Paris: Islam-Dachverband beklagt "Politisierung" in Karikaturenstreit

Redaktion
9. Februar 2007, 14:26

Doch Rücktrittsdrohung nicht wahr gemacht - Nach Eklat um Sarkozy-Äußerung

Paris - Der nationale muslimische Dachverband CFCM Frankreichs ist am Mittwoch zu einer Krisensitzung zusammengetreten, nachdem der französische Innenminister Nicolas Sarkozy im Prozess um die Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen einen Eklat ausgelöst hatte. Weil Sarkozy "im Namen der Freiheit, über alles zu lachen" dem verklagten Satiremagazin "Charlie Hebdo" seine Unterstützung zusicherte, hatte der CFCM mit dem Rücktritt gedroht. Er beklagte die "Politisierung" des Prozesses und forderte Zurückhaltung, stellte seine Arbeit aber nicht ein. Sarkozy selbst hatte den Verband als Minister vor vier Jahren ins Leben gerufen.

Eine Vereinigung islamischer Organisationen und die Große Moschee von Paris hatten "Charlie Hebdo" wegen der Karikaturen des Propheten verklagt. Eine am 8. Februar 2006 mitten im Streit um die Karikaturen veröffentlichte Sondernummer des Magazins sei ein "vorsätzlicher Akt der Aggression" gewesen mit dem Ziel, religiöse Gefühle zu verletzen, meinen die Moslems. Dem Chefredakteur des Magazins, Philippe Val, drohen bei einer Verurteilung durch das Straftribunal von Paris bis zu sechs Monate Haft und eine Geldstrafe von maximal 22.500 Euro.

Eigene Karikaturen dazugestellt

"Charlie Hebdo" hatte zwölf in der dänischen Zeitung "Jyllands Posten" veröffentlichte Karikaturen nachgedruckt und eigene dazu gestellt. Die Sondernummer wurde ein Hit mit etwa 400.000 verkauften Exemplaren. Zwei Mohammed-Karikaturen aus der dänischen Zeitung und eine des Zeichners Cabu in der Wochenzeitschrift erregten besonders den Zorn der muslimischen Verbände. Der Streit um die Karikaturen führte zu einer Welle von zum Teil gewalttätigen Protesten in der islamischen Welt.

In einem überfüllten Gerichtssaal rechtfertigte der Magazin-Chef die Entscheidung, die Karikaturen abzudrucken, mit dem Willen, "die Religion als Ideologie zu kritisieren". Er habe zeigen wollen, dass man dies in Frankreich tun könne, sagte Val. Mit dem Gerichtspublikum auf seiner Seite fügte er an, die Veröffentlichung habe "in keinem Fall Verachtung für Gläubige gleich welcher Religion ausgedrückt".

Vor Eröffnung des zweitägigen Verfahrens hatten französische Intellektuelle vor einer "Selbstzensur" gewarnt und auf das Recht auf Meinungsfreiheit hingewiesen. Die linksliberale "Libération" druckte am Mittwoch aus Solidarität mit "Charlie Hebdo" die umstrittenen Karikaturen erneut ab. Eine zeigt den Propheten mit einem Turban in Form einer Bombe. Die Hilfsorganisation "Reporter ohne Grenzen" stellte sich in einer Mitteilung "bedingungslos" hinter das Magazin. (APA)

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14 Postings
politisierung?

also politisierung haben für mich diejenigen begangen, die aus verbohrt-ideologisch-fundamentalistischen gründen karikaturen vor gericht bringen!

mich fragt ja keiner mehr

aber mit der politisierung sollten sich gerade meine kinder mohammeds ein bissl zurückhalten.

wenns ihr da so weitertuts, dann fahr ich nochmal hernieder, aber dann werd´s euch anschauen.

Ich fürchte, dass Ihr Herniederfahren, nachdem die Suren als festgeschriebene und ewig gültige Wahrheit gelten, nur als imperialistischer US-Amerikanische Agitation, unter zuhilfenahme von Tesla-Strahlen, gedeutet werden wird.

du hast dir hiermit einen sicheren platz an meiner seite

herbeigepostet.

sowahr ich dir helfe.

Ich will aber nicht neben der Maria sitzen. Die wird ja schon vom anschauen schwanger...

wegen dem schwanger mach dir keine sorgen,

warum glaubst du, mein sohn, habe ich die empfängnisverhütung erschaffen.

da lässt sich was machen,

der josef ist ihr nach 2000 jahren schon ein bissl fad geworden. aber die ist hier heroben nicht zum anbringen. nicht mal hier will jemand heutzutage eine jungfrau.

versprechen kann ich aber nichts, bei den frauen hab nicht einmal ich ein leiberl da heroben.


Das mit den renitenten Frauen hat ja schon mit der Lilith angefangen.
Die wär aber was, denn was der Adam auf keinen Fall wollte, mag ich recht gerne.

"Er beklagte die "Politisierung" des Prozesses und forderte Zurückhaltung"

Sehr schön. Warum hat kein muslimischer Verband die "Politisierung" beklagt als:

- vom dänischen Ministerpräsidenten eine Entschuldigung für das Handeln einer Zeitug gefordert wurde?

-der iranische Präsident als Reaktion den "Holocaustkarikaturen-Wettbewerb" ins Leben rief. Pardon, eine staatliche Zeitung den Wettbewerb ins Leben rufen ließ.

- der türkische Ministerpräsident das Verhalten der Karikaturisten nicht tolerierbar nannte.

-Botschaften abgefackelt wurden, weil in deren Ländern die Politik nicht gegen die Pressefreiheit vorgegangen ist

-Libyen die dänische Botschaft geschlossen hat

-Kofi Anan, der Vatikan, die USA und auch unser Bundespräsident die Karikaturen verurteilt hat.

und und und

Na, Sie sind ja ein gaaanz Böser...

Da würde ich noch anfügen, daß es schon mehr als ein G'schmäckle hat, wenn der Leibanwalt Chiracs einer der Anwälte der Kläger ist... angesichts der mehr als peinlichen Auftritte, die Chirac sich in den Fällen Salman Rushdie und Florence Aubenas geleistet hat, schon bemerkenswert.

Libération, 8.02.2007:

"Manifestement, les associations musulmanes n'ont guère été découragées par l'Elysée de se lancer dans leur action judiciaire kamikaze. L'avocat du Président, Francis Szpiner, défend cette mauvaise cause avec une impressionnante absence de talent. Serge Dassault, autre ami zélé du Président, comme l'a raconté à la barre l'excellent Denis Jeambar, a tenté en vain de censurer son propre journal pour cause de voyage en Arabie avec... Jacques Chirac.

Du coup, Nicolas Sarkozy s'est empressé de prendre le contre-pied du Président. Certains sentent le vent plus vite que d'autres. Pour Chirac, c'est plutôt le trou d'air." <http://www.liberation.fr/actualite... FR.php>

für "Den Oley" hier ne schnelle etwa "sinngemâsse" übersetzung

Offensichtlich sind die muslimischen vereinigungen kaum durch den Élysée entmutigt worden, ihre Kamikaze-Klage führen. Der Rechtsanwalt des Präsidenten, Francis Szpiner, verteidigt diesen schlechten Fall mit einem beeindruckenden Fehlen von Talent.
Serge Dassault, ein anderer fleißiger Freund des Präsidenten, wie es so erzählt wird vom hervorragenden Denis Jeambar (hat früher für L'Express-L'Expansion gearbeitet )-hatte vergeblich versuchte, seine eigene Zeitung wegen einer Reise nach Arabien zu zensieren… der mit Jacques Chirac.
Auf einen Schlag hat sich Nicolas Sarkozy beeilt, das Gegenteil vom Präsidenten zu machen. Einige fühlen den Wind schneller als andere. Für Chirac ist es eher ein Luftloch.

Sie dürfen das auch in einer uns verständlichen Sprache formulieren

Oder sind sie Franzose und lehnen das benutzen einer Fremdsprache ab?

Das allerdings wäre dann typisch und verständlich.

Drei kleine Bemerkungen:

1. Nein, ich bin kein Franzose. Mein Nick sollte da Hinweis genug sein.

2. Ich bin für Ihr Bildungsdefizit nicht verantwortlich.

3. Es ist schon lustig, daß dieselben Leute, die sich über mangelnde Fremdsprachenkenntnisse bei Franzosen, Engländern, ... mokieren, sich nicht entblöden, ihre eigenes Ignorantentum öffentlich herauszuposaunen. Tut das eigentlich nicht weh?

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