Chirac spricht erstmals über Leben nach der Politik

12. März 2007, 18:19
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Amtierender Präsident hat noch nicht erklärt, ob er bei Wahl im April antritt, deutet aber in Fernsehsendung seinen Rückzug an

Zwar hat Jacques Chirac nach wie vor seine Aussagen nicht revidiert, er könnte bei der Präsidentenwahl am 21. April eventuell noch einmal antreten. Seine heute bekannt gewordenen Aussagen aber deuten darauf hin, dass er nach zwölf Jahren Amtszeit nun doch den geordneten Rückzug antritt: "Es gibt ein Leben nach der Politik", sagt Chirac in der Sendung "Vivement Dimanche", die am Sonntag ausgestrahlt wird.

Bleibt vor allem eine Frage offen: Wird Chirac nun dem Kandidaten seiner Partei, Nicolas Sarkozy, doch noch öffentlich seine Unterstützung zukommen lassen? Das Verhältnis zwischen Chirac und dem populären Innenminister ist angespannt, seitdem dieser im Jahr 1995 nicht Chirac, sondern Edouard Balladur als Kandidaten für die Präsidentenwahl unterstützte. Dies ließ Beobachter gar orakeln, Chirac würde eher eine Wahlniederlage - und zwar sowohl die eigene als auch jene der Konservativen - in Kauf nehmen denn seinen Erzrivalen zu unterstützen.

Missbilligung

Zwar hat er sich nicht offen gegen Sarkozy gewandt, sein bisheriges Auftreten aber lässt seine Missbilligung über den Innenminister deutlich werden. Beim Parteitag am 14. Januar, bei dem Sarkozy von der konservativen "Union für eine Volksbewegung" ("Union pour un mouvement populaire", UMP) offiziell zum Kandidaten gekürt wurde, war Chirac weder anwesend noch hatte er eine Grußbotschaft geschickt. Wenige Wochen zuvor hatte ein Chirac-Berater auf die Frage, ob der Präsident die Kandidatur Sarkozys unterstütze, geantwortet: "Warum sollte der Präsident einen Kandidaten zum Ritter schlagen, wo er doch immer noch nicht entschieden hat, ob er selbst antritt?"

Inzwischen aber scheinen sich die Lager einander angenähert zu haben. "Die Mehrheit erwartet den Ritterschlag Chiracs für Sarkozy", schrieb erst vergangene Woche der liberale "Le Monde". Ein Minister, der anonym bleiben wollte, bezeichnete die Unterstützungserklärung gegenüber der Zeitung als "evident". Sarkozy habe nach einem Treffen mit dem Präsidenten am 29. Jänner gar erklärt, er habe sein "Problem mit Chirac geregelt", berichtete "Le Monde" weiter.

Chiracs Unterstützung für Sarkozy "wichtig"

Zwar inszeniert sich Sarkozy als Kandidat des Bruchs ("rupture"), nicht zuletzt in Abgrenzung zu Chirac. Dennoch wünscht sich der Innenminister inzwischen die Unterstützung des amtierenden Präsidenten. "Sollte mir der Präsident der Republik seine Unterstützung zukommen lassen, so wäre dies wichtig", erklärte er zur Überraschung des Chirac-Lagers Ende Januar in einem Interview mit dem konservativen "Figaro".

In Sarkozys Umfeld scheint sich die Überzeugung durchgesetzt zu haben, dass die bislang fehlende Unterstützung von Chirac ein gewisses Handicap darstellt. Schließlich betont der Innenminister, er habe sein Lager hinter sich vereinigt - anders als seine sozialistische Konkurrentin, Ségolène Royal. Tatsächlich haben sich einige Chirac-Vertraute Sarkozy angeschlossen, darunter Verteidigungsministerin Marie Alliot-Michèle, die noch im Dezember nicht ausgeschlossen hatte, selbst gegen Sarkozy bei der parteiinternen KandidatInnenwahl anzutreten. Ebenso hinter dem UMP-Kandidaten stehen die ehemaligen Premierminister Alain Juppé und Jean-Pierre Raffarin.

Villepin wartet auf Chiracs Entscheidung

Einzig Chiracs treuster Gefährte, Premier Dominique de Villepin, will erst Stellung nehmen, wenn sich der Präsident entschieden hat. Dass der Amtsinhaber noch einmal selbst antreten könnte, wurde schon bisher nicht sonderlich ernst genommen. Allein schon seine schlechten Umfragewerte deuten darauf hin, dass er dabei mit wehenden Fahnen untergehen würde. Eine weitere Befürchtung lautet, dass Chiracs Kandidatur die Konservativen in eine Krise stürzen könnte. Deren dramatischste Folge wäre eine Wiederholung von 2002, nur mit umgekehrten Vorzeichen: Eine Stichwahl zwischen Royal und Le Pen.

Es wird erwartet, dass Chirac seine eigene Pensionierung bis Mitte Februar auch explizit geben wird. Spätestens am 16. März aber wird klar sein, wie sich Chirac entschieden hat. Bis dahin nämlich müssen KandidatInnen ihre Unterstützungserklärungen beim Verfassungsgericht abliefern. Nur wer 500 davon einreicht, kann kandidieren. Am 19. März schließlich wird die endgültige Liste der KandidatInnen veröffentlicht. (Sonja Fercher/derStandard.at/8.2.2007)

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    Das Elysée - der Sitz des französischen Präsidenten - werde ihr fehlen, erklärt Bernadette Chirac in der Sendung "Vivement Dimanche", die am kommenden Sonntag auf France 2 ausgestrahlt wird. In dieser Sendung zu Wort kommt auch Chirac selbst, und zwar mit einer aufgenommenen Botschaft, in der er erstmals über die Zeit nach seinem Abgang spricht. "Das Ende ist etwas traurig", kommentierte Bernadette Chirac die Aussagen ihres Mannes und war dabei der Zeitung zufolge "den Tränen nahe".

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