Chefredakteur Amon sorgt mit Frauenförderung für Aufregung

2. März 2007, 16:28
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"Förderungswürdige Frauen nicht überfordern" - Grüne kritisieren "abenteuerliches Frauenbild" - Strobl weist Kritik zurück

Die Grünen werfen ORF-Fernseh-Chefredaktuer Karl Amon ein "abenteuerliches Frauenbild" vor. In einem Interview für die am Montag erscheinende Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" meint Amon, dass man Frauen nicht überfordern solle.

Zur Kritik, dass zu wenige Frauen in Führungspositionen beim ORF seien, sagt Amon in dem Interview, der Frauenanteil solle so hoch werden wie es geht. "Aber ich kann nicht die Systemfehler von Jahrzehnten aufholen. Ich muss auch schauen, dass förderungswürdige Frauen nicht überfordert werden uns sich zu schnell entwickeln. Denn das kann ihnen schaden." Auf die Zwischenfrage, ob er Frauen beschütze indem sie nichts werden, sagt Amon: "Man kann nicht jemanden von null auf hundert bringen."

"Fast die Spucke weg geblieben"

Der Grünen Frauensprecherin Brigid Weinzinger ist beim Lesen dieses Interviews "fast die Spucke weg geblieben". Es fällt ihr schwer zu glauben, das im Jahr 2007 eine der zentralen Führungspersonen im ORF derartige Ansichten vertritt." Amon sei offenbar der Ansicht, dass Frauen im ORF derzeit zu "Null-Prozent" für Führungsfunktionen geeignet sind. Weinzinger hält Amons Aussagen für "beschämend und eine Beleidigung für alle Frauen, nicht nur im ORF".

Strobl weist Kritik der Grünen zurück

ORF-Kommunikationschef Pius Strobl hat am Sonntag Fernseh-Chefredakteur Karl Amon gegen die Kritik der Grünen, die ihm ein "abenteuerliches Frauenbild" vorgeworfen haben, verteidigt. Gegenüber der APA sagte Strobl, die Grüne Frauensprecherin Brigid Weinzinger habe die Aussagen Amons "missverständlich interpretiert". Amon habe gemeint, dass es nicht so leicht für Frauen sei, die "gläserne Decke" in der mittleren Führungsebene zu durchstoßen.

Strobl gestand zu, dass man nicht zufrieden sei mit der Frauenquote in Führungspositionen. Generaldirektor Alexander Wrabetz werde das aber "radikal verändern". Das würden seine Entscheidungen in der nächsten Zeit zeigen. Systemfehler der Vergangenheit könne man jedoch nicht so schnell beheben, betonte der ORF-Kommunikationschef. (APA)

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