Bartenstein will Versorger vernetzen

13. März 2007, 15:36
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Wirtschaftsminister Martin Bartenstein unterstützt Verbund-Chef Hans Haider bei seinem Angebot an die Bundesländer, ihnen die Landes-Stromversorger teilweise abzukaufen

Wien - "Die Österreichische Stromlösung in ihrer alten Form ist nicht machbar, aber eine echte gesellschaftsrechtliche Verschränkung kann funktionieren", meinte Verbund-Generaldirektor Hans Haider am Mittwochabend. "Der Verbund ist finanzstark genug, diesen Weg zu gehen, und die Länder wären weiter mehrheitlich an ihren Energieversorgern beteiligt", sagte der für die 51-Prozent-Mehrheit der Republik am Verbund zuständige Wirtschafts- und Energieminister Martin Bartenstein.

"Wenn Wien und Niederösterreich mitgehen, dann ist eine weitergehende Verschränkung der richtige Weg", so Bartenstein. Diese beiden Bundesländer bzw. ihre Landesversorger halten übrigens umgekehrt gemeinsam rund 25 Prozent am Verbund. Die alte "ÖSL" könne nicht funktionieren, meinte der Verbund-Chef, da sie "furchtbar kompliziert" sei. Demgegenüber betonte Bartenstein, er als Energieminister "halte dieses Projekt weiter für sinnvoll". Aus seiner Sicht gelte es für die ÖSL nur noch die "Bewertungshürde" zu überspringen, die "im Großraum Wien" entstanden sei, so der Minister.

"Kalte Enteignung"

Haider warnte vor einer "kalten Enteignung" der Stromnetz-Eigentümer durch die von Brüssel geplante komplette Entflechtung von Elektrizitätserzeugern und Netzbetreibern, wie sie die EU-Kommission im Jänner als Teil ihrer neuen Energiestrategie präsentiert hat. Ein eigentumsrechtliches Unbundling "käme schon sehr nahe an eine Enteignung heran", meinte auch Bartenstein. Um einen Mehrwert im Inland zu generieren sollten stattdessen die heimischen Stromnetze von Verbund und Landes-EVU zusammengelegt werden, plädierten sowohl Haider als auch Bartenstein.

Für die Stromkunden könnte eine Zusammenlegung der Netze Kostenvorteile in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro bringen, verwies Bartenstein auf von E-Control-Chef Walter Boltz genannte Größenordnungen: "Bei den Netzen kann man Geld sparen", so der Minister, "das Geld hängt gewissermaßen an den Masten."

Der Verbund würde an den gemeinsamen Netzen durchgerechnet maximal ein Zehntel halten, der Rest bei den Ländern, sagte Haider. Am wertvollsten wären dabei seinen Angaben zufolge die Netze in Wien mit 1,3 Millionen Kunden gefolgt von Niederösterreich mit 700.000 Abnehmern. "Ganz schlecht" wäre es dagegen nach Ansicht des Verbund-Chefs, wenn, wie von Brüssel als eine Unbundling-Variante erwogen, "ein ganz Fremder unser Netz regelt, obwohl es uns gehört".

Die im Vorjahr angedachte und dann am politischen Widerstand der Bundesländer gescheiterte OMV-Verbund-Fusion ist "tot", bekräftigten Haider und der ebenfalls mit am Tisch sitzende OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer. (APA)

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    Bartenstein: "Bei den Netzen kann man Geld sparen. Das Geld hängt gewissermaßen an den Masten."

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