Ein Turbo für das Mobilkom-Netz

19. Juli 2000, 13:56

Mit dem Start der neuen, schnellen Handy-Technologie GPRS beginnt bei Marktführer Mobilkom ein neues Zeitalter der Übertragungstechnik.

Mit dem Start der neuen, schnellen Handy-Technologie GPRS beginnt bei Marktführer Mobilkom ein neues Zeitalter der Übertragungstechnik. Im Gegensatz zum herkömmlichen GSM-Funk, mit dem gerade einmal E-Mails übertragen werden können, Surfen aber bereits zum Geduldspiel wird, ist das General Packet Radio Service (GPRS) bereits ganz flott unterwegs.

In der ersten Ausbaustufe, die bei der Mobilkom nun abgeschlossen ist, beschleunigt sich die Datenübertragung von 9,6 KiloBit pro Sekunde auf 26,8 KBit/sec. Dennoch heißt es für den Turbo-Handy-Surfer "bitte warten", denn es gibt vorerst keine Geräte, mit denen sich diese Vorstufe zum super-schnellen mobilen Internet, UMTS, nutzen lässt. Motorola will mit dem Timeport P7389i nach eigenen Angaben zwar das erste GPRS-Handy auf den Markt bringen, vertröstet aber auf den Herbst. Connect Austria (One), tele.ring und max.mobil, die ebenfalls emsig an GPRS arbeiten und nach dem Sommer "on air" sein werden, können sich also getrost Zeit lassen und ihre Netze auf die vollen 171,2 kBit/sec. - das ist fast so schnell wie eine ISDN-Leitung im Festnetz aufrüsten. Im Endausbau erlaubt GPRS sogar die Übertragung von Video- und Audio-Clips oder ein Online- Schachspiel zu zweit.

One kann sich in der Zwischenzeit mit der HSCSD-Technologie (High Speed Circuit Switched Data) behelfen, einer weiteren Vorstufe zu GPRS, die zwar bereits ins GSM-Netz eingebaut wurde, bis dato allerdings auch noch von keinen Handys unterstützt wird. Das neue Nokia 6210 wird diese Technik ab Herbst unterstützen.

Einzige Ausnahme ist die Nokia Phone Card, eine Daten-Karte, die das schnellere Surfen am Laptop ermöglicht. Auch dabei werden mehrere Funkkanäle für einen Nutzer gebündelt. Das erlaubt Datengeschwindigkeiten von bis zu 28,8 kBit/sec, hat also ein Tempo wie das "normale" Festnetz. Dass die Mobilkom diesen High-Speed- Zwischenschritt erst gar nicht mitmacht, erklärt die Eile bei GPRS.

Das Problem bei diesen beiden UMTS-Vorstufen ist allerdings, dass die Verbindung bei jedem Schritt im Web immer neu aufgebaut werden muss, wie bei Telefongesprächen. Anders beim GPRS-Verfahren, das die Daten in Pakete zerlegt, durch die Leitung schickt und am Ende wieder zu einem Ganzen zusammensetzt. Der Handy-Surfer kann daher ständig online sein, ohne die Leitung dauernd zu verstopfen. Bezahlt wird nicht nach Minuuten, sondern nur, wenn gerade ein Paket unterwegs ist. Wie viel ein Byte kosten wird, das errechnen die Betreiber gerade. Ein Richtwert: Bei Cellnet (British Telecom) kostet ein Megabyte 1,43 Pfund. (Luise Ungerboeck)

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