Euphorie und Engpass: Das "Jazzit"

7. Februar 2007, 19:02
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Der Salzburger Club ist fünf Jahre jung geworden und hat viel bewegt

Salzburg - Kaum zu glauben: Es war einmal eine Zeit, in der in Salzburg aus gut einem halben Dutzend Clubs täglich swingende Klänge tönten. Das war nach dem Krieg, in den Jahren der US-Besatzung. Mit deren Abzug 1955 verschwanden die Clubs - und auch die Mozartstadt von der internationalen Jazzlandkarte.

Dass Salzburg dortselbst heute wieder aufscheint, das ist weniger dem sich vorwiegend in Traditionsverwaltung übenden "Jazzherbst" zuzuschreiben als dem "Jazzit", mit dem der Verein "Jazz im Theater", seit 1981 wichtigster Nahversorger an avancierten Improvisationsklängen, anno 2002 im ehemaligen KPÖ-Volksheim eine fixe Bleibe fand. Momentan ist Andreas Neumayer, der zusammen mit Susanne Ehl die Geschicke des Clubs leitet, zum Feiern zumute:

"Mit 80.000 Besuchern in fünf Jahren hat niemand gerechnet! Und auch nicht damit, dass sich der Club in so viele Richtungen entwickelt hat: Wir sind heute viel mehr als ein Konzertveranstalter." Tatsächlich: Die junge Salzburger Jazzszene schien auf das "Jazzit" nur gewartet zu haben, in Windeseile avancierte das Haus - vor allem dank regelmäßiger Sessions - zum Gravitationspunkt experimentierfreudiger Musiker. Die "ihrem" Club schon auch einmal mittels eigener Benefiz-Abende über finanzielle Engpässe hinweghalfen.

Neumayer: "Ein Gänsehaut-Moment dieser fünf Jahre war für mich, als zum ersten Mal das Jazzit Stage Orchestra auf der Bühne stand. Da fanden sich junge Musiker ohne mein Zutun zusammen und lieferten ein tolles Konzert ab. Ich dachte mir: 'Jetzt trägt die Arbeit Früchte!'" Im Sog des Aufbruchs fand sich sogar ein (sich Anonymität ausbedingendes) Ehepaar als Sponsor für die CD-Reihe "Jazzit Edition", in deren Rahmen jährlich zwei Debüt-Scheiben Salzburger Bands erscheinen. Der zuletzt publizierte "New Swing"-Sampler sollte die Marke "Jazzit" auch international stärker positionieren können.

Weniger enthusiastisch wirkt Andreas Neumayer naturgemäß beim Thema der Finanzen: Rund 270.000 Euro wird das Budget 2007 betragen, wovon rund ein Drittel aus öffentlichen Geldern stammt - bei rund 170 Veranstaltungen pro Jahr bleiben für das Team gerade einmal eine volle und eine halbe Anstellung, der Rest ist ehrenamtliche Selbstausbeutung.

Wie es sonst um den Dialog zur offiziellen Hochkultur der Stadt Salzburg bestellt ist? Bezüglich der Einrichtung der tatsächlich noch immer fehlenden Jazzabteilung am "Mozarteum" gibt sich Neumayer pessimistisch - obwohl Gespräche laufen und Neo-Rektor Reinhart von Gutzeit zur freitägigen Geburtstagsfeier erwartet wird. (Andreas Felber / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.2.2007)

9. 2.: 5 Jahre "Jazzit" mit David Murray & Jazzit Stage Orchestra, Nu Swing Department, DJ Parov Stelar

Link: www.jazzit.at

  • Reist gerne an, um in Salzburg zur Feier des Clubgeburtstags aufzuspielen - Tenorsaxofonmeister David Murray.
    foto: standard/corn

    Reist gerne an, um in Salzburg zur Feier des Clubgeburtstags aufzuspielen - Tenorsaxofonmeister David Murray.

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