"Konzertkristall" erregt Augarten-Schützer

26. März 2007, 16:53
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Kritik an Halle für Wiener Sängerknaben, Grüne warnen vor "verkitschtem Pseudohistorismus"

Wien - Ein moderner "Konzertkristall" für Auftritte der Wiener Sängerknaben soll den barocken Augarten künftig schmücken - zumindest wenn es nach den ersten Entwürfen des Architekturbüros Archipel geht.

Die Pläne sehen auf der 1200 Quadratmeter großen Fläche am so genannten Augartenspitz einen Konzertsaal für 430 Zuschauer vor, der quasi den Kern des kristallinen Bauprojekts bildet und im Eingangsbereich von einer Hülle aus Glas, grünem Kupfer und schwarzem Schiefer umgeben ist. Die voraussichtlichen Kosten von rund zehn Millionen Euro trägt die Privatstiftung des Fondsmanagers Peter Pühringer.

Grüne warnen vor verkitschtem Pseudohistorismus

Gegen die Konzerthalle machen seit geraumer Zeit nicht nur Bürgerinitiativen von Anrainern, sondern auch die Grünen mobil. Der älteste Barockgarten Wiens, der als erster Park Österreichs im Jahr 2000 unter Denkmalschutz gestellt wurde, dürfe nicht "scheibchenweise wirtschaftlichen Interessen geopfert" werden, warnte am Montag Wolfgang Zinggl, der Kultursprecher der Grünen. Ein öffentliches Erholungsgebiet würde zugunsten einer "Tourismusfalle" eingeschränkt: "Unter dem Deckmantel der Kultur wird hier verkitschter Pseudohistorismus gefördert", übte Zinngl scharfe Kritik an der Sängerknaben-Halle. Die Planungssprecherin der Wiener Grünen, Sabine Gretner, wiegelte ab: Man sei nicht grundsätzlich gegen eine Konzerthalle für die Sängerknaben, andere Standorte wie etwa die Stadtentwicklungsgebiete am Nord- oder Nordwestbahnhofgelände wären jedoch geeigneter. "Es hat auch noch nie jemand versucht, im Volks- oder Burggarten eine Konzerthalle zu bauen", gibt Gretner zu bedenken.

An einen Alternativstandort denkt Sängerknaben-Direktor Eugen Jesser jedoch nicht. Das betroffene Gebiet sei bereits als Bauland gewidmet und schon bisher der Öffentlichkeit nicht zugänglich gewesen, argumentiert Jesser. Ende März sollen die Pläne eingereicht werden, im Herbst könnten dann die Bauarbeiten beginnen. Dass Altbauten wie ein Stück barocker Mauer sowie ein denkmalgeschütztes Gesindehaus nicht in den Neubau integriert werden können, sei in Vorgesprächen bereits mit dem Bundesdenkmalamt abgesprochen.

Um die verschiedenen Interessen zusammenzuführen, hat der Wiener Gemeinderat im vergangenen November beschlossen, mit Anrainern, Denkmalamt und dem Bund als Grundstückseigentümer ein gemeinsames Leitbild für den Augarten auszuarbeiten. Die Vorarbeiten dazu seien schon im Gange, heißt es vonseiten der zuständigen Planungsabteilung. (kri; DER STANDARD; Print-Ausgabe, 13.02.2007)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Computerrendering des geplanten 400 Zuschauer fassenden Konzertsaales für die Wiener Sängerknaben im Augarten.

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