Was wäre wenn der Neusiedler See seichter wäre?

12. Februar 2007, 12:49
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Studie beleuchtet Auswirkung des Wasserstandes - Schiffverkehr wäre in weniger tiefem Wasser nur mehr eingeschränkt möglich

Eisenstadt - Ein niedrigerer Wasserstand des Neusiedler Sees hätte laut einer Untersuchung des Austrian Research Centers (ARC) deutliche Auswirkungen auf die Tourismus- und Freizeitwirtschaft in der Region. Ist der See seichter, wäre Schiffverkehr und Badesport nur noch eingeschränkt möglich, erklärte Landesrätin Michaela Resetar bei der Studienpräsentation am Dienstag in Neusiedl am See.

Laut ARC werde sich die Jahresmitteltemperatur bis 2020 um bis zu 1,9 Grad Celsius, bis 2040 sogar bis zu 2,5 Grad Celsius erhöhen, der Niederschlag wird abnehmen. Niedrige Wasserstände würden dann öfter vorkommen.

Kaum mehr zu besegeln

Der Neusiedler See als Bade- und Sportsee würde in diesem Fall einige Einschränkungen erfahren, denn fürs Segeln zum Beispiel ist zumindest eine Wassertiefe von 1,2 bis 1,3 Meter notwendig. Ist der See seichter, also etwa nur einen Meter tief, wäre das Segeln nur mehr für einige Bootsklassen wie Laser möglich. Auch die Linienschifffahrt hätte ein erhebliches Problem. Bei 115,0 Meter über Adria wäre sie nur mehr eingeschränkt möglich, bei 114,7 Meter über Adria überhaupt nicht mehr.

Die Wertschöpfung und Beschäftigung in der Region stehen in direktem Zusammenhang mit dem Wasserspiegel des Sees. Ein Wasserstand von 114,7 Meter über Adria führt, verglichen mit einem Wasserspiegel von 115,0 Meter über Adria zu einem drei Mal so hohen Wertschöpfungsrückgang und einem zweieinhalbfachen Beschäftigungsrückgang.

Abstimmung zwischen Ökologie und Ökonomie

"Bei Sinken des Wasserspiegels des Sees ist mit Einbußen in der Tourismus und Freizeitwirtschaft zu rechnen, die für die gesamte Region von nicht unbeachtlicher Bedeutung sind. Diese Studie soll nun die Entscheidungsfindung über die Dotierung des Wasserhaushaltes des Neusiedler Sees gebührend berücksichtigt werden. Wichtig ist, dass es zu einer harmonischen Abstimmung zwischen Ökologie und Ökonomie kommt", so Resetar.

Die Studie wurde von 36 Gemeinden rund um den See nach dem extrem trockenen Jahr 2003 in Auftrag gegeben. Die Kosten in der Höhe von rund 31.000 Euro werden zu 70 Prozent gefördert, so die Landesrätin.

Die burgenländischen Grünen raten, den Tourismus rund um den See auf mehrere Standbeine zu stellen. Neben dem Wassertourismus sollen auch Kultur- und Radtourismus forciert werden, so Klubobfrau Grete Krojer in einer Aussendung. Sie forderte außerdem eine Neuausrichtung des Wassermanagements: "Wir lehnen die Zuleitung von Fremdwasser in den Neusiedler See entschieden ab und sehen in einer Neuausrichtung des Wassermanagements eine ökologisch verträgliche und nachhaltige Alternative zur Seedotierung." (APA)

  • Sollte der Wasserstand des Neusiedler Sees sinken, würde das die Schifffahrt auf flache Boote einschränken.
    foto: der standard/fischer

    Sollte der Wasserstand des Neusiedler Sees sinken, würde das die Schifffahrt auf flache Boote einschränken.

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