Wieder einmal schlechte Noten für Österreichs Schulen

24. April 2007, 16:10
68 Postings

OECD-Arbeitspapier: Schulsystem wenig effizient - Mangelhafte Ressourcenzuteilung für sozial bedürftige Kinder

Wien - Das österreichische Schulsystem ist nur wenig ausgabeneffizient. In einem Arbeitspapier der OECD-Wirtschaftsabteilung über die Effizienz der öffentlichen Ausgaben für die Schulbildung der Sechs- bis 15-Jährigen ("Public Spending Efficiency: Institutional Indicators in Primary and Secondary Education") landete Österreich unter 26 Staaten nur auf dem letzten Platz. Die Staaten gaben mittels Fragebögen über politische und institutionelle Gegebenheiten ihres Bildungssystems Auskunft.

Als einziges Land rangiert Österreich in allen sechs Vergleichskategorien unterhalb des OECD-Schnitts. Am effizientesten sind laut OECD die Schulsysteme Großbritanniens, der Niederlande, Schwedens und der USA. Anders als bisherige Studien der OECD, die sich mit dem Bildungssystem beschäftigten, stellt das neue Arbeitspapier nicht auf die Qualität des Lehrens und Lernens ab. Vielmehr wird das gesamte Bildungssystem einer Effizienzüberprüfung unterzogen.

Unübliche Maßstäbe

Als Maßstab der Studie dienten dabei Indikatoren, die im Bildungsbereich ansonsten kaum eingesetzt werden. So wurde etwa analysiert, inwiefern Verantwortlichkeiten zwischen Zentralregierung und untergeordneten öffentlichen Einheiten effizient aufgeteilt werden oder inwiefern Ressourcen speziell für Schüler mit "besonderen Bedürfnissen" - vor allem Kinder aus niedrigeren sozialen Schichten - zur Verfügung gestellt werden können. Weitere Gradmesser: Der Grad der "Manager"-Autonomie an den Schulen, der Einsatz von Benchmarking, die Möglichkeit der Auswahl zwischen verschiedenen "Betreibern" von Bildungseinrichtungen sowie das Ausmaß der Output-Orientierung, also des Mitteleinsatzes nach Resultaten und weniger nach Gesetzes- oder Verfahrensvorschriften.

Aufgabenverteilung und Ressourcen

Besonders schlecht schneidet Österreich bei der Dezentralisierung bzw. der effizienten Aufgabenverteilung zwischen den einzelnen Gebietskörperschaften ab. Dies deutet unter anderem auf Aufgaben-Überschneidungen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden hin. Auch die Flexibilität bei der Ressourcenzuteilung für Kinder aus niedrigeren sozialen Schichten lässt stark zu wünschen übrig, ebenso das Benchmarking, also systematische Leistungsüberprüfung samt Entwicklung von best-practice-Beispielen, und die Wahlmöglichkeiten - letztere sind vor allem in Staaten mit einem hohen Anteil an Privatschulen besonders ausgeprägt.

Autonomie der Schuldirektoren

Etwas besser, aber ebenfalls unterhalb des OECD-Schnitts, ist das Abschneiden Österreichs bei der Autonomie der Schuldirektoren - etwa im Hinblick auf das Festlegen der Lehrer-Gehälter und eigenständige Budgetentscheidungen - sowie beim Ausmaß der Output-Orientierung. (APA)

  • Das Arbeitspapier im Wortlaut

    Download
  • Schulstudien einmal anders: Als Maßstab dient der OECD diesmal vor allem Wirtschaftlichkeit.

    Schulstudien einmal anders: Als Maßstab dient der OECD diesmal vor allem Wirtschaftlichkeit.

Share if you care.