Eine Frage der politischen Verantwortung

19. Juli 2000, 11:18

Vorarlberger Frauenrat: Außerfamiliäre Betreuung von Kindern- und Erwerbstätigkeit von Müttern unerwünscht

Über die Frage des Bedarfes von Kinderbetreuungseinrichtungen (für unter 3-jährigen und SchülerInnen) muss in Vorarlberg nicht mehr diskutiert werden. Immer noch wird die Thematik "Kinderbetreuung" isoliert von Geschlechtsrollenzuschreibungen und der Gesellschaftsentwicklung diskutiert. Dies ist für uns deshalb inakzeptabel, weil der vielgepriesene Fortschritt nicht möglich ist, wenn im Bereich Familie alles beim alten bleibt, so die Sprecherinnen des Vorarlberger Frauenrats, Martina Eisendle und Helga Sofia.

Familienfreundlich gleich Frauenfreundlich?

Familienpolitik wird wieder als Frauenpolitik verkauft, indem familienfreundliche Betriebe als frauenfreundlich bezeichnet und Teilzeitarbeitsplätze hauptsächlich in frauendominierten Berufssparten angeboten werden. Eine Familie zu haben ist für Männer nach wie vor karrierefördernd, für Frauen dagen karrierehemmend, denn kinderbetreuende Mütter sind auch stützende, pflegende, putzende "Männerbetreuerinnen", analysieren die Sprecherinnen den herrschenden Zustand.

"Mädchen brauen keine Berufsausbildung, sie heiraten eh", ist eine immer noch zu oft gehörte Redewendung

Im Interesse einer gerechten Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit stellt sich dem Frauenrat beim Thema Kinderbetreuung primär die Frage: Welche Vorraussetzungen müssen gegeben sein, daß sich Männer im selben Maße wie Frauen an der Familienarbeit, d.H. an Pflege- und Hausarbeit beteiligen? Die momentane Handhabung in Vorarlberg (Kindergartengesetz, Finanzierung)ist von folgender "Botschaft" geprägt: Die außerfamiliäre Betreuung von Kindern- und damit auch die Erwerbstätigkeit von Müttern gilt als gesellschaftlich unerwünscht. Diese politischen Entscheidungen "hinken" der gesellschaftlichen Entwicklung entschieden nach, wie sich bei einer Podiumsdiskussion am Dienstag zeigte. (red)

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