Kritik an Wien auch in Dänemark und Schweden

2. März 2007, 11:47
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Polizei soll Pädophilen ermöglicht haben, sich rechtzeitig neue virtuelle Identitäten zu verschaffen

Kopenhagen/Stockholm - Die Polizei in Dänemark und Schweden ist laut Medienberichten nicht glücklich damit, wie die österreichischen Kollegen den vor zwei Tagen bekannt gegebenen Schlag gegen Kinderporno-Konsumenten geführt haben. Der dänischen Polizei zufolge gingen die Österreicher zu rasch an die Öffentlichkeit und ermöglichten Pädophilen dadurch, sich rechtzeitig neue virtuelle Identitäten zu schaffen. Auch in Schweden hat man "Verständnis" für die Verärgerung der dänischen Kollegen.

Ein Ermittler der dänischen Polizei in Odense, Herman Overgaard, beschuldigte am Freitag die Österreicher, mit dem Fahndungserfolg an die Öffentlichkeit gegangen zu sein, ohne die Kollegen in Dänemark vorgewarnt zu haben. Der Sprecher des österreichischen Bundeskriminalamtes (BK), Gerald Hesztera, betonte wiederholt, auch gegenüber der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau, man habe bereits am 22. August vergangenen Jahres die dänische Interpol davon verständigt, dass sich unter den gefundenen IP-Adressen von mutmaßlichen Kinderporno-Konsumenten auch solche aus Dänemark befanden.

"Gut dokumentiert"

Seitens der dänischen Polizei hieß es daraufhin, die Informationen aus Österreich seien tatsächlich schon vergangenes Jahr angekommen. Diese seien auch "relativ gut dokumentiert gewesen", aber die dänischen Ermittler hätten "tausende Akte liegen" und andere Sachen für dringlicher befunden, zitierte die Agentur Hans Henrik Jensen von der IT-Nachforschungseinheit der dänischen Polizei.

Unter den weltweit mehr als 2.300 Verdächtigen befanden sich nach dänischen Angaben auch 19 Internet-User in Dänemark. In Stockholm war am Mittwoch von 50 schwedischen IP-Adressen die Rede gewesen. Der Chef der Ermittlergruppe zu Kinderpornografie in Schweden, Sten Warmland, wollte diese Zahl am Freitag aber nicht bestätigen.

Warmland sagte gegenüber der schwedischen Nachrichtenagentur TT, auch in Schweden sei man von der Pressekonferenz in Wien überrumpelt worden. "Wir hatten ihnen (der österreichischen Polizei, Anm.) aber schon vorher mitgeteilt, dass die von ihnen mitgeteilten Informationen nicht ausreichend seien", so der schwedische Ermittler. Er habe daher durchaus "ein gewisses Verständnis" für die Verärgerung der dänischen Kollegen. (APA)

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