Klimafeind Bio-Erdbeere: Kauf im Winter unverantwortlich

14. Februar 2007, 18:35
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Was Einzelne tun können, um das Klima zu schonen, hat auch in der Ernährung Gewicht - Produkte mit langen Transportwegen meiden

Der Erderwärmung ist in aller Munde, die Frage, was Einzelne tun können, um das Klima zu schonen, gewinnt an Gewicht. Biologische Landwirtschaft kann den Lauf der Dinge mit beeinflussen - doch am Beispiel der Bio-Erdbeere scheiden sich die Geister - Irene Brickner

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Wien - Der Griff des heimischen Konsumenten zu den Erdbeeren trägt zur Klimaerwärmung bei - vor allem, wenn es Winter ist und die begehrte Ware aus fernen Landen herangekarrt werden muss: In dieser Grundaussage sind sich Claudia Sprinz von Greenpeace und Georg Lippay vom Öko-Adressbuch einig.

Keine Erdbeeren im Winter

Weniger konform hingegen ist ihre Haltung zur Bio-Version solch saisonunabhängigen Südfrüchtekonsums. "Der Öko-Konsument von heute verlangt Bioqualität und Genuss", sieht Lippay auch hier den Zug in Richtung Hedonismus abgefahren. Während Sprinz an das Klimabewusstsein appelliert: "Jemand, der im Bio-Supermarkt um diese Jahreszeit Erdbeeren kauft, trifft eine ebenso unverantwortliche Entscheidung wie jemand, der zu konventionellen Importbeeren greift."

Je lokaler - desto weniger Transport

Entscheidend - so Sprinz - sei auch bei Bioprodukten der CO2-Ausstoß der Transportmittel. Auf dem grenzenlosen EU-Markt und darüber hinaus herrsche diesbezüglich keine Kostenwahrheit. Daher rät die Österreich-Leiterin der kritischen Greenpeace-Konsumentenbewegung Marktcheck "zu Bio-Saisonprodukten, etwa Äpfeln". Die seien zu fairen Preisen zu haben - wie überhaupt die Klimabilanz eines Lebensmittels "umso besser ausfällt, je lokaler und auch je unverarbeiteter es ist".

Bio-Adressen

In den boomenden Bio-Supermärkten und bei den beliebten Bio-Linien der Konzerne gingen vor allem Convenience-Angebote wie Tiefkühlprodukte weg wie die warmen Semmeln, kontert hier Lippay. Den Trend "von den Bedürfnissen der Bio-Pioniere hin zum Bio-Lifestile" beobachten seine Mitarbeiter seit 1988. Damals erschienen die "Grünen Seiten" mit Adressen einschlägiger Anbieter erstmals, inzwischen wurden in Österreich, Süddeutschland und der Schweiz 80.000 Kontakte - vom Wellnessprodukt zur Öko-Baufirma - gesammelt.

Beim klimafreundlichen Bauen fallen die Tipps der beiden Experten übrigens eindeutig und einhellig aus. Hier sei die richtige Wärmedämmung zentral, da aus Häusern, die schon stehen, sicher keine Passivhäuser gemacht werden könnten. (DER STANDARD Printausgabe 8.2.2007)

  • Im Sommer ist gegen Bio-Erdbeergenuss nichts einzuwenden, doch wenn es dem Kalender nach wintert, werden die teuren Transportkosten des Südobsts zum Klima- 
problem
    foto: standard/corn

    Im Sommer ist gegen Bio-Erdbeergenuss nichts einzuwenden, doch wenn es dem Kalender nach wintert, werden die teuren Transportkosten des Südobsts zum Klima- problem

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