Sickls Ideenfeuerwerk

19. Juli 2000, 12:13

Wer schweigt, kann sich wenigstens nicht blamieren

Bisher war Elisabeth Sickl in einer Kategorie ein Spitzenplatz sicher: Beim Rätseln darüber, wer aus dem schwarz-blauen Kabinett als Nächstes ausgetauscht wird, belegte die Sozialministerin unangefochten Rang eins. In anderen Kategorien hat sie weit weniger gepunktet: Bei den schwierigen Verhandlungen um die Pensionsreform blieb sie genauso dezent im Hintergrund wie bei anderen Sachthemen. Wer schweigt, kann sich wenigstens nicht blamieren, dürfte das Motto der Sozialministerin gewesen sein, deren spärliche öffentliche Auftritte, höflich formuliert, mäßig erfolgreich waren.

In den vergangenen Tagen hat sie ihre Strategie geändert und nachgerade ein Ideenfeuerwerk abgeschossen. An einem Tag forderte sie forsch drei Jahre Kindergeld für alle, am nächsten die Erhöhung des Pensionsalters auf 67 Jahre - und wurde für beides umgehend von den Koalitionspartnern zurückgepfiffen: harsch von der ÖVP, freundlich, aber bestimmt von der FPÖ. Und seither wird darüber gerätselt, ob Sickl mit ihrem jähen Anfall von Arbeitswut ihr Dasein als Ministerin legitimieren - oder, im Gegenteil, ihren eigenen Abgang beschleunigen wollte.

Spannender ist aber die Frage: Für wen spricht Sickl? Ist doch die Sozialpolitik ein Ziel-1-Gebiet für die FPÖ und deren propagierte Schirmherrschaft über den so genannten "kleinen Mann". Kein Wunder, dass das Schweigen der Sozialministerin parteiintern wenig goutiert wurde - und dass ihr Kindergeld-Vorstoß eindeutig nach Jörg Haider klang.

Ist der Kärntner Landeshauptmann doch einer der wenigen, der von einer schwachen Sozialministerin in Wien profitiert. Wenn das einfache Parteimitglied schon beim Finanzminister wenig Gehör für seine Konzepte findet, kann er wenigstens via Sickl seine Ideen äußern. Und sie sich für ihn blamieren. (Eva Linsinger)

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