Zertifikate: Deutsches Derivate Institut reagiert auf SdK-Kritik

7. März 2007, 16:06
posten

DDI hält Kritik an Zertifikaten für überzogen - Von Walter Kozubek

Auf die neuerliche von der „Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger“ mit teilweise nicht sehr kompetenten Argumenten eröffnete Initiative gegen Zertifikate antwortetet das Deutsche Derivate Institut mit folgender Ausarbeitung:

„Das Deutsche Derivate Institut e.V. (DDI) hält die von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) im „Schwarzbuch Börse“ geäußerte Kritik am Markt für derivative Wertpapiere für überzogen. Forderungen nach gesetzlichen Regelungen sind ungerechtfertigt, da bereits heute eine Vielzahl von Gesetzen und die Regelwerke der Börsen den Markt regulieren.

Dieter Lendle, geschäftsführender Vorstand des DDI, verweist auf eine Vielzahl unbewiesener Behauptungen im Schwarzbuch. „Mit Überzogener Kritik tut die SdK ihren Mitgliedern und den Derivateanlegern keinen Gefallen. Eine sachliche Analyse zeigt, dass an den meisten Vorwürfen nichts dran ist.“ Zu den Einzelforderungen der SdK nimmt das DDI wie folgt Stellung:

Produkttransparenz

Die SdK führt aus, dass viele Produkte von Privatanlegern kaum zu durchschauen seien. Außerdem sollte die Vergleichbarkeit der Produkte über die Angleichung von Namen herbeigeführt werden. Das DDI hat schon 2004 gemeinsam mit den Wertpapiermitteilungen und den Börsen in Frankfurt und Stuttgart eine Segmentierung in Hebel- und Anlageprodukte sowie Unterkategorien vorgenommen. Zusätzlich zu dieser wesentlichen Verbesserung hat das DDI Vereinfachungen bei der Namensgebung von Produkten und Ausstattungsmerkmalen umgesetzt. Das DDI wird sich für eine kontinuierliche Fortentwicklung der Segmentierung und für Vereinfachungen bei der Namensgebung einsetzen.

Um eine bessere Breitenaufklärung zu erreichen hat das DDI die emittentenneutrale Broschüre „Geschützt Vermögen aufbauen“ veröffentlicht, die die Standardprodukte in einfach verständlicher Weise erklärt. Der Forderung der SdK entsprechend werden in dem Einsteigerwerk auch die Risiken der Zertifikatearten dargestellt.

Kostentransparenz

Bei der Forderung nach mehr Kostentransparenz vergisst die SdK zu erwähnen, dass die Derivateemittenten in den Verkaufsprospekten ihrer Produkte gegebenenfalls anfallende Ausgabeaufschläge und Managementgebühren bereits darstellen. Die in diesem Jahr umzusetzende EU-Richtlinie MiFID sieht zusätzlich eine Veröffentlichung von Vertriebsprovisionen vor. Forderungen nach Veröffentlichung der Marge zwischen dem vom Emittenten verlangten Preis und dem „fairen Niveau“ führen in die Irre. Der Preisfindungsprozess für Derivate beinhaltet Schätzungen zur zukünftigen Volatilität und Dividendenentwicklung der Basiswerte. Er beinhaltet außerdem individuell unterschiedliche bankinterne Formeln und Modelle zum Pricing von Optionen, die schon aus ettbewerbsgründen nicht publiziert werden. Statt der willkürlichen Definition eines fairen Preises ist es sinnvoll, auf Preisvergleiche zu setzen. Diese werden für Standardprodukte wie Bonus- oder Discount-Zertifikate bei Finanzportalen angeboten. Zutreffend ist, dass dem Anleger bei vielen Zertifikaten Dividendenzahlungen entgehen. Allerdings werden diese Dividenden von den Emissionsbanken verwendet, um Discounts oder Bonusmechanismen zu finanzieren, die entsprechend der aktuellen Steuergesetzgebung nach einer Haltedauer von mehr als 12 Monaten zu steuerfreien Kapitalerträgen führen. Es ist daher davon auszugehen, dass gerade Privatanleger aus Gründen der Steuereffizienz bewusst auf Dividenden verzichten.

Bonitätstransparenz

Die Derivatebranche weist immer wieder darauf hin, dass verbriefte Derivate als Inhaberschuldverschreibungen begeben werden und damit ein Bonitätsrisiko für den Anleger bedeuten. Es ist richtig, dass die Bonitätseinstufung der Emittenten ein anlagerelevanter Faktor ist. Emissionsbeschränkungen stellen jedoch den falschen Weg dar, da die Bonitätsbeurteilungen der Banken durch Ratingagenturen öffentlich zugänglich sind und kein Grund für eine abweichende Handhabung als in anderen Wirtschaftszweigen vorliegt.

Handelstransparenz

Handelsgeschäfte dürfen nach den „Mindestanforderungen für das Betreiben von Handelsgeschäften“, einer Anforderung der BaFin, nur zu „marktgerechten Konditionen“ getätigt werden. Kommen an der Börse oder in außerbörslichen Handelssystemen z.B. wegen Systemausfällen Geschäftsabschlüsse zustande, die dieser Anforderung nicht entsprechen, müssen diese rückabgewickelt werden. Einzelheiten sind in sogenannten Mistrade-Regeln festgehalten. Derartige Mistrade-Regelungen sind auch an internationalen Börsen üblich. Zu beachten ist, dass der Anteil der Mistradeanträge bezogen auf die Gesamtzahl der getätigten Geschäfte an der Stuttgarter Börse in 2005 (Zahlen für 2006 liegen bisher nicht vor) bei etwa 300 lag und damit verschwindend gering war. Geht man von einer geschätzten Zahl von 20.000 Geschäften täglich aus (d.h. über 5 Millionen Transaktionen im Jahr), dann entsprechen die Mistradeanträge 0,006% aller in 2005 getätigten Geschäfte.

Das von der SdK gezeichnete Bild des durch Mistrade-Stornierung benachteiligten Privatanlegers widerspricht der Realität im Geschäft mit derivativen Wertpapieren. Denn im Retailmarkt stehen die Market Maker mit ihrem Quotierungsservice häufig professionellen Arbitrageuren gegenüber, deren ausdrücklicher Geschäftszweck das Ausnutzen von Mispricings beinhaltet. Dieses erhalten schadet dem stark serviceorientierten Market Making für Privatanleger und somit auch den Mitgliedern des SdK. Der Markt für derivative Wertpapiere wird durch eine Vielzahl von Gesetzen, insbesondere das WpHG und das WpPG, reguliert. Zusätzlich stellen die Börsen Frankfurt und Stuttgart mit ihren Handelssegmenten Smart Trading und Euwax qualitativ hohe Ansprüche an das Market Making der Emittenten. Nach Meinung des DDI sind Forderungen nach weiteren gesetzlichen Regelungen daher ungerechtfertigt.“

Share if you care.