Der Süden wird aufgepäppelt

8. März 2007, 17:10
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Kanzler Gusenbauer will sich mit Koralm und Semmering, dem "größten Infrastruktur­projekt in Österreichs Geschichte", profilieren

Graz - War es letztlich doch nur ein Schaukampf für die Galerie? Wieder friedlich vereint, so als hätte es nie Brösel gegeben, saßen die Parteifreunde Franz Voves, Alfred Gusenbauer und Werner Faymann am Freitag oben im coolen Aussichtscafé Aiola auf dem Grazer Schlossberg und verkündeten, dass sie wild entschlossen seien, das "größte und aufwändigste Infrastrukturprojekt in Österreichs Geschichte" (Kanzler Gusenbauer) durchzuziehen. Und man werde dafür auch sehr viel Geld in die Hand nehmen. Rund 6,5 Mrd. Euro

"Prioritätsstufe Nummer eins"

Die Koralmbahn werde rund 4,5 Mrd. Euro kosten, der Semmeringbasistunnel, der ebenfalls auf Gusenbauers "Prioritätsstufe Nummer eins" steht, werde sich mit gut 1,9 Mrd. Euro zu Buche schlagen. Mindestens, Preisanpassungen in den nächsten Jahren noch nicht einkalkuliert. Auch wenn sich Bahnexperten skeptisch bis ablehnend über den Bau äußern, die Koralmbahn sei nicht regionalpolitisch einzustufen, sondern als Projekt "europäischen Maßstabes", unterstrichen Steiermarks Landeshauptmann Franz Voves, Kanzler und Infrastrukturminister Werner Faymannn, der sich zuletzt wegen seiner Aussage über eine mögliche Verzögerung des Projektes den Zorn der Steirer zugezogen hatte.

Es geht aber nicht nur um die Realisierung eines "Projektes europäischer Dimension", sondern wohl auch um ein Stück österreichische Innenpolitik. An die Adresse seines SPÖ-Landeshauptmannes Franz Voves, der in den letzten Tagen in altsteirischer Manier ordentlich gegen Wien gewettert hatte, sagte Gusenbauer besänftigend: "Die Steiermark bekommt, was ihr schon lange zusteht."

Trendwende

Was Gusenbauer damit andeutete: Unter einer SPÖ-geführten Regierung soll es nun zur Trendwende kommen und jene Bundesländer, die bisher von der schwarz-blauen Regierung bevorzugt worden seien, sollten jetzt das Nachsehen haben. Gusenbauer: "Die Steiermark ist von früheren Regierungen schlecht behandelt worden, es hat Versprechen gegeben, nie eingehalten worden sind." Er habe Verständnis für den massiven Vorstoß von Voves, der zuletzt die Benachteiligungen des Südens polternd aufs Tapet gebracht hatte. Früher sei gezaudert worden, er wolle jetzt "Nägel mit Köpfen machen". Der Süden habe nun absolut Vorrang, sagte Gusenbauer. Was unter einer schwarz-blauen Regierung und einer schwarzen Landeshauptfrau nicht gelang, soll unter einem SPÖ-Kanzler und einem SPÖ-Landeshauptmann umgesetzt werden.

Und auch in Niederösterreich soll sich etwas rühren. Diesmal soll auch mit dem Semmeringtunnel wirklich Ernst gemacht werden. Minister Faymann sagte dazu, dass bei den Varianten des Tunnels besonders auch auf die niederösterreichischen Bedenken eingegangen werde. Sprich: VP-Landeshauptmann Erwin Pröll soll es möglichst schwer gemacht werden, weiterhin den Tunnel zu blockieren.

ÖVP spricht von "Niederlage"

Für die Grünen und die ÖVP war der "SPÖ-Koralmgipfel" in Graz unzureichend. Die Grünen wollen mehr Geld gegen den Grazer Feinstaub, ÖVP-Verkehrslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder nannte das Treffen eine "Niederlage", denn das Ergebnis sei nur ein "Ergebnis minus XY". Edlinger spielte auf die Kehrseite des Gipfels an. Für die anderen Infrastrukturprojekte des Zehn-Milliarden-Pakets, das Voves präsentierte, wird nicht mehr viel übrigbleiben. Faymann will darüber noch gesondert verhandeln. (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11.2.2007)

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    Als hätte es nie Wickel gegeben: Gut gelaunt verkündeten Franz Voves, Alfred Gusenbauer und Werner Faymann das "Jahrhundertprojekt".

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