Austern auf in Galway

10. Februar 2007, 17:00
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Die Auster ist flacher als jene auf hiesigen Märkten und schmeckt - aus dem Wasser direkt in den Mund - "meeriger" und frischer

Den britischen Inseln traut man in kulinarischer Hinsicht ja nicht besonders viel zu. Speziell was Irland betrifft, entspricht dieser Ruf nicht der Realität: Das Land ist nicht nur ein kulturhistorisch interessantes Reiseziel für jene, die auch kühlere Klimate schätzen. Wasser, Weiden und dörfliche Strukturen außerhalb der Hauptstadt Dublin sind die Grundlagen für hochwertige Milchprodukte. Und der Golfstrom, der nach der Atlantikquerung die Südwestecke der Insel erreicht, um sie dann in Richtung Norden zu umströmen, sorgt für Wassertemperaturen, in denen sich Austern, Hummer und Konsorten ausgesprochen wohl fühlen und zu wohlschmeckender Art heranwachsen.

Seafood vom Feinsten

Die Stadt Galway an der Westküste der Insel und das gleichnamige County haben sich auf Meeresfrüchte spezialisiert. Und von Galway ausgehend in beiden Richtungen entlang der Küste gibt es einige Kleinstädte und Dörfer, in denen Reisende von freundlichen Menschen mit feinstem Seafood versorgt werden. Austern sind dabei das zentrale Thema, was man im Herbst jeden Jahres mit dementsprechenden Festen begeht. Beim dreitägigen Oyster Festival von Galway Ende September wird praktischerweise auch gleich der Weltmeister im Austernöffnen ermittelt: Beim letzten Contest waren Teilnehmer aus 17 Nationen vertreten, darunter Südafrika, Australien, Singapur und Finnland. Weltmeister wurde übrigens der irische Lokalmatador Michael Moran, der zwar zwei Minuten 35 Sekunden zum Öffnen der 30 Austern benötigte, womit er nur Zweitschnellster war, diese aber derartig prächtig präsentierte, dass er die neun Sekunden Rückstand locker mit den "Präsentationspunkten" aufholte

Feste zu Ehren der Auster gibt es übrigens nicht nur in Galway, allerdings rühmt man sich dort, das traditionsreichste seiner Art zu veranstalten: 2006 fand es zum 52. Mal statt. Berühmtester "außeririscher" Ehrengast der Festgeschichte war übrigens 1960 der US-Regisseur John Ford, der acht Jahre zuvor in Connemara, der Landschaft westlich und norwestlich von Galway, den Film "The Quiet Man" ("Der Sieger") gedreht hatte, dem man in keiner Buchhandlung der Gegend entkommt: John Wayne als ein aus den USA in sein irisches Heimatdorf zurückgekehrter Boxchampion verliebte sich in die widerborstige Schönheit Maureen O'Hara, die er nach den gebotenen Schwierigkeiten natürlich auch erobert.

Stadt mit Charme

Galway, trotz Festivals und vieler Kulturaktivitäten (noch) nicht der große Touristenmagnet, hat ein sehr heimeliges Stadtzentrum, das an der Mündung des River Corrib liegt und mit engen Gassen und kleinen, teilweise etwas windschiefen Häusern bezaubert. Die zahlreichen Cafés und Pubs im Zentrum waren auch im irischen Herbst sehr gut bevölkert. In den letzten zehn Jahren seien fast 20.000 neue Bewohner zugezogen, derzeit hält man bei rund 70.000, hört man oft und nicht ohne Stolz. An den Rändern franst die Stadt mittlerweile etwas aus. Ein Business-Gelände reiht sich ans nächste, auch einige größere Hotels wurden an den Stadtrand zur Küste verbannt. Aber der Übersichtlichkeit und dem kleinstädtischen Charme der drittgrößten Stadt des Landes tut dies keinerlei Abbruch. Und irgendwo darf sich das irische Wirtschaftswunder auch manifestieren, das die ganze Insel, nicht nur Dublin, in den letzen zehn, fünfzehn Jahren erfasst hat.

Die Küste in Richtung Nordwesten ist erwartungsgemäß grün und wirklich schön, aber erst ab Ballynahown wird die Landschaft spektakulär. Man ist in der Connemara, die zu den rauesten Gegenden in Irland zählt. Kleinere Buchten sind in größere eingeschnitten und zahllose Inseln und Inselchen in den Bays erfreuen das "natursüchtige" Auge. Man ist sozusagen gezwungen, jede der wunderschönen Buchten in weiten Bögen auszufahren, die Straßen sind schmal und verbinden die wenigen Dörfer entlang des Wassers. Ein entgegenkommendes Fahrzeug kann einem dabei auch schon zum Stehenbleiben am Straßenrand zwingen, weil zwei in voller Geschwindigkeit nicht aneinander vorbeipassen. Von der angeblichen Unwirtlichkeit der Connemara-Landschaft kann keine Rede sein, sie ist im Gegenteil sehr einladend. Die mit Gräsern bedeckten und wenigen niedrigen Büschen bewachsenen moorigen Flächen sind von teilweise verfallenen Steinmauern durchzogen, auf Schafherden trifft man allenthalben. Schmale und exakt rechteckige schwarze Ausnehmungen in den Wiesen zeigen an, wo Torf gestochen wurde.

In Guinness schwimmt die Auster am besten

An der Westseite der Bertraghboy Bay liegt Roundstone, ein kleiner Ort, wo man sich die Zeit für einen Lobster in Whisky-Cream-Sauce bei "O'Dowds" nehmen sollte. Der kleine Ort hat einen guten Namen aufgrund der Qualität dieser Meereskrabbler, die man hier nicht großflächig züchtet, die aber in den Gewässern vor der Stadt prächtigst gedeihen. Von Galway in Richtung Süden gibt es zwar nicht weniger liebliche Buchten, die Landschaft wirkt jedoch viel ruhiger und sanfter mit knallgrünen Wiesen, die von kleinen Flussläufen oder Meeresarmen durchzogen sind, so genau unterscheidet man das nicht. Genau in diesem "Wassergemisch" züchtet die Familie Kelly seit den 50er-Jahren Miesmuscheln und Austern vor allem der europäischen Art (Ostrea edulis). Damit werden nicht nur viele Lokale der Gegend versorgt und das Oyster Festival bestückt, sondern man exportiert auch. "Dabei ist alles nur über Mundpropaganda gelaufen", erzählt Vater Michael Kelly stolz.

"Moran the Weir" bei Clarinbridge ist einer der Belieferten, ein unscheinbares Lokal in einem weißen Haus mit Schilfdach, das aber aufgrund der Qualität der dort servierten Muscheln und Meeresfrüchte seit Langem und zu Recht von Meeresfrüchte-Fans gezielt angefahren wird. Das empfohlene Getränk zu den irischen Austern kommt übrigens auch von der Insel - ein Pint Guinness wird jedem Weißwein vorgezogen. (Luzia Schrampf/Der Standard/RONDO/09.02.2007)

Anreise: Aer Lingus fliegt einmal täglich nach Dublin, weiter mit dem Mietwagen
Unterkunft: z.B. Galway Bay Hotel
Info: Entdecke Irland
Galway Oysterfes
Kelly Oysters
Ireland Guide
  • Es lohnt sich, der Kulinarik wegen an die Westküste Irlands zu reisen.
    foto: galwayoysterfest.com

    Es lohnt sich, der Kulinarik wegen an die Westküste Irlands zu reisen.

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