Paris: Islam-Dachverband beklagt "Politisierung" in Karikaturenstreit

Doch Rücktrittsdrohung nicht wahr gemacht - Nach Eklat um Sarkozy-Äußerung

Paris - Der nationale muslimische Dachverband CFCM Frankreichs ist am Mittwoch zu einer Krisensitzung zusammengetreten, nachdem der französische Innenminister Nicolas Sarkozy im Prozess um die Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen einen Eklat ausgelöst hatte. Weil Sarkozy "im Namen der Freiheit, über alles zu lachen" dem verklagten Satiremagazin "Charlie Hebdo" seine Unterstützung zusicherte, hatte der CFCM mit dem Rücktritt gedroht. Er beklagte die "Politisierung" des Prozesses und forderte Zurückhaltung, stellte seine Arbeit aber nicht ein. Sarkozy selbst hatte den Verband als Minister vor vier Jahren ins Leben gerufen.

Eine Vereinigung islamischer Organisationen und die Große Moschee von Paris hatten "Charlie Hebdo" wegen der Karikaturen des Propheten verklagt. Eine am 8. Februar 2006 mitten im Streit um die Karikaturen veröffentlichte Sondernummer des Magazins sei ein "vorsätzlicher Akt der Aggression" gewesen mit dem Ziel, religiöse Gefühle zu verletzen, meinen die Moslems. Dem Chefredakteur des Magazins, Philippe Val, drohen bei einer Verurteilung durch das Straftribunal von Paris bis zu sechs Monate Haft und eine Geldstrafe von maximal 22.500 Euro.

Eigene Karikaturen dazugestellt

"Charlie Hebdo" hatte zwölf in der dänischen Zeitung "Jyllands Posten" veröffentlichte Karikaturen nachgedruckt und eigene dazu gestellt. Die Sondernummer wurde ein Hit mit etwa 400.000 verkauften Exemplaren. Zwei Mohammed-Karikaturen aus der dänischen Zeitung und eine des Zeichners Cabu in der Wochenzeitschrift erregten besonders den Zorn der muslimischen Verbände. Der Streit um die Karikaturen führte zu einer Welle von zum Teil gewalttätigen Protesten in der islamischen Welt.

In einem überfüllten Gerichtssaal rechtfertigte der Magazin-Chef die Entscheidung, die Karikaturen abzudrucken, mit dem Willen, "die Religion als Ideologie zu kritisieren". Er habe zeigen wollen, dass man dies in Frankreich tun könne, sagte Val. Mit dem Gerichtspublikum auf seiner Seite fügte er an, die Veröffentlichung habe "in keinem Fall Verachtung für Gläubige gleich welcher Religion ausgedrückt".

Vor Eröffnung des zweitägigen Verfahrens hatten französische Intellektuelle vor einer "Selbstzensur" gewarnt und auf das Recht auf Meinungsfreiheit hingewiesen. Die linksliberale "Libération" druckte am Mittwoch aus Solidarität mit "Charlie Hebdo" die umstrittenen Karikaturen erneut ab. Eine zeigt den Propheten mit einem Turban in Form einer Bombe. Die Hilfsorganisation "Reporter ohne Grenzen" stellte sich in einer Mitteilung "bedingungslos" hinter das Magazin. (APA)

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