Angst vor dem Splitter-Bruch

20. März 2007, 12:11
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ÖGB bangt um Einheit – GÖD-Zweigverein könnten weitere folgen

Wien – „Halb zog sie ihn, halb sank er hin.“ So wie Goethes Fischer könnte es demnächst einigen österreichischen Spitzengewerkschaftern gehen. Freilich ist es keine Meerjungfrau, die Lockrufe aussendet. Es sind vielmehr die Emanzipationsbestrebungen der reichen Dame GÖD, die andere verlockt, Ähnliches zu wagen.

Die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) hat in der Vorwoche die Weichen für die Gründung eines ÖGB-„Zweigvereins“ gestellt.

Das bringt nun offenbar auch andere mächtige Gewerkschafter zum Nachdenken. In der dieswöchigen Österreich-Ausgabe der ZEIT meinten Metaller-Chef Erich Foglar und GPA-Geschäftsführerin Dwora Stein, dass sie „das zwar nicht wollen“, dass sie aber „eventuell auch daran denken“ müssten, sich zu verselbstständigen.

Warum er sich von der GÖD derart genötigt fühlt, erklärt Foglar dem Standard so: „Es kann nicht eine Einzelgewerkschaft ein anderes Verhältnis zur ÖGB-Mutter haben als alle anderen.“ Sollte sich nach der GÖD auch noch die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (GdG) de facto abspalten, gebe es für die Metaller nur eine Möglichkeit: „Dann machen wir das auch.“

Für diese Haltung hat ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer überraschenderweise Verständnis: „Entweder alle gründen einen Zweigverein oder keiner“, sagte er Donnerstag zum STANDARD. Alles andere führe zu einer Vielzahl juristischer Probleme. Er fühle sich im Übrigen nicht geschwächt durch Unabhängigkeitsbestrebungen.

Hundstorfer: „Seit dem Finanzabkommen 2003 sind die Teilgewerkschaften schon finanziell weit gehend selbstständig – und Kollektivverträge haben sie ohnehin immer allein verhandelt.“ „Wie das alles rechtlich funktionieren soll, ist total unklar“, sagt Foglar, der insgeheim hofft, „dass die GÖD sich das noch überlegt.“

Das hofft auch GPA-Frau Stein, die den GÖD-Beschluss „bis zuletzt bekämpfen“ will. Stein: „Natürlich würde das den ÖGB schwächen. Und es würde dazu führen, dass kleine Gewerkschaften, die in Schwierigkeiten sind, nicht mehr mit der Solidarität der starken Gewerkschaften rechnen können.“ Doch setze die GÖD ihren Willen durch, werde sich auch „die GPA wohl oder übel damit auseinandersetzen müssen“. (Petra Stuiber/DER STANDARD, Printausgabe, 9. Februar 2007)

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