Fracksausen auf den Devisenmärkten

23. Februar 2007, 13:21
posten

Ungleichgewichte bei Zinsen und Währungen treiben die kreditfinanzierten Spekulationen en gros, ermöglicht vom lange "billigen" Yen und den niedrigen Zinsen in Japan

Wien - Rund um das G7-Treffen verstärken sich die Sorgen um die Ungleichgewichte auf den Devisenmärkten. Vor allem die ausufernden Cross Currency Trades, also kreditfinanzierte Währungsspekulationen, die durch die Aktivitäten der Hedgefonds mit gewaltigen Hebeln versehen sind, veranlassen manche Analysten zu Schreckensszenarien. In Niedrigzinswährungen wird dabei Geld geborgt und in höher verzinsten Märkten angelegt. Schätzungen zufolge dürften diese Geschäfte rund eine Billion Dollar ausmachen, etwa die Höhe der chinesischen Währungsreserven. Im Fokus steht Japan, sein "zu billiger" Yen und die Erwartung von Zinsanhebungen. Steigen die Zinsen in der Finanzierungswährung, dann, so die Befürchtung, würden die Geschäfte wie Dominosteine zusammenbrechen und in der Folge die Bewertungen der Finanzmärkte aushebeln.

John Taylor etwa, Chief Investment Officer der ältesten und weltgrößten Währungs-Hedgefonds FX Concepts, erwartet eine deutliche Abwertung des Dollar gegenüber Euro und Yen mit einem Tief von 1,70 (derzeit rund 1,30) zum Euro spätestens 2012. Den japanischen Yen sieht er zum Euro dann extrem erstarkt, nämlich auf rund 65 (derzeit rund 121). Dass die Devisenmärkte mit Short-Positionen aktuell auf einen weiteren Verfall des Yen spekulieren, ist ihm nur ein weiteres Indiz für die Gefahr. Wenn zwei kreditfinanziert immer reicher und reicher werden, die Zinsen ihrer angesammelten Schulden aber irgendwann die Geschäfte verunmöglichen, dann bedeute das Kollaps, erklärt er die Vorgänge auf den Devisenmärkten.

Veronika Lammer, Leiterin des Zins- und Währungsresearch der Erste Bank, teilt dieses "Katastrophenszenario" nicht. Sie erwartet leichte Aufwertung des Yen (auf rund 115) und heuer drei Zinsschritte von je einem viertel Prozentpunkt (auf ein Prozent Ende 2007). Sie sieht alle politischen Kräfte bemüht, einen solchen Kollaps zu verhindern und "langsam Ungleichgewichte zu bereinigen". Dass Marktteilnehmer für große Bewegung sorgen könnten, schließt sie allerdings nicht aus. (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11.2.2007)

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.