung des Hoch- und Höchstspannungsnetzes am absoluten Limit.

In Europa vermisst der APG-Vorstandsdirektor eine gemeinsame Netzplanung mit ausländischen Netzbetreibern - ähnlich wie es sie in der EU etwa für Eisenbahnkorridore mit übergeordneter Bedeutung gebe. Wenn Europa einen funktionierenden Strommarkt wolle, müsse es auch einen Leitungsbau geben. Karall: "Das Hauptproblem sind fehlende Stromleitungen." Derzeit gebe es nur bilaterale Gespräche in den jeweiligen Teilregionen, aber keinen Prioritäten-Druck aus Brüssel.

Skeptisch zu unbundling

Zu den EU-Plänen eines "Ownership Unbundling" von Stromerzeugung und Netzbetrieb zeigt sich der APG-Manager skeptisch. Zwar sei das eigentumsrechtliche Unbundling natürlich primär eine Frage des Eigentümers Verbund, doch auch die von Brüssel als Alternative genannte Möglichkeit, die Netze zwar weiterhin zu behalten, aber von einem unabhängigen Operator führen zu lassen, lehnt Karall ebenso ab wie Verbund-Chef Hans Haider sowie Wirtschafts- und Energieminister Martin Bartenstein (V). Die Erfahrungen mit "Independent System Operators" (ISO) in Ungarn, Italien und Tschechien seien schlecht, vor allem langfristige Investitionsentscheidungen seien kaum mehr möglich - mit entsprechenden negativen Folgen für die Versorgungssicherheit.

In den USA sei das "ISO"-Konzept im Sand stecken geblieben und habe nicht zu den erhofften Investitionen geführt. Dies habe eine US-Tour von Vertretern von E-Wirtschaft und Regulatoren aus Europa in den Vereinigten Staaten Anfang dieses Jahres ergeben, so Karall.

Die Verbund-Austrian Power Grid (APG) als Österreichs größter Übertragungsnetzbetreiber sei als sauberes "Unbundling" bereits seit 2001 als unabhängige, weisungsfreie Aktiengesellschaft ausgegliedert. Über das mehr als 6.500 Kilometer lange Netz der APG wird rund die Hälfte des heimischen Stromverbrauchs transportiert. (APA)

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