Neuer Großkonzern bedrängt Tui

16. April 2007, 09:30
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Der weltgrößte Reise­konzern Tui bekommt scharfe Konkurrenz: Thomas Cook rückt mit der Übernahme der britischen Mytravel nah an den Marktführer heran

Oberursel/London - Durch den Zusammenschluss von Thomas Cook und Mytravel entsteht ein Reisekonzern mit rund zwölf Mrd. Euro Jahresumsatz. Das ist knapp weniger als beim Branchenprimus Tui, der in der Touristiksparte zuletzt 14 Mrd. Euro umgesetzt hat. Der neue Reise-Riese wird als Thomas Cook Group Plc firmieren, wurde am Montag bekannt gegeben.

Die Börse reagierte auf die Nachricht mit einem Kursplus für KarstadtQuelle, den Mutterkonzern von Thomas Cook: Die Aktie legte um 3,9 Prozent zu. Noch deutlicher war das Plus bei Mytravel: Der Aktienkurs schoss im frühen Handel um 27,7 Prozent nach oben.

In Bedrängnis geriet hingegen das Papier des Marktführers: Tui-Aktien verloren zeitweise 1,9 Prozent. "Durch ein Zusammengehen von Thomas Cook und Mytravel könnte für Tui ein starker Mitbewerber entstehen", begründete ein Börsianer die Kursverluste.

Der neue Reise-Riese, an dem KarstadtQuelle mit 52 Prozent die Mehrheit halten wird, soll an der Börse in London notiert werden. Alle Schlüsselpositionen wie Vorstandsvorsitzender, Aufsichtsratschef und Finanzvorstand werden mit Managern von KarstadtQuelle besetzt. Der deutsche Handelskonzern wird die neue Thomas Cook Group voll in seiner Bilanz konsolidieren.

Weitere Zukäufe

KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff machte in einer Pressekonferenz zugleich deutlich, dass sein Übernahmehunger mit dem Zukauf noch nicht gestillt ist. Der Handelskonzern wolle sich weiter an der Konsolidierung des Touristikmarktes in Europa beteiligen und habe dazu auch die finanziellen Mittel.

Schon im Juni soll der deutsch-britische Zusammenschluss mit Mytravel vollzogen sein. Allerdings muss die Transaktion noch von den Kartellbehörden und den Aktionären von Mytravel genehmigt werden. Dazu zählen nach Angaben der Briten große Investmentbanken wie Goldman Sachs, JP Morgan, Morgan Stanley und auch die Deutsche Bank.

Für KarstadtQuelle entsteht durch die Übernahme nach eigener Darstellung kein zusätzlicher Finanzierungsbedarf. Das Unternehmen könne einen steuerlichen Verlustvortrag von 1,2 Mrd. Euro bei Mytravel nutzen. Der Vorstand rechne mit Einsparungen von rund 112 Mio. Euro, teilte der Konzern mit, der gerade erst für 800 Mio. Euro den 50-prozentigen Anteil der Lufthansa und damit Cook komplett übernommen hatte. Die Synergieeffekte würden sich auch positiv in der Konzernbilanz niederschlagen, hieß es.

Dass Thomas Cook in Großbritannien zukaufen könnte, war seit längerem spekuliert worden. Nicht zuletzt hatte KarstadtQuelle-Chef Middelhoff selbst solche Andeutungen gemacht. Das Unternehmen hatte eigenen Aussagen zufolge bereits mit First Choice Gespräche geführt. Diese würden nun aber nicht fortgesetzt, sagte Mytravel-Chef Peter McHugh. (Reuters, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.2.2007)

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