Kanadische Lobby für Internetmaut

18. Februar 2007, 17:03
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Nur Netzneutralität garantiert gleiche Behandlung aller Web-User

Die Diskussion über die Einhebung einer "Internet-Maut" durch die Telekom-Provider bekommt aus Kanada neues Futter. Wie aus Dokumenten, die der kanadischen Nachrichtenagentur CP zugespielt wurden, hervorgeht, sehen Berater des kanadischen Wirtschaftsministers Maxime Bernier keine Notwendigkeit, die Netzneutralität im Rahmen der geplanten Reform des Telekommunikationsrechts gesetzlich zu verankern. Dem Minister wird in den Papieren zudem mitgeteilt, dass die Telcos fest entschlossen sind, künftig eine größere Rolle bei der Lieferung von Web-Inhalten zu spielen. Kritiker sind empört. "Die Materialien könnten direkt aus Lobby-Dokumenten der Telekommunikationsunternehmen kommen", kritisiert Micheal Geist, Rechtsprofessor an der Universität Ottawa.

Konflikt

Der Konflikt um die Freiheit im Internet ist vor allem in den USA permanent schwelend. Große Telcos wie AT&T kritisieren, dass Anbieter wie Google & Co. ihre Leitungen eigentlich gratis nutzen würden. Um ihre Produkte und Dienste an den User zu bringen, sollten sie allerdings dafür zahlen. Kürzlich entfachte die Telekom Austria auch in Österreich Diskussionen zum Thema. Ebenso in Deutschland, wo sich die Deutsche Telekom auf dieselben Argumente stützt. Verfechter der neutralen Haltung gegenüber Internetdatenpaketen wie die US-Organisation Save the Internet argumentieren, dass nur das Neutralitätsprinzip sicherstellt, dass der kleinste Blog eines Users ebenso schnell zugänglich ist, wie die Angebote von finanzpotenten Konzernen. Über eine Gebührenregelung würden die Telcos quasi das Internet kontrollieren, denn wer zahlt, dessen Daten werden mit Priorität durch das Web transportiert. "Die Telcos glauben, dass sie die Gatekeeper der Inhalte sind und auch frei sein sollten, fr ihre Rolle Gebühren zu kassieren", wird aus den kanadischen Dokumenten zitiert.

Gruppen

Verständlicherweise gruppieren sich im Lager der Neutralitätsverfechter Unternehmen wie Amazon, eBay, Google und Microsoft. Sie vertreten die Auffassung, dass durch Gebühren ein Mehrklassen-Internt geschaffen werde, das vor allem kleine, junge und innovative Webunternehmen behindere. (pte)

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