Rückkehr des Mikrofilms - Langzeitarchiv für 500 Jahre

16. Februar 2007, 10:38
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Datensicherung auf Mikrofilm spart laufende Migration auf neue Technik - Datensicherung auf Festplatten auf lange Sicht teuer

Im Rahmen der Archiving Community wurde ein Langzeitarchivierungssystem entwickelt, das wichtige Dokumente und Zeichnungen in einem Schritt digitalisiert und auf Mikrofilm archiviert. Damit rückt das Archivmedium Mikrofilm wieder in den Fokus der Datensicherung. Im Gegensatz zu digitalen Daten bietet der Datenträger eine Datensicherheit für über 500 Jahre und eignet sich damit bestens für Unternehmen und Organisationen, die Unterlagen für 20 Jahre und länger lesbar halten müssen. "Der Mikrofilm wurde in der Zeit der aufkommenden digitalen Daten schon tot geglaubt. Allerdings hat er den großen Vorteil der Haltbarkeit und erspart die laufende Notwendigkeit der Migration auf neuere Technik", meint David Weiss, Marketing Manager bei Micro Archive Systems.

Laser

Das vereinfachte Prozedere zur sicheren und kostengünstigen Langzeitarchivierung wird durch den ArchiveLaser möglich, der vom Fraunhofer Institut für Physikalische Messtechnik mit Industriepartnern entwickelte wurde. Er belichtet spezielle Farbmikrofilme auf Basis digitaler Daten mittels neuartiger RGB-Laserquellen in höchstauflösender Präzision und Farbqualität. Farbmanagement und automatische Qualitätskontrolle während des Belichtungsvorgangs garantieren ein farbechtes Abbild des Originals. "Die Mikrofilme stammen vom Schweizer Unternehmen Ilford. Sie zeichnen sich durch eine sehr lange Haltbarkeit und eine hohe Farbstabilität aus. Allerdings weisen sie eine lange Belichtungszeit auf, was jedoch in Verbindung mit dem ArchiveLaser kein Problem darstellt", sagt Weiss. Bislang war die Archivierung auf Mikrofilm schon aufgrund der Notwendigkeit des Ablichtens aufwendig. Nun können die digitalen Daten direkt auf den Film aufgebracht werden.

Automatisch

Die Rückumwandlung der ausbelichteten Bilder in digitale Daten geschieht automatisiert mit Hilfe eines optischen Scanners. Das Ausbelichten von technischen oder inhaltlichen Metadaten am Bildrand ermöglicht das unkomplizierte Wiederauffinden bestimmter Informationen, das Ordnen von Daten oder das Einrichten von Datenbanken. Organisationen erhalten so eine sichere und kostengünstige Lösung zur Archivierung großer Mengen digitaler Daten über einen Zeitraum von bis zu 500 Jahren. Als Zielgruppe werden Industrieunternehmen, Arztpraxen und Krankenhäuser, Verwaltungen, Flugzeugbauer, Finanzdienstleister oder Unternehmen aus dem Baugewerbe gesehen. "Die digitale Datenspeicherung auf Festplatten und RAID-Systemen ist auf lange Sicht sehr teuer. Die Systeme müssen gewartet und laufend überprüft werden. Zudem können bei der Migration - beispielsweise von CD auf Blu-ray - Daten verloren gehen. Unangenehm ist das nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Bibliotheken und Museen, die ihre Werke dauerhaft und sicher gespeichert wissen wollen", erläutert Weiss.

Arbeitsschritte vereint

In enger Zusammenarbeit mit dem Landesarchiv Baden-Württemberg und der Universität Stuttgart entstand zudem ein Workflow, der die neue Belichtungstechnologie optimal in die Archivierungsabläufe integriert. Archivgut digitalisieren und verfilmen waren bisher zwei getrennte Prozessschritte. Der ARCHE-Workflow vereint die Digitalisierung der Dokumente und die Belichtung auf Mikrofilm in einem Arbeitsgang, nutzt dabei die Vorteile digitaler und analoger Techniken und verringert so die Kosten für Informationsbereitstellung und Bestandserhaltung. (pte)

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