Kundgebungen in Bulgarien für Freilassung inhaftierter Krankenschwestern

30. März 2007, 16:20
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20.000 Menschen demonstrieren - Zahlreiche Aktionen am achten Jahrestag der Festnahmen

Sofia - Am achten Jahrestag der Festnahme von fünf bulgarischen Krankenschwestern und eines palästinensischen Arztes in Libyen haben in Bulgarien rund 20.000 Menschen für ihre Freilassung demonstriert. Bereits zu Mittag ließen Ambulanzen ihre Sirenen schrillen. Krankenhausmitarbeiter gingen auf die Straße, um an ihre sechs Kolleginnen zu erinnern, die in Libyen wegen der angeblich absichtlichen Infektion von mehr als 400 Kindern mit Aids-verseuchten Transfusionen zum Tode verurteilt worden sind.

Der große Demonstrationszug durch die Innenstadt von Sofia endete am Abend vor der Alexander-Nevski-Kathedrale mit einem gemeinsamen Gebet. Sechs Kinder, die unterschiedlichen Glaubensrichtungen angehören, verlasen den Text, bevor sechs Tauben symbolisch fliegen gelassen wurden.

"Ihr seid nicht alleine"

Die aus Bulgarien stammende französische Sängerin Sylvie Vartan rief den libyschen Präsidenten Muammar Gaddafi in einer Videoansprache auf, "unsere unschuldigen Mitbürger" und den palästinensischen Arzt freizulassen. Vor der libyschen Botschaft in Sofia legten Studenten 426 rote Rosen nieder, um an die infizierten Kinder zu erinnern. An jeder Blume haftete eine Karte, auf der in Arabisch stand: "Liebe Kinder, wir fühlen euer Leid mit euch, aber die bulgarischen Krankenschwestern sind unschuldig." Viele Menschen, darunter Minister, Abgeordnete und Journalisten, hatten sich ein Band mit der Aufschrift "Ihr seid nicht alleine" umgehängt.

Die fünf Krankenschwestern und der Arzt waren am 9. Februar 1999 festgenommen worden, nachdem hunderte Kinder in der Klinik von Bengasi mit dem HI-Virus infiziert worden waren. Trotz entlastender Aussagen von Experten und wissenschaftlicher Studien hatte ein Berufungsgericht in Tripolis am 19. Dezember die Todesurteile gegen die Krankenschwestern und den Arzt bestätigt. Internationale Gutachter hatten nachgewiesen, dass das Virus bereits vor der Ankunft der sechs Angeklagten auf Grund der miserablen hygienischen Bedingungen in dem Krankenhaus grassierte. Die Verteidigung hatte Berufung angekündigt. (APA)

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