Wirtschaft zieht an, Löhne hinken hinterher

28. Februar 2007, 16:37
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Satte 3,3 Prozent ist Österreichs BIP im vierten Quartal 2006 im Jahresabstand real gewachsen, auch 2007 läuft gut an

Wien - Industrie und Bauwirtschaft erwiesen sich am Schluss des Vorjahres als die Wachstumsmotoren: Die heimische Wirtschaft wuchs im Jahresvergleich im Winterquartal 2006 um 3,3 Prozent. Dies ergab eine "Schnellschätzung" des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo), die am Dienstag im Gleichklang mit einer Reihe von europäischen Konjunkturdaten veröffentlicht wurde.

Optimismus macht sich breit

Die Wertschöpfung der Industrie erhöhte sich um 7,5 Prozent, das Wifo ist auch für das aktuell laufende Quartal optimistisch. Besonders gut sehe es angesichts der starken Nachfrage aus dem Ausland für die Stahlindustrie, die Kfz- und Zulieferwerke sowie die Elektro- und Metallindustrie aus. Auch die chemische Industrie sowie die Zulieferer der Bauwirtschaft beurteilten ihre Situation optimistisch, heißt es. Die Kapazitäten in der Sachgütererzeugung sind aktuell top ausgelastet - ein Grad von 85,1 Prozent bedeuten einen Höchststand. Dies spiegle sich auch in der Investitionsentwicklung wider, die Bruttoinvestitionen lagen im Berichtszeitraum 4,5 Prozent über dem Vorjahr.

Wie am Montag im "Konjunktur-Radar" des STANDARD beschrieben, hat die Bauwirtschaft aufgrund des warmen Wetters "durchgearbeitet", das Wertschöpfungsplus lag im Quartal vier bei 5,5 Prozent. "Angesichts der günstigen Auftragslage muss kein Einbruch im Frühjahr erwartet werden", bemerken dazu die Wifo-Experten.

Zu den Effekten der Hochkonjunktur auf den Arbeitsmarkt sowie Löhne und Gehälter: Die Zahl der unselbständig Beschäftigten stieg im Jänner, wie berichtet, um 72.000 oder um 2,3 Prozent. Das Wifo weist dabei darauf hin, dass die zusätzlichen Jobs am Bau (10.000) sowie in der Industrie (7000) "primär Vollzeitarbeitsplätze" seien. In Dienstleistungsbranchen allerdings entstanden vor allem Teilzeitjobs, die weniger von Langzeitarbeitslosen als vielmehr vom "zusätzlich auftretenden Arbeitskräfteangebot besetzt" werden.

Die Reallöhne wachsen in diesem Szenario nur schwach, der inflationsbereinigte Zuwachs betrug zu Jahresende brutto nur ein Prozent, "netto deutlich darunter", heißt es seitens der Ökonomen.

Keine Nachfrage-Ankurbelung

Die Konsumentenstimmung bezeichnen die Wirtschaftsforscher zwar als "erholt", trotzdem weise angesichts der schwachen Reallohnentwicklung nur wenig auf eine verstärkte private Nachfrage hin. Im vierten Quartal stieg der Konsum gemäß Wifo-Berechnungen nur um 1,7 Prozent.

"Die erfreuliche Momentaufnahme des Wifo muss genutzt werden, damit der beginnende Aufschwung in eine dauerhafte Konjunktur mündet, von der auch Arbeitnehmer profitieren", sagte am Dienstag ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer und geißelte einmal mehr den "Null-Defizit-Fetischismus-um-jeden-Preis" der vorigen Regierung. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.2.2007)

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    Besonders günstig verläuft die Konjunktur in der technischen Verarbeitung, zu der neben der Stahlindustrie auch die Kfz-, die Metall- und die Elektroindustrie zählen.

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