Im "Kampf gegen den Einheitsgeschmack"

14. Februar 2007, 14:40
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Öster­­reich glänzt gleich mehr­fach beim "Inter­national Wine Award" - Im Interview der gold­­prämierte Biowinzer Hans Artner

Im Rahmen der BioFach, der Weltleitmesse für Bio-Produkte, werden diese Woche die Sieger des "International Wine Award" präsentiert. Erfreuliche Bilanz für Österreich: 16 Weine wurden mit "Gold" ausgezeichnet, mit einem "Sorten-Newcomer", einem Rösler 2004, setzte sich die Weingärtnerei Artner aus Göttlesbrunn an die Rotweinspitze gegen Shiraz aus Australien, Merlot aus Südafrika oder Spätburgunder aus Deutschland durch. Andrea Niemann sprach mit dem vielprämierten Preisträger Hans Artner über den Stellenwert von Bioweinen in Österreich.

derStandard.at: Der Sorten – Newcomer "Rösler" hat sich gegen einen Australischen Shiraz und einem Merlot aus Frankreich durchgesetzt. Was kann diese neue Rebsorte?

Artner: Das ist eine autochthone Rebsorte, man hat versucht mit anderen Sorten zurück zu verkreuzen und da ist eben der Rösler hervorgekommen. Das heißt es ist ein sehr kleinbeeriger, dichter, dunkler Typ von der Beschreibung her.

derStandard.at: Viele sagen Biowein schmeckt nicht. Der ist gewöhnungsbedürftig. Trifft das auch bei Spitzenweinen zu?

Artner: Wenn ich mich zurück erinnere, vor dreizehn Jahren bin ich mit "Bio" belächelt worden. Und jetzt sieht man, dass man international mit den normalen Weinen gedeckt mithalten kann. Das ist das Schöne.

Andererseits ist das auch ein Reifeprozess, rund fünf bis sechs Prozent sind Biowinzer in Österreich und man braucht natürlich Erfahrungswerte. Nicht nur in der Kellertechnik, sondern auch draußen im Weingarten.

derStandard.at: Wenn man auf der Suche nach einem guten Biowein ist: Worauf sollte man achten?

Artner: Das ist schwierig. Das kann man nicht sagen, genauso wenig beim konventionellen Wein. Das ist eine Geschmackssache. Fehlerhaften und tatsächlich schlechten Wein gibt es ja heutzutage gar nicht mehr. Deshalb geht es nur darum: Was schmeckt mir, was schmeckt mir nicht. Wir wollen keinen Einheitsgeschmack, sondern das Gebiet schmecken und wenn man auch noch die Traube schmecken kann, dann ist es ideal.

derStandard.at: Welche Qualitätsstandards im Weingarten und bei der Verarbeitung zeichnen Biowein aus?

Artner: (lacht) Da kann man genauso fragen: Kann man Bio schmecken? Das ist eine reizvolle Frage und ich antworte immer das Terroir, also unser Gebiet kann man schmecken.

Das ist ein Kreislauf. Es wird immer etwas vom Boden mitgenommen. Das wollen wir. Wir wollen, dass man den Boden schmeckt. Das skizziere ich immer: Bio – Terroir – im Kampf gegen den Einheitsgeschmack.

derStandard.at: Im Anbau werden keine Pestizide eingesetzt, bei der Verarbeitung geht es aber nicht ohne Schwefel, warum?

Artner: Schwefel ist ein Naturprodukt, ohne Schwefel geht gar nichts. Wenn Sie in einen Apfel beißen und diesen weglegen, dann wird er nach ein bis zwei Minuten braun. Er oxidiert. Genauso wäre es auch bei der Traube. Wir schwefeln ein Drittel weniger als erlaubt wäre, aber ohne Schwefel geht gar nichts.

derStandard.at: Ihren Betrieb nennen Sie liebevoll "Weingärtnerei" – was ist die Philosophie eines Weingärtners?

Artner: (lachend) Ja das ist das schöne daran. Ich mache meine Arbeit mit Herz und Liebe. Ich begleite die Reben durchs ganze Jahr bis zur Vermarktung. Es ist ganz wichtig wie schonend man mit Liebe das Produkt behandelt. Auch das schmeckt man.

derStandard.at: Was bedeutet für Sie Genuss?

Artner: Ich glaube der ganze Mensch ist ein Genuss, ehrlich!

derStandard.at: Was sagen Sie als Weinbauer zu den immer härteren Kampftrinktendenzen von Jugendlichen?

Artner: Ob das Haschisch ist, Fußball oder Alkohol. Die Radikalität nimmt zu. Die Ursache kann man nicht im Wein suchen. Wo die Ursache zu finden ist, kann ich als Weinbauer aber nicht beurteilen.

derStandard.at: Kann man sich an Auszeichnungen gewöhnen oder freut man sich immer wieder aufs Neue?

Artner: Ich bin ein Weinbauer mit Herz. Und eine Auszeichnung ist immer eine Bestätigung der Arbeit und immer wieder eine Freude mit Tränen in den Augen.

  • Hans Artner übernahm vor 27 Jahren den elterlichen Betrieb und baute die "Weingärtnerei" auf. Der 47 Jährige Vater dreier Töchter erzeugt aus der prämierten Rösler Traube auch einen Traubensaft, der bei internationalen Verkostungen 2006 den "Biojuice Award" erhielt.

Die Röslertraube gilt als vielschichtig, dunkelbeerig mit nussig-schokoladiger Note. Mit einem samtigen Gaumen, fester Struktur und einem frischen Fruchtnachhall.
    foto: artner

    Hans Artner übernahm vor 27 Jahren den elterlichen Betrieb und baute die "Weingärtnerei" auf. Der 47 Jährige Vater dreier Töchter erzeugt aus der prämierten Rösler Traube auch einen Traubensaft, der bei internationalen Verkostungen 2006 den "Biojuice Award" erhielt.

    Die Röslertraube gilt als vielschichtig, dunkelbeerig mit nussig-schokoladiger Note. Mit einem samtigen Gaumen, fester Struktur und einem frischen Fruchtnachhall.

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