"Zwangsehen haben nichts mit dem Islam zu tun"

Redaktion
12. Februar 2007, 21:12
  • Dr. Ali Eraslan, „Erster Imam“ des Islamischen Glaubensgemeinschaft
    foto: newald

    Dr. Ali Eraslan, „Erster Imam“ des Islamischen Glaubensgemeinschaft

  • Gebetsraum der Moschee in der Pelzgasse im 15. Bezirk.
    foto: newald

    Gebetsraum der Moschee in der Pelzgasse im 15. Bezirk.

Ali Eraslan, "Erster Imam" der islamischen Glaubengemeinschaft, spricht im STANDARD über Integration und die Rolle der Frau

Dr. Ali Eraslan ist "Erster Imam" der islamischen Glaubengemeinschaft. Mit dem STANDARD spricht er über Politik in Predigten, Zwangsehen, "alte Gebräuche", die Rolle der Frau im Islam und richtige Bedeutung zentraler islamischer Begriffe.

 

 

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Standard: Herr Dr. Eraslan, was bedeutet „Erster Imam“?

Eraslan: Ich bin Erster Imam der Glaubensgemeinschaft für Wien, Niederösterreich und Burgenland und soll die Kontakte zwischen den Imamen ausbauen. Aber fast jede Moschee ist unabhängig, hat Einzelverantwortung. Manche arbeiten mit der Glaubensgemeinschaft zusammen, manche nicht.

Standard: Was bedeutet „Imam“ konkret?

Eraslan: Vorbeter. Im Islam gibt es keine Priester. Wir brauchen für die Vergebung keine Priester, die kommt direkt von Gott. Jeder Muslim kann übrigens das Gebet leiten, aber zur Auslegung bedarf es einer Vorbildung. Ich selbst habe an der Marmara-Universität in Istanbul (staatliche zweitgrößte Uni der Türkei, Red.) islamische Erziehungswissenschaft studiert.

Standard: Kann man aus dem Islam wieder austreten?

Eraslan: Unsere Religion ist hier seit 1912 staatlich anerkannt. Das ist übrigens ein Grund dafür, warum die Muslime hier gegenüber dem Staat eine positivere Haltung haben als in anderen europäischen Ländern. Wenn ein Muslim austreten will, geht er auf das Magistrat, aber er braucht vorher eine Bescheinigung der Glaubensgemeinschaft.

Standard: Was sind die größten Probleme der Glaubensgemeinschaft in Österreich?

Eraslan: Mit den offiziellen Stellen kommen wir sehr gut aus. Probleme macht uns diese eine Partei, die Sie kennen. Im Alltag sind es die mangelnden Deutschkenntnisse. Wir brauchen mehr Deutschlehrer, auch mehr Deutschkurse für Imame. Integration hängt davon ab, ob man die Sprache beherrscht.

Standard: Sie selbst predigen, man müsse „die Menschen mit Sanftmut behandeln“.

Eraslan: Es gibt große Missverständnis etwa beim Begriff Djihad. Das kann nicht mit „heiliger Krieg“ übersetzt werden. Es bedeutet innerer Kampf mit sich selbst für das Gute. „Scharia“ heißt „Ordnung“, das bedeutet für Muslime tägliches Gebet, Pilgerfahrt, Gebote und Verbote. Das soll auch nicht missinterpretiert werden.

Standard: Im Alltag gibt es da auch Probleme wie Zwangsheiraten, das Verbot für Mädchen, als Schülerinnen am Schwimmunterricht teilzunehmen, sogar das Problem der Ehrenmorde.

Eraslan: Das hat nichts mit dem Islam zu tun, das sind alte Gebräuche, die es in vielen Nationen gibt. Die verschwinden nicht so leicht. Aber Muslime sollten Gebräuche, die nicht Gebote des Koran sind, aufgeben. Im Koran steht, dass man eine Frau nicht gegen ihren Willen verheiraten soll. Der Koran spricht immer zu Menschen, nicht zu Frauen oder Männern (zitiert): „Oh Ihr Menschen fürchtet euren Herrn, der euch erschaffen aus einem Wesen und aus ihm erschuf Er seine Gattin, und aus ihnen ließ Er viele Männer und Frauen erstehen!“ (DER STANDARD, Printausgabe, 13.2.2007)

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Der issja herzig. Das ist so, wenn wenn der Schönborn erklärt, die Inquisition hätte nix mit der römisch-christlichen Kirche zu tun (gehabt)!
Wann immer diese Verniedlicher und Pseudosanftmütigen Balsam salbadern stellt es mir die Haare auf (und das sieht ziemlich dämlich aus).

A bisserl tot

"Wenn ein Muslim austreten will, geht er auf das Magistrat, aber er braucht vorher eine Bescheinigung der Glaubensgemeinschaft."

Ganz richtig, aber hinterher ist er halt a bisserl tot.

"Es gibt große Missverständnis etwa beim Begriff Djihad. Das kann nicht mit „heiliger Krieg“ übersetzt werden."
Ich kann mir kaum vorstellen, dass Herr Eraslan den Hadith nicht kennt, in dem der Prophet mit seinen Gefährten aus der Schlacht gegen Polytheisten zurückkehrt und sagt "Auf den kleinen Dschihad, folgt jetzt der große Dschihad gegen die eigene Seele (nafs)"- Insofern ist im Dschihad offensichtlich beides inbegriffen - weltlicher Krieg wie Besserung der eigenen Psyche/Seele/Bedürfnisse.

"Kann man aus dem Islam wieder austreten?"

Die Antwort ist sehr interessant. Und schade, dass nicht nachgefragt wurde.
Ist schon klar, dass ein Rechtsstaat nicht fragt (nicht fragen DARF), wenn jemand seine Religion ändert. Ob der Erste Imam aus islamischer Sicht einen Austritt für möglich hält wäre interessanter - schließlich ist er nicht Vertreter des Magistrats, sondern der Religion selbst.

"Zwangsehen haben nichts mit dem Islam zu tun"

Richtig! Und Bier macht auch nicht fett, Rauchen verkürzt das Leben kein bisschen und in China werden die Menschenrechte beachtet.

"Zwangsehen haben allerdings nichts mit dem Islam zu tun!

Zwangsehen sind mit Sicherheit kein islamisches - sondern ein weltweites Kulturphänomen. Genaugenommen ist unsere westliche Industriekultur die einzige in der es sie kaum noch gibt, allerdings ist das die Entwicklung der letzten hundert Jahre. Davor war sie auch bei uns die Regel. Im Übrigen halte den Begriff "Zwangsehe" für sehr problematisch, da bei weitem nicht jede arrangierte Ehe unter Zwang erfolgt.

Zwangsehen sind tatsächlich ein globales Problem - allerdings auch ein innerislamisches.
Gehorsamsgebot gegenüber den Eltern und spezifisch für Frauen gegenüber dem Ehemann; die Propheten-Sunna, die Schweigen der jungfräulichen Braut als Zustimmung sieht etc.

lüge

gerade in islamischen ländern gibts kaum freiwillige hochzeiten.

was erdreistet er sich hier so herumzulügen?

nichtsdesto trotz gibt es zwangsehen auch in anderen religionen.

wir können hiermit also sagen, dass zwangshochzeiten nicht ein rein islamischen problem sind. gleichzeitig können wir aber auch sagen, dass muslime nicht alle zwangsverheiratet sind, ja dass es sogar islam-schulen gibt, die meinen es sei unislamisch.

somit können wir also feststellen, dass zwangsheirat a) nicht nur muslimInnen betrifft und b) nicht alle muslimInnen betrifft. irgendwo anders muss also der grund für zwangsehen sein. den grund gilt es herauszufinden und gleich einer wurzel herauszureißen.

Wenn der Imam schon den Koran zitiert, dann bitte doch auch die Stellen, die davon sprechen, die Frau zu schlagen, einzusprerren und zu benutzten wie einen Acker und Andersgläubige zu ermorden.


Ja es steht vielleicht so im Kuran, aber ihr wisst nicht einmal in welchem Zusammenhang das im Kuran gemeint ist. Ihr nehmt ja nur einzelne Stellen aus dem Kuran. Warum nur einzelne Stellen?
Wenn ihr schon etwas erwähnt dann bitte das ganze und nicht nur Teile aus dem Kuran entnehmen und etwas behaupten wovon ihr den Zusammenhang nicht einmal wisst.

Nichts von alledem hat der Imam gefordert. Warum also soll er es dann zitieren? Ihr Pfarrer zitiert ja auch nicht die Stellen der Bibel, in denen zum Völkermord, zur Steinigung von unkeuschen Frauen oder ungehorsamen Kindern aufgerufen wird.

mittlerweile herrscht so uns so schon

eine öffentliche pro islam meinungszensur.

jede kritik wird zensiert und jeder unfug von denen verharmlost under dem persilschein ausalnder zu sein

War...

... noch sehr früh oder? ;-)

Die meinungen sind allesamt vorgefaßt und aus den verzerrten Ansichten der Medien!

Kein einziger hat auch nur die geringste Ahnung von der Islamischen Religion, aber eine verzerrte Sicht der Dinge.
Dieser Mix aus Nichtwissen und Polemik, genau das wollen diejenigen, die sich vor der Islamischen Welt fürchten.
Die Furcht ist begründet, denn wenn die Westliche Welt einmal begreift, wessen Schwindel sie aufgesessen ist, werden sie sich mit Grauen abwenden.
salam aleikum

nicht nur das dem-schwindel-aufsitzen ist schlimm,

sondern vor allem den schwindel dann auch noch weiterverbreiten, in dem die dümmsten ideologInnen zitiert und als rechtfertigung herangezogen werden. (schon aufgefallen, urplötzlich gibt es eine unmenge an "islamexperten", die erzählen, wieso im irak die sunnis und shias kämpfen und es schaffen kein einziges mal den angriffskrieg der usa zu erwähnen und dass es seit dem so ist). ach, nützliche idioten...

Aha !!

Wenn es um das Fürchten vor einem (vorgestellten) Gott geht, da sind auf einmal die Frauen den Männern gegenüber gleichberechtigt---

Männer und Frauen sind egal um was es geht gleich berechtigt!

Hr. e. sollte nicht ein Idealbild hinstellen, das in der Realität einfach nicht stimmt. Der weltweite Terrorismus ist nahezu ausschließlich islamistisch (was ich nicht mit islamisch gleichsetze), die Zwangsverheiratung gibt es im islamischen Kulturkreis natürlich, in einem erschreckendem Ausmaß, und dieses ja, aber, auch zum djihad usw., ist ein Zeichen, dass es da doch Zusammenhänge gibt. Wer hat denn unlängst gesagt, 1 Tag in Afghanistan kämpfen sei besser als 70 Jahre (oder so ähnlich) friedliches Leben?

Aha, der Weltweite Terrorismus ist Islamistisch.

Wie kommen Sie zu dieser Schlussfolgerung.

Sie hören brav Nachrichten, und was wenn die Nachrichten nicht der wahrheit entsprechen.
Was dann.

Was wäre wenn der Weltweiter Terrorismus als christlich fundamental herausstellte

Es stimmt aber.....

Der weltweite Terrorismus wird von Islamisten verübt, da sie sich auch dafür rühmen.
Nix mit terr. Christen.

na sicher, und sie sehen ja auch sicher schon die Heerscharen christlicher Kreuzritter aus Österreich Leute in die Luft sprengen.

Wie währ's mit Nordirland?

Dasist einer der ersten imperialistischen Konflikte und hat mit Religion nun wirklich wenig zu tun.

wir brauchen uns nicht in die luftsprengen,

"wir" können soldaten wohin schicken, die mit modernstem kriegsgerät ausgerüstet sind. manchmal kommen sie aber auch tot zurück. (wir = der westen)

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