Apples iPhone dicht auf den Fersen

12. Februar 2007, 13:00
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Die größte Handymesse des Jahres, die 3GSM startet nächste Woche - Apple wird nicht da sein, gibt aber dennoch den Ton an

Ab Montag trifft sich die Handy- und Mobilfunkschickeria zu ihrem jährlichen Handy-Hochamt in Barcelona. Ein Hersteller ist nicht dabei, erzeugt noch gar keine Handys und hat doch das wichtigste Buzzword für 2007 geliefert: Apple mit seinem künftigen iPhone.

Timing

Wien - Steve Jobs' Timing für den Einstieg des früheren Computerherstellers Apple (das Unternehmen hat zu Jahresbeginn "Computer" aus seinem Namen gestrichen) in den Handymarkt scheint perfekt. Zwar tippseln Fortgeschrittene schon länger auf ihren Blackberries, Smartphones oder "Multimedia-Computern" herum, wie Branchenprimus Nokia die Gattung bevorzugt nennt, knipsen Bilder, surfen und hören Musik.

Smartphone für die Massen

Aber der Massenmarkt kommt erst jetzt so richtig in Schwung, und mit dem iPhone (das bis Ende Juni in den USA, im Herbst in Europa auf den Markt kommen soll) mit großem Display und neuartiger Benutzung durch einfache Berührungen und Gesten hat Apple offenbar den Nerv der Entwicklung getroffen. Schon einige Tage vor Jobs präsentierte der koreanische Hersteller LG sein LG Prada Phone, etwas kleiner und dicker, aber gleichfalls mit großem berührungsempfindlichem Schirm. Um 775 Dollar soll das LG Prada noch diesen Monat in den USA zu kaufen sein.

Alte Fehde

Auch die alte Rivalität zwischen Apple und Microsoft, besser zwischen Jobs und Bill Gates, ist offenbar wieder voll in Gang gekommen. Aus dem Zune, Microsofts neuem Musikgerät, soll ein Zune-Phone werden, erst diese Woche hat Microsoft bei der US-Telekombehörde FCC einen Antrag auf Zulassung eines derartigen Geräts gestellt. Bemerkenswerterweise soll das Zune-Phone (ebenso wie zuvor die Xbox und Zune selbst) ein eigenes Betriebssystem erhalten, das nicht der Windows-Familie angehört - offenbar hält man diese nicht für massenmarkttauglich.

Windows überall

Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird Microsofts Zune-Phone stärker auf Spiele denn auf andere Features eingehen - das Zune-Phone könnte eine portable Version der Xbox werden, oder zumindest mit Xboxen verbunden werden. Greifbarer wird jedoch in Barcelona Windows Mobile 6 sein, das jüngste Update für die mit Microsoft betriebenen Smartphones und Organizer.

Sam-Phone

In der Nacht auf Donnerstag rückte dann der koreanische Hersteller Samsung mit seinem "iPhone-Killer" heraus: dem Ultra Smart F700. Samsung hat sich bereits bei schicken Nachbauten von Motorolas Kulthandy RAZR bewährt, das F700 sieht auf den ersten Blick dem iPhone mit einem einzigen Button auf der Vorderseite verblüffend ähnlich (das Display ist mit 2,8 Zoll etwas kleiner als Apples 3,5).

Features en masse

Samsung hat sich jedoch, wie zuvor bei seinem K5-MP3-Player mit eingebauten Lautsprechern, einige interessante Hardwaredetails einfallen lassen: Statt Display-Softkeys zu benutzen, gibt es eine relativ große Schiebetastatur. Anders als das iPhone beherrscht das F700 die schnelle Datentechnik HSDPA (dafür kein Wifi) und hat eine Fünf- (statt Zwei-)Megapixel-Kamera an Bord.

Neuauflage

Aber natürlich hält auch Nokia, weiterhin mit Abstand der größte Handyhersteller der Welt, nicht still. Sein Blackberry-ähnliches E61 erfreut sich vor allem bei Businesskunden großer Beliebtheit und hat die vor elf Jahren erstmals vorgestellte Communicator-Reihe fast abgelöst. Als E61i soll dieses Gerät mit erweiterten Features neu aufgelegt werden. (Helmut Spudich, Der Standard/Printausgabe vom 10.,11.2.2007)

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