Grammys für Bush-kritische Dixie-Chicks - Mit Video

12. Februar 2007, 19:47
36 Postings

Machten aus allen fünf Nominierungen eine Auszeichnung - Mary J. Blige, Bob Dylan und Red Hot Chili Peppers unter Gewinnern - Police nach 20 Jahren live

Los Angeles - Das Country-Trio Dixie Chicks ist der große Gewinner der Grammys. Die wegen ihrer Kritik am Irakkrieg in den USA lange boykottierte Frauen-Band bekam bei der Gala am Sonntagabend (Ortszeit) in Los Angeles den begehrtesten aller Preise überreicht, den Grammy für das Album des Jahres ("Taking the Long Way"). Auch der Song "Not Ready To Make Nice" (in etwa: "Nicht bereit zum Bravsein") heimste den Preis für die beste Single ein. Insgesamt behaupteten sich die Chicks in fünf Kategorien - und krönten damit jede ihrer Nominierungen mit einer Trophäe.

Maines von den Dixie Chicks: "Ich bin sprachlos"

"Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben sprachlos", bekannte Natalie Maines vor dem Galapublikum im Staples Center. Maines hatte 2003 im Vorfeld des Irakkrieges mit ihrer Kritik an US-Präsident George W. Bush den mehrjährigen Boykott ihrer Gruppe durch amerikanische Countrysender heraufbeschworen. Die Frauen hatten sogar Morddrohungen erhalten. Ihr Grammy-Segen wurde von Kritikern in ersten Reaktionen als Versöhnungsgeste der Musikindustrie gewertet.

"Wir sind Police, und wir sind zurück"

Die Grammy-Feier brachte das britische Rock-Trio Police mehr als 20 Jahre nach ihrer Trennung erstmals wieder zusammen. Nach dem gemeinsamen Auftritt von Sting, Stewart Copeland und Andy Summers hoffen Fans nun auf ein echtes Comeback - mit nachfolgendem Album und ausgedehnter Tournee. "Wir sind Police, und wir sind zurück", rief Leadsänger Sting. Die Gruppe wollte ihre Pläne erst am Montag verraten.

Grammy unter Tränen: Mary J. Blige

Ein glänzendes Comeback gelang auch der Soul-Diva Mary J. Blige (35), die mit ihrem Album "Breakthrough" (Durchbruch) dreifach geehrt wurde. Sie nahm unter Tränen den ersten Grammy ihres Lebens an - für das "Beste R&B Album". "Ich danke Gott für das Album und für die Auszeichnung", sagte Blige, deren CD sich weltweit schon sechs Millionen Mal verkauft und der schwarzen Sängerin ein Dutzend Preise eingebracht hat. Relativ zu ihren acht Nominierungen ist die Ausbeute jedoch vergleichsweise gering.

Drei Grammys auch für Red Hot Chili Peppers

Zu Mehrfachgewinnern wurden auch die Red Hot Chili Peppers. An die kalifornischen Altrocker gingen die Grammys für das beste Rockalbum ("Stadium Arcadium"), den Rocksong und die Rockmusik einer Gruppe: "Dani California". Grammy-Erfolg auch für die Folk-Ikone Bob Dylan: Sein viel gepriesenes Album "Modern Times" wurde zum besten zeitgenössischen Folk-Album ernannt. Dylan gewann mit dem Song "Someday Baby" auch den Titel des besten Solo-Rocksängers.

Zu den anderen herausragenden Gewinnern der 49. Grammy-Nacht gehörten Gnarls Barkley mit dem Hit "Crazy", Christina Aguilera, Beyoncé, Justin Timberlake und Timbaland, The Black Eyed Peas, Pharrell Williams, John Legend und Madonna. Carrie Underwood wurde als "beste neue Künstlerin" ausgezeichnet. Die 23-Jährige nahm die begehrte Trophäe aus den Händen von Natalie Cole, der Tochter von Jazzlegende Nat King Cole, entgegen. Underwood hatte ihre Karriere erst 2005 mit einem Gewinn bei der Castingshow American Idol gestartet. Zwei fünffach nominierte Künstler - James Blunt und Prince - gingen hingegen leer aus. Postum wurde der im Jänner verstorben Jazz-Saxofonist Michael Brecker mit zwei Grammys geehrt.

Klassikpreise blieben in den USA - Wiener Philharmoniker gingen leer aus

Die Top-Grammys im Bereich Klassik blieben in den USA. So wurden der in den USA lebende argentinische Komponist Osvaldo Golijov ebenso doppelt geehrt wie das San Francisco Symphonie-Orchester. Die zweifach nominierten Wiener Philharmoniker gingen leer aus.

Der Jazzsänger Tony Bennett und die Soul-Legende Stevie Wonder kamen mit ihrem gemeinsamen Song "For Once in My Life" zu Grammy- Ehren. Wonder ist mit seinem nunmehr 25. Grammy Vierter in der Liste der größten Grammy-Gewinner aller Zeiten. Georg Solti führt diese Reihe mit insgesamt 31 Grammys während seiner Karriere an.

Viel Applaus für Aguileras Brown-Tribute

Die Popsängerin Christina Aguilera erntete mit einem Tribut an den toten "Godfather of Soul", James Brown, begeisterten Beifall. Die 26-Jährige trug Browns berühmten Song "It's a Man's Man's World" im weißen Anzug vor und ahmte die Verrenkungen nach, das Markenzeichen des HipHop-Begründers.

Um einen Österreich-Bezug bei den heurigen Grammys herzustellen, muss man den Begriff "Grammy-Gewinner" schon sehr weit stecken: Der in Österreich geborene Tontechniker Alexander Track war laut einem Email an die APA ("Wiener gewinnt Grammy") als Mixer und Aufnahme-Techniker am Gewinner-Album in der Kategorie "Best Traditional Blues", Ike Turners "Risin' With The Blues", beteiligt. Die Auszeichnung geht an Ike Turner.

>>>Grammy-Gewinner in den wichtigsten Kategorien

Grammy-Gewinner in den wichtigsten Kategorien

  • Platte des Jahres: Not Ready To Make Nice, Dixie Chicks
  • Album des Jahres: Taking the Long Way, Dixie Chicks
  • Song des Jahres: Not Ready To Make Nice (Dixie Chicks)
  • Bester neuer Künstler: Carrie Underwood
  • Bester Auftritt einer Popsängerin: Ain't No Other Man, Christina Aguilera
  • Bester Auftritt eines Popsängers: Waiting On The World To Change, John Mayer
  • Beste Pop-Vorstellung eines Duos oder einer Gruppe: My Humps, The Black Eyed Peas
  • Beste Pop-Zusammenarbeit mit Gesang: For Once In My Life, Tony Bennett & Stevie Wonder
  • Bestes Rock-Album: Stadium Arcadium, Red Hot Chili Peppers
  • Beste R&B-Sängerin: Be Without You, Mary J. Blige
  • Bester R&B-Sänger: Heaven, John Legend
  • Bestes R&B Album: The Breakthrough, Mary J. Blige
  • Bestes zeitgenössisches R&B Album: B'Day, Beyonce

(APA/dpa/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Martie Maguire (li), Natalie Maines (Mitte) und Emily Robinson von den Dixie Chicks

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Extravagantestes Outfit: Die Gruppe OK go

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Wir sind Police, und wir sind zurück"

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mary J. Blige: "Ich danke Gott für das Album und für die Auszeichnung"

    Der Dank für Gott und Jesus war nur der Anfang: Bei ihrer Dankesrede könnte Blige einen Rekord aufgestellt haben. Sie schaffte es, ganze 55 Namen zu nennen. Nach Gott und Jesus, dankte sie ihren drei Kindern, zahlreichen Mitarbeitern ihrer Plattenfirma und sogar dem Boten, der ihr Album auslieferte. Auch die einsetzende Musik, mit der ihr signalisiert wurde, dass sie nun die Bühne verlassen müsse, konnte sie nicht beeindrucken. Ganze zwei Minuten dauerte die Rede - eine Ewigkeit für eine live übertragene Preisverleihung.

  • Download
Share if you care.