Liebesleiden und Vernunftehen

14. Februar 2007, 18:28
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Ein Porträt zum 200. Todestag der ersten deutschen Frauenroman-Autorin und Herausgeberin Sophie von La Roche

Eine Frau verliebt sich, heiratet jedoch einen anderen, mit dem sie eine unglückliche Ehe verlebt. Ihre Lebenslust verliert sie dennoch nicht ... Dies umfasst kurz ausgedrückt den Inhalt des autobiografisch angehauchten Romans "Die Geschichte des Fräulein von Sternheim", mit dem Sophie von La Roche im Jahr 1771 schlagartig bekannt geworden ist. Aber nicht nur der Autorin selbst galt der Ruhm, hatte doch die Geschichte den Frauen der Zeit von Vernunftehen aus den Seelen gesprochen. Vielmehr noch gilt der Germanistik das Erscheinungsjahr des ersten erfolgreichen von einer Frau geschriebenen Romans, der ins Französische, Englische, Russische und Holländische übersetzt worden ist, als Wendepunkt in der Literaturgeschichte, zumindest jener der Frauen.

Denn Sophie von La Roche war es gelungen, einen neuen Frauentyp zu schaffen, der bereits auf die Idealisierung und Psychologisierung der Sturm- und Drang-Zeit verwies. Goethe kritisierte den Roman mit den Worten: "... das ist kein Buch, das ist eine Menschenseele". In dem Maße also als Sophie von La Roche zum Vorbild für schreibende Frauen aufstieg, wurde das Buch eines für die Gattung der deutschen Briefromane.

Die deutsche Dichterin war auch in einem weiteren Bereich Feder führend: 1783 gründete sie "Pomona für Teutschlands Töchter", die erste deutsche Zeitschrift von Frauen für Frauen, die auch von Katharina der Großen abonniert wurde, sich jedoch nur zwei Jahre halten konnte.

Biografische Notizen

Geboren am 6. Dezember 1730 in Kaufbeuren/Allgäu, wuchs sie als Sophie Gutermann in einer Arztfamilie auf. Den Großteil ihrer Mädchenzeit verbrachte sie in Augsburg, wohin ihr Vater berufen worden war. Ihre Erziehung war streng pietistisch, Gelehrsamkeit für Mädchen absolut tabu. Ihre erste Verlobung mit dem katholischen Leibarzt des Fürstbischofs von Augsburg führte zu konfessionellen Auseinandersetzungen, in deren Folge der Vater die Lösung der Verbindung erzwang und Sophie nach Biberach zur verwandten Familie Wieland schickte.

Dort verliebte sie sich in 17-jährigen Sohn des Hauses, Christoph Martin Wieland. Doch kurz darauf wurde auch diese Verlobung aufgehoben und Sophie 1753 mit dem katholischen Verwaltungsfachmann Georg Michael Frank La Roche, der kurmainzischer Rat und Privatsekretär bei Friedrich Graf von Stadion war, verheiratet. Sie gebar acht Kinder, von denen nur fünf das Kleinkindalter überlebten.

Die Jahre von 1761 bis 1770 verbrachte die Familie auf Schloss Warthausen, wo Sophie La Roche "Bildung ihres Verstands, ihrer Seele und ihres Geschmacks" erhielt. Hier begann sie auch mit dem Schreiben ihres Romans "Die Geschichte des Fräulein von Sternheim". Als ihr Ehemann nach einer großartigen Karriere wegen seiner Kirchenkritik 1780 entlassen wurde, fand das Paar bei einem befreundeten Domherrn in Speyer Aufnahme. 1786 zogen sie nach Offenbach.

Sophie von La Roche musste erkennen, dass ihr das Schreiben zwar Anerkennung brachte, aber zur Existenzsicherung nicht ausreichte. Darüber hinaus hatte der Versuch, ihre Schriften gegen Geld zu publizieren, ihren Mann in seinem Stolz sehr gekränkt. Sophie kämpfte dem zum Trotz um ihre Rechte und gab 1783 die Zeitschrift "Pomona" heraus. Ebenso unternahm sie auf eigene Faust mehrere Reisen, deren Tagebücher sie im Anschluss veröffentlichte.

Eine Reihe von Schicksalschlägen folgte: Ihr Mann erlag 1788 einem Schlaganfall, ihre Tochter Maximiliane und ihr Sohn Franz starben kurz darauf. Daraufhin übernahm sie die Betreuung und Erziehung für sieben ihrer Enkelkinder, darunter Clemens Brentano und Bettina von Arnim.

1799 begab sie sich auf Einladung ihres langjährigen Freundes C.M. Wieland nach Oßmannstedt bei Weimar und war dort Monate lang Mittelpunkt der Weimarer literarischen Gesellschaft. Weitere Werke folgten: "Schattenrisse abgeschiedener Stunden" und "Mein Schreibetisch" wurden mit Wielands Hilfe zur Veröffentlichung gebracht. In ihren Texten war ihr das "Selbständigwerden der Frauen" besonders wichtig.

Sophie La Roche starb am 18. Februar 1807 im Alter von 76 Jahren in Offenbach. (dabu)

Bücher von La Roche

"Geschichte des Fräuleins von Sternheim" (1771), 1983
"Rosaliens Briefe an ihre Freundin Marianne von St." (1779-81), 1994
"Pomona für Teutschlands Töchter" (1783/84), 1998
"Tagebuch einer Reise durch die Schweiz" (1787), 1994
"Tagebuch einer Reise durch Frankreich" (1787), 1994
"Tagebuch einer Reise durch Holland und England" (1788), 1997
"Briefe über Mannheim" (1791), 1996
"Schattenrisse abgeschiedener Stunden" (1799), 1992
"Mein Schreibetisch" (1799), 1997
"Fanny und Julia" (1801), 1994
"Melusinens Sommer-Abende" (1806), 1993

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    Geboren am 6. Dezember 1730 in Kaufbeuren/Allgäu
    Gestorben am 18. Februar 1807 in Offenbach
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