"Der Kick im Kopf" der Täter

2. März 2007, 11:47
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Kinderpsychiater Friedrich analysiert Konsumenten und Opfer - Täter sind über Vater-Mutter-Kind-Spiel nie hinausgekommen

Das Geschäft mit der Kinderpornografie, mit Videos und Bildern komme beim Umsatz dem Drogenhandel gleich und übersteige diesen sogar teilweise, sagt der Wiener Kinder- und Jugendpsychiater Max Friedrich. Vermehrt hat sich zuletzt vor allem Material gewalttätigen Inhalts.

Als auffällig sieht Friedrich an, dass bei den Tätern oft tausende Fotos gefunden werden. Dies zeige, dass den Konsumenten Abwechslung, zum Beispiel durch unterschiedliches Alter oder Hautfarbe der Opfer, wichtig sei. Die Täter seien permanent auf der Suche nach ausgefallenen und extremen Dingen.

Starkes Minderwertigkeitsgefühl

Ein Großteil der Täter habe ein starkes Minderwertigkeitsgefühl.Vielen gehe es darum sexuelle, Erlebnisse zu toppen. Das Material sorge für Stimulation, wenn schon alles andere ausgereizt sei. "Das ist das Verbotene, der Kick im Kopf", sagt Friedrich. Menschen, die Lust in kinderpornografischem Material suchen, seien nicht Geisteskranke, jedoch psychisch auffällig und behandlungsbedürftig, diagnostiziert der Psychiater. "Man kann sie nicht alle als irr abstempeln." Die Täter hätten Einsicht in das Unrecht, das sie tun. Ausnahme: Als geisteskrank bezeichnet Friedrich das Quälen und den Missbrauch von Säuglingen. Ein großer Teil der Nutzer von Kinderpornografie ist laut Friedrich in einer frühkindlichen Sexualphase stecken geblieben. Die größte Gruppe der Täter sei nie über die Phase des Vater-Mutter-Kind-Spiels hinausgekommen, die im Alter von fünf bis sechs Jahren durchlebt werde. Dabei sollte im Normalfall der Unterschied zwischen Männern und Frauen erfasst und Schamgefühl entwickelt werden. Man lerne dabei: "Bestimmte Dinge tut man nicht." Genau dies würde allerdings als Reiz aufgefasst.

Langzeitfolgen

Die missbrauchten Kinder, die großteils aus der Dritten Welt stammen, seien die ärmsten Opfer der Kinderpornografie, berichtete Friedrich. Besonders betroffen seien die Kleinsten unter ihnen, welche die Tragweite der Ereignisse noch gar nicht einschätzen könnten. Neben körperlichen Problemen wie psychosomatischen Folgen, leiden die Opfer auch unter emotionalen und sozialen Schäden: Kinder werden zu Geheimnisträgern gemacht und von Tätern ausgebeutet. Teilweise glaubt ihnen die Öffentlichkeit nicht. (APA)

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