Renaissance der Festspiel-Demos

19. Juli 2000, 17:31

Proteste gegen Bundesregierung und "Unite Parade" geplant

Salzburg - Festspieleröffnungen eignen sich ebenso für Protestkundgebungen aller Art wie Opernball oder Festwochen. In den Achtzigerjahren gehörten sie genauso zur Eröffnung der Salzburger Festspiele wie die dicken Autos und der sprudelnde Champagner: die Festspieldemonstrationen. Damals forderte die "ARGE Rainberg" ein Kulturzentrum und erkämpfte schließlich das 1987 eröffnete "Kulturgelände Nonntal".

Im vergangenen Jahrzehnt sorgte zwar Gerard Mortier für so manche Erregung, vor den Toren der Festspielhäuser blieb es aber meist ruhig. Mit dem Eintritt der Freiheitlichen in die Bundesregierung werden jetzt aber auch die Demonstrationen zur Festspieleröffnung wieder belebt.

"Wir pfeifen auf diese Regierung"

"Wir pfeifen auf diese Regierung" ist das Motto der Kundgebung kommenden Montag, zu der die "Plattform gegen Rassismus und Sozialabbau" ab neun Uhr aufruft. Im Zuge der Aktion am 24. Juli vor den Festspielhäusern soll auch der Herbert-von-Karajan-Platz symbolisch in "Margarete-Schütte-Lihotzky- Platz" umbenannt werden. Die Plattform will so "das einfache NSDAP-Mitglied" Karajan aus dem öffentlichen Raum verbannen.

Nicht ganz so politisch wird es kommenden Samstag zugehen, wenn im Rahmen des traditionellen Festes zur Festspieleröffnung eine so genannte "Unite Parade" stattfindet. 15 Musikwagen werden bei dieser Miniaturausgabe der "Love Parade" vom Autobahnkreuz Salzburg-Mitte über die Ignaz-Harrer-Straße zum Bahnhof fahren. Am Abend soll dort in der Tiefgarage der Tag mit einem Rave ausklingen.

FP übt Kritik

Die von der Salzburger Jugendservicestelle, dem "Rockhouse", der "SZENE" und dem Verein "Akzente" organisierte Parade ist umstritten. Die Salzburger FPÖ-Gemeinderatsklubchefin Doris Tatzl kritisierte die geplante Veranstaltung als "unnützen Tummelplatz für die linke Szene". Tatzl sieht in der Parade "ein Forum für Punker, Homosexuelle, offenen Suchtgiftmissbrauch und Radikale."

Aber auch namhafte Salzburger HipHop-Künstler haben mit der Parade keine Freude. DJ Aegyd beispielsweise will fernbleiben, da er "grundsätzlich bei keinen Underground-Festen, die von oben kommen", mitmache.

(Thomas Neuhold)

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