Kräftemessen zwischen Libro und Kammer

23. Februar 2007, 15:12
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Der Konflikt zwischen Libro und der Wirtschaftskammer um günstige Bücher läuft auf ein Kräftemessen hinaus

Wien – Der Konflikt zwischen Libro und der Wirtschaftskammer um günstige Bücher läuft auf ein Kräftemessen hinaus. Auslöser war großangelegte Werbung für billige Titel – was die Buchpreisbindung verbietet. Die Kammer klagte und erwirkte eine einstweilige Verfügung. Libro ging in die Berufung, bisher aber ohne Erfolg, sagt Branchenobmann Michael Kernstock. Jetzt sei das Verfahren in der zweiten Instanz am Oberlandesgerichtshof. Libro muss 20.000 Euro Exekutionsstrafe zahlen, setze sich aber auch dagegen zu Wehr.

Ein Urteil sei richtungsweisend für den gesamten Buchhandel, sagt Kernstock. "Wir wollen hier Rechtssicherheit." Auch Mitbewerber wie Morawa und Tyrolia zeigen für den Vorstoß der Kette wenig Verständnis. "Wir haben hart für die Preisbindung gekämpft", sagt Morawa-Geschäftsführer Gerald Schantin. "Wozu gibt es denn Gesetze? Alle anderen halten sich ja auch daran." Libro-Chef Werner Weber ortet die Probleme hingegen woanders. Österreichs Buchmarkt zähle seit Jahren zu den Verlierern des Einzelhandels, das Buch habe an Attraktivität verloren. "Die Branche muss dagegen Rezepte finden", sagt Weber. Und eines sei, stärker mit Werbemitteln zu arbeiten.

Schlusslicht im Einzelhandel

Daten der KMU Forschung Austria machen den Buchhandel 2006 mit einem Umsatzminus von nominell 2,4 Prozent zum Schlusslicht im Einzelhandel. Vielen Händlern habe das kurze Weihnachtsgeschäft einen Strich durch die Rechnung gemacht, zieht Kernstock Bilanz. Filialisten schöpfen dabei immer mehr vom Markt ab; sie lukrieren laut Regioplan mittlerweile mehr als ein Drittel des Geschäfts.

Thalia baut rasant aus, auch Morawa will nach dem Einstieg bei der Kärntner Buchhandlung und Leykam Beteiligungen weiter vorantreiben. Ziel seien Synergien bei Einkauf und Administration. Es gehe dabei aber um ein Mehrmarken-Konzept, sagt Schantin. "Wir haben kein Interesse, überall Morawa aufzupicken."

Tyrolia, größter Buchhändler im Westen, prüft Zukäufe in Vorarlberg und Salzburg. "Wir bekommen immer wieder Anfragen", sagt Unternehmenschef Christoph Schiemer. Für Einzelstandorte werde es zunehmend schwieriger, sich zu behaupten. Die Tyrolia habe den Umsatz im Vorjahr auf 23,7 Mio. Euro leicht gesteigert. Morawa hielt ihn auf 46,7 Mio. Euro stabil.

Aufschwung erwartet

Die Branche erwartet heuer einen Marktaufschwung, von der Ausdehnung der Wochenöffnungszeiten auf 72 Stunden verspricht sie sich aber wenig. Solange die Geschäfte rundum nicht mitziehen, mache es wenig Sinn, sagt Schantin. Morawa habe in der Wiener Wollzeile eine Zeit lang bis 20.30 Uhr offen gehalten, sei davon aber wieder abgekommen. Libro will darüber künftig je nach Standort und Bedarf entscheiden. Ein Gießkannenmodell werde es laut Weber nicht geben. Tyrolia-Chef Schiemer zweifelt, ob sich längere Öffnungszeiten rechnen. "Ich bin kein Freund davon." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.2.2006)

  • Bücher waren im Vorjahr unter den Verlierern des Einzelhandels. Heuer soll es wieder bergauf gehen. Von der längeren Ladenöffnung verspricht sich die Branche aber wenig - die Skepsis überwiegt.
    foto: standard/hendrich

    Bücher waren im Vorjahr unter den Verlierern des Einzelhandels. Heuer soll es wieder bergauf gehen. Von der längeren Ladenöffnung verspricht sich die Branche aber wenig - die Skepsis überwiegt.

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