Österreichs Kick als Beziehungsnetz

28. Jänner 2008, 20:28
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FAS.research analysiert für den STANDARD alle Spiele der Nationalelf bis zur EM

Wien - Keine Übertreibung. Jene Netzwerkgrafiken, mit denen im Standard die Fußball-WM 2006 analysiert wurde, sorgten europaweit für Aufsehen. In Foren von Finnland bis Italien wurde heftig diskutiert, nach dem WM-Endspiel etwa ergötzten sich Milan-Fans daran, dass sich Pirlo-Gattuso als überragende Achse dargestellt hatte. Es kam quasi zu einem virtuellen Treffen zweier Communitys, zum Treffen der Fußballfreaks mit den Wissenschaftern.

Harald Katzmairs Firma FAS.research nimmt nun bis zur EM 2008 für den Standard alle Österreich-Länderspiele unter die Lupe, heuer sind es zwölf, 2008 vier. Katzmair und Helmut Neundlinger analysieren, jedes Match wird aufgezeichnet und mehrmals abgespielt. Bei FAS.research füttert Ruth Pfosser mit den Daten die Software, und der Computer spuckt die Darstellung aus, die von der Standard-Grafik überarbeitet wird. Entscheidend ist, wohlgemerkt, der intentierte Pass - nicht jeder Ball erreicht sein Ziel, was "milde ausgedrückt" ist, um mit Josef Hickersberger zu sprechen.

Im Gegensatz zu den WM-Partien, in denen stets zwei Teams verglichen wurden, konzentrieren sich Katzmair und Neundlinger jetzt ganz auf Österreichs Mannschaft. Schließlich ist's nebensächlich, welche maltesische oder ghanaische Achse für das Spiel ihres Teams bestimmend ist. Hingegen sollte oder könnte sich schon nach den ersten Tests eine gewisse Entwicklung innerhalb des Teams von Hickersberger herauslesen lassen. Welche Spieler harmonieren gut miteinander, welche gar nicht, wer übernimmt Verantwortung und zieht das Spiel an sich, wer setzt die Stürmer ein, wer hält den Ball zu lange?

FAS.research sitzt in Wien und San Francisco, FAS steht für "Forschungsgesellschaft für Angewandte Strukturanalyse". Analysieren lässt sich u. a. in den Bereichen Risikomanagement, Marketing, Darstellung von Unternehmenskontakten, Vertrieb, Werbung und Karriereplanung. Kunden von FAS.research sind u. a. Ikea, Mobilkom, T-Mobile, Drei-Hutchinson, One, Siemens, Allianz Versicherung, Ecker & Partner, OMV, Arbeiterkammer Wien.

Einnetzen ist hart

Mit dem Fußball beschäftigt man sich seit der EM 2004. Die UEFA pflegte relevante Daten nach Spielen gleich ins Netz zu stellen - im Gegensatz zur FIFA oder zum ÖFB. Das ist also der einzige Grund dafür, dass sich Katzmair und Neundlinger jetzt jedes ÖFB-Spiel mehrmals reinziehen. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 9. Februar 2007, Fritz Neumann)

  • Die Visualisierung also der drei wichtigsten Anspielpartner jedes Österreichers gegen Malta. Die rechte Flanke mit Ivanschitz und Standfest hatte in Reziprozität und Orientierung nach vorn ein klares Übergewicht. Standfest war Verteiler und Anspielstation im Flügelspiel. Fuchs füllte diese Rolle links in der zweiten Hälfte besser aus als Ibertsberger. Bei aller Freude über Standfest kann nicht übersehen werden, dass das forcierte Spiel über die Flanken in Bezug auf den Abschluss auch auf der rechten Seite ineffizient war - konnte so doch kaum eine Torchance herausgespielt werden. Insgesamt schoss das Team nur elfmal in Richtung Tor. Mit der Verkettung im Spiel war es insgesamt nicht weit her, so bleiben viele Pfeile eher dünn: Nur zweimal lief der Ball über mehr als zehn Stationen, meist war nach drei bis fünf Stationen Schluss. Das Spiel "verarmte" zusehends auf Beziehungsebene - was zu einem Anstieg hoher Bälle in die Spitze führte. Apropos Spitze: Trotz aller Bemühungen konnten Kuljic und Linz nicht an ihre Kontaktfreudigkeit im Herbst anschließen.
    grafik: fas.research

    Die Visualisierung also der drei wichtigsten Anspielpartner jedes Österreichers gegen Malta. Die rechte Flanke mit Ivanschitz und Standfest hatte in Reziprozität und Orientierung nach vorn ein klares Übergewicht. Standfest war Verteiler und Anspielstation im Flügelspiel. Fuchs füllte diese Rolle links in der zweiten Hälfte besser aus als Ibertsberger. Bei aller Freude über Standfest kann nicht übersehen werden, dass das forcierte Spiel über die Flanken in Bezug auf den Abschluss auch auf der rechten Seite ineffizient war - konnte so doch kaum eine Torchance herausgespielt werden. Insgesamt schoss das Team nur elfmal in Richtung Tor. Mit der Verkettung im Spiel war es insgesamt nicht weit her, so bleiben viele Pfeile eher dünn: Nur zweimal lief der Ball über mehr als zehn Stationen, meist war nach drei bis fünf Stationen Schluss. Das Spiel "verarmte" zusehends auf Beziehungsebene - was zu einem Anstieg hoher Bälle in die Spitze führte. Apropos Spitze: Trotz aller Bemühungen konnten Kuljic und Linz nicht an ihre Kontaktfreudigkeit im Herbst anschließen.

  • Man erinnere sich ans WM-Finale (9. Juli 2006). Da stand im Standard: "Am stärksten stechen Zentralität und überragende Reziprozität Zidanes hervor, der ein komplexes Netz von Beziehungen entwickelt." Oder: "Die Italiener haben eine klassische Zweierbeziehung mit Einbahntendenzen zu bieten."
    grafik: fas.research

    Man erinnere sich ans WM-Finale (9. Juli 2006). Da stand im Standard: "Am stärksten stechen Zentralität und überragende Reziprozität Zidanes hervor, der ein komplexes Netz von Beziehungen entwickelt." Oder: "Die Italiener haben eine klassische Zweierbeziehung mit Einbahntendenzen zu bieten."

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