Auf die Planung kommt es an

11. Februar 2007, 20:00
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Fertigteil-Passivhäuser sind noch weitgehend die Ausnahme denn die Regel. Neue Konzepte klingen aber vielversprechend

Fertigteilhäuser erfreuen sich weiterhin steigender Beliebtheit: Der Anteil der Fertighäuser an allen gebauten Ein- und Zweifamilienhäusern lag 1996 noch bei 22,6 Prozent, im Jahr 2005 – aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor – wurden schon mehr als ein Drittel aller 15.700 in diesem Jahr gebauten Ein- und Zweifamilienhäuser in Fertigbauweise errichtet.

Auch Passivhäuser (siehe Wissen) werden in Österreich immer mehr gebaut; rund 1.700 solcher energetisch optimierter Häuser gibt es derzeit in Österreich, im Jahr 2010 soll bereits jeder vierte Neubau im Passivhausstandard errichtet werden. Ist das "Haus der Zukunft" also das Fertigteilhaus in Passivhaus-Bauweise?

"Sehr umstrittener Markt"

Ganz so einfach ist die Rechnung wohl nicht. Zwar weiß man auch in der Fertighaus-Branche von einem steigenden Interesse an Passivhäusern zu berichten, von einem Boom zu reden wagt allerdings niemand.

Beim Österreichischen Fertighausverband weist man darauf hin, dass das Angebot der Mitgliedsbetriebe ohnehin fast nur noch aus Häusern besteht, die zumindest Niedrigenergiestandard aufweisen. Und viele dieser Häuser könnten wiederum problemlos auf ein Passivhaus "aufgerüstet" werden.

Günter Lang, Obmann der IG Passivhaus, schränkt diese Sichtweise etwas ein: "In Wirklichkeit gibt es kaum Fertigteilhäuser in Passivhausstandard, und die meisten, die sich so bezeichnen, sind keine Passivhäuser. Viele betreiben nur Werbung damit und verkaufen in Wirklichkeit ganz was anderes." Lang sieht hier einen "sehr umstrittenen" Markt, denn ein "herkömmliches" Fertigteilhaus, auch wenn es schon Niedrigenergiestandard aufweise, einfach nur auf Passivhaus-Standard "aufzurüsten", das sei zu wenig: "Gerade beim Passivhaus ist wichtig, dass schon bei der Entwurfsplanung wichtige Details wie etwa Wärmebrückenfreiheit mitentwickelt werden. Ein einfaches Nachrüsten führt sicher nicht zum gewünschten Ziel." Dies bedeute höchstens Mehrkosten für den Bauherrn. "Erst durch die ganzheitliche Betrachtung lässt sich das Passivhaus schlussendlich auch kostengünstig errichten."

Massivbau nimmt zu

Mit Holzriegelbauten ist der Passivhaus-Standard überdies viel leichter zu erreichen als mit der Massivbauweise, also Ziegeln und Beton. Der Holzbau ist im Fertighaus-Bereich allerdings sozusagen am absteigenden Ast: Zwar wird die Mehrheit der Fertighäuser nach wie vor in Leichtbauweise errichtet, der Anteil der Massivhäuser steigt aber seit Jahren und liegt mittlerweile bei einem knappen Drittel.

Für die Fertighausbranche würde die Passiv-Bauweise jedenfalls eine interessante Marktnische bedeuten, meint Lang, es gebe aber noch sehr wenige Anbieter. Großes Potenzial bestehe aber im Bereich der Sanierung. So seien etwa bei der Sanierung einer Schule in Schwanenstadt bis zu 24 Meter lange Passivhaus-Elemente geschoßhoch komplett vorgefertigt worden, inklusive der Fenster. "Durch die Vorfertigung ist eine sehr hohe Qualitätssicherung gewährleistet", sagt Lang.

Spezialisten

Außerdem gibt es in Österreich einige Holzbau-Firmen, die sich schon auf Passivhäuser spezialisiert haben. Eine davon ist die Firma m-haus Mittermayr GmbH im oberösterreichischen Walding. "Bei uns ist das Passivhaus seit 2002 Standard", erklärt Geschäftsführer Bernhard Mittermayr. Die Firma hat bisher rund 25 Passivhäuser individuell geplant und in Fertigbauweise – ausschließlich Holzkonstruktionen – errichtet.

Auch hier weiß man, dass es auf das Gesamtkonzept ankommt. "Es macht keinen Sinn, eine Komponente, etwa die Wärmedämmung, zu optimieren, und andere zu vernachlässigen. Das Gesamtkonzept ist wichtig, nicht die einzelne teure Komponente."

Innovationspreis

Der hier entwickelte Passivhaus-Typ ARIA, ein Fertighaus in Holzriegelbauweise, wurde 2002 mit dem Innovationspreis "Energie Genie" des Umweltministeriums ausgezeichnet. Das Haus gibt es "serienmäßig" in vier Ausführungen, "das sind aber nur Vorschläge von uns, wir können alles individuell anpassen", so Mittermayr.

Der Vorteil seines eher kleineren Betriebs, der bisher fast nur in Oberösterreich tätig war, sei das Rundum-Service, das man den Kunden bieten könne: "Von den energetischen Berechnungen über die Planung und die Ausführung bis hin zur Qualitätssicherung – alles aus einem Haus", so Mittermayr. Wegen der besseren Förderbedingungen in Niederösterreich und Wien wolle er sich aber nun verstärkt auch Richtung Osten orientieren, hier seien bessere Marktchancen vorhanden als etwa in Salzburg oder Tirol.

Den Optimismus von IG-Passivhaus-Obmann Lang, der die Pionierphase des Passivhauses in Österreich schon als beendet ansieht und hofft, dass heuer die "Energiewende im Baubereich hin zu mehr Energieeffizienz" vonstatten geht, teilt Mittermayr nur bedingt. Eines sei aber klar: "Wegen der geringen Heizkosten ist das Passivhaus beispielsweise auch eine perfekte Pensionsvorsorge." Das Passivhaus schlägt sich zwar wegen der besseren Dämmung und der nötigen Haustechnik (Lüftungsanlage) zu Beginn mit 10 bis 15 Prozent höheren Errichtungskosten zu Buche, die sich aber durch die viel geringeren Heizkosten innerhalb weniger Jahre amortisiert haben.

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Teil 2: Der Bekanntheitsgrad steigt

Dass zumindest der Begriff "Passivhaus" mittlerweile recht bekannt ist, berichten auch größere österreichische Fertighaus-Anbieter. "Zehn bis zwanzig Prozent der Kunden interessieren sich für die Passivbauweise", bestätigt Martin Genböck vom oberösterreichischen Unternehmen Genböck Haus. 95 Prozent der bisher von seinem Betrieb gebauten Häuser weisen zumindest Niedrigenergie-Standard auf, rund 25 Passivhäuser hat er bisher gebaut, schätzt Genböck.

Auch er betont, dass die individuelle Planung das Um und Auf ist, denn "ein Passivhaus 'von der Stange' umzusetzen, ist sehr schwer, weil es eben auch auf Faktoren wie Grundstückslage und Sonneneinstrahlung ankommt. Manchmal wird einfach nur ein Niedrigenergiehaus daraus, weil die Planer die Passivhaus-Standards nicht erreichen." Schließlich hänge es aber auch trotz der langfristig gerechnet billigeren Passivhaus-Bauweise immer noch von den Förderungen ab, ob sich ein Kunde tatsächlich für ein Passivhaus entscheidet.

"klima:aktiv-Haus"

Auch bei der Firma Hartl Haus kennt man das Problem: "Das Interesse am Passivhaus nimmt zu. Man muss allerdings unterscheiden zwischen Kunden, die wirklich ein solches Haus wollen, und jenen, die den Begriff schon einmal gehört haben und danach fragen, ohne genau zu wissen, was dahinter steckt", berichtet Technik-Leiter Thomas Weiß.

Bei Hartl hat man vor einigen Jahren das so genannte "klima:aktiv"-Haus entwickelt – benannt nach und in Kooperation mit der 2004 ins Leben gerufenen Klimaschutzinitiative des Umweltministeriums, in deren Rahmen unter anderem Richtlinien für umwelt- und klimafreundliches Bauen erarbeitet werden. "klima:aktiv"-Häuser sind aber nicht per se Passivhäuser: "Der Begriff ist ein bisschen weiter gefasst; ein klima:aktiv-Haus kann beispielsweise beim Wärmeschutz etwas schlechter sein als ein Passivhaus." Letzterem sind mit maximal erlaubten 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr bei der Heizenergiekennzahl enge Grenzen gesetzt; von einem "klima:aktiv"-Haus darf laut Weiß bereits ab einem Wert von 40 kWh gesprochen werden. De facto handelt es sich also um ein Haus im "gehobenen" Niedrigenergie-Standard; der wichtigste Unterschied besteht darin, dass das "klima:aktiv"-Haus eine Lüftung haben muss, ein Niedrigenergiehaus nicht.

Hartl hat das erste "klima:aktiv"-Musterhaus 2005 im niederösterreichischen Echsenbach errichtet, es handelt sich um ein Einfamilienhaus in Holzriegelbauweise. Das "klima:aktiv"-Haus gibt es heute "serienmäßig" in zwei Ausführungen: einmal in "gehobenem" Niedrigenergie-Standard, einmal als Passivhaus.

Niedrigenergie als Standard

Nach Weiß' Schätzung waren erst ein oder zwei Prozent der Häuser, die Hartl bisher gebaut hat, Passivhäuser. Ein Viertel der Häuser erfüllen die "klima:aktiv"-Richtlinien, der überwiegende Rest weist Niedrigenergie-Standard auf.

"Es lässt sich nicht aus jedem Haus ein Passivhaus machen, das geht schon aus architektonischer Sicht, hinsichtlich der Gebäudegeometrie, nicht. Es lässt sich aber aus jedem unserer Häuser ein klima:aktiv-Haus machen." Es komme eben nicht nur auf den Wärmeschutz und die Bauteile an, sondern aufs gesamte Konzept.

"Achtung, fertig, Haus!"

Ein neues Konzept will auch die Firma "so(u)l network" diese Woche auf der "Bauen & Energie"-Messe in Wien präsentieren: Die so genannte "soulbox", ein modulares Fertighaus-Komponenten-System, das laut Firmen-Aussendung aus ökologischen Materialien hergestellt wird und individuell an die Wünsche der Bewohner angepasst werden kann. Die Boxen (siehe Bild links) soll es in drei individuell kombinierbaren Größen ("mini", "midi" und "maxi") und Ausstattungsstufen ("pur", "ready", "go") geben, gewählt werden kann weiters zwischen Niedrigstenergie- oder Passivhaus-Standard.

"Nachhaltiges Bauen auf höchstem Niveau, bei maximaler Wohnbauförderung", verspricht die Firma. Dann steht der Revolution im energieeffizienten Bauen also nichts mehr im Weg. (Martin Putschögl)

  • Das Passivhaus ARIA von der Firma m-haus Mittermayr GmbH.
(Foto: Mittermayr GmbH)
    foto: mittermayr gmbh

    Das Passivhaus ARIA von der Firma m-haus Mittermayr GmbH.
    (Foto: Mittermayr GmbH)

  • Ein Passivhaus von Genböck.
(Foto: Genböck Haus)
    foto: genböck

    Ein Passivhaus von Genböck.
    (Foto: Genböck Haus)

  • Das "klima:aktiv"-Musterhaus von Hartl in Echsenbach.
(Foto: Hartl Haus)
    foto: hartl haus

    Das "klima:aktiv"-Musterhaus von Hartl in Echsenbach.
    (Foto: Hartl Haus)

  • Das Fertighaus-Modulsystem "soulbox" wird am Donnerstag auf der Bauen & Energie-Messe in Wien vorgestellt.
(Foto: so(u)l network gmbh/Architekten Hans Peter und Herbert Halbritter)
    foto: so(u)l network gmbh

    Das Fertighaus-Modulsystem "soulbox" wird am Donnerstag auf der Bauen & Energie-Messe in Wien vorgestellt.
    (Foto: so(u)l network gmbh/Architekten Hans Peter und Herbert Halbritter)

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