Aus der "Werkstatt" der drei Tenöre

6. Februar 2007, 19:54
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Der albanische Tenor Saimir Pirgu singt an der Wiener Staatsoper in "Falstaff" den Fenton

Wien - Das klingt ein bisschen so, als wäre sich dieser junge Mensch zu gut für so manches: "Ich habe Geige studiert, war auch ein Talent. Aber acht Stunden üben und dann nur da unten im Orchestergraben sitzen? - das war nichts für mich. Ich wurde Tenor!" Da muss man gleich schützend dazwischen gehen. Um Tenor zu werden, hatte Saimir Pirgu schon auch Sachen anzupacken gehabt, die kein Scheinwerferlicht versprachen. Etwa in der Küche stehen, Gehilfe sein.

Da sind wir allerdings schon nicht mehr in Tirana, wo der Albaner Gesang studierte, sind schon in Bozen, wo Pirgu 2000 mit 500 Euro in der Tasche ankam, einen Studienplatz fand und bei den Salesianer-Patres wohnte, weil "es so günstig war". Ja, und in dieser Zeit war er eben auch Küchengehilfe.

Es musste übrigens unbedingt Italien sein, denn "es ist nun einmal das Land des Belcanto", und als lyrischer Tenor müsse man eben hin. Der mittlerweile 25-Jährige war also keinesfalls arbeitsscheu und durchaus bereit anzupacken, zu riskieren. Andererseits: Einen besonders harten, langen Karriereweg herbeizuschreiben, ist dann doch nicht nötig. Da scheint es schwerer gewesen zu sein, die Eltern, die in Albanien geblieben waren, davon zu überzeugen, dass er ein erfolgreicher Sänger geworden war, als ein solcher zu werden. All die gewonnenen Wettbewerbe. All die Plakate, auf denen der Name Pirgu stand. All die Honorare - all das schien nicht auszureichen, um elterliche Zweifel zu beseitigen. "Wirklich geglaubt haben sie es mir erst, als sie in Salzburg bei den Festspielen in der Cosi-Vorstellung saßen - Vater, Mutter und mein Zwillingsbruder."

Natürlich ist der Zweifel auch zu verstehen. Erstens habe es Leute gegeben, die ausgewandert waren wie Pirgu und nach Hause schrieben, sie würden Kunst oder Diplomatie studieren. Und dabei seinen sie "Banditen" geworden. Ja, so was ist vorgekommen, so Pirgu. Zudem ging es bei ihm verdammt schnell: 2002 singt er Claudio Abbado "sehr kurz" vor. Engagement. Bisschen später singt er an der Wiener Staatsoper Ioan Holender vor, der ihn zwar "einiges singen lässt", ihn aber auch engagiert. Mittlerweile ist Pirgu eigentlich überall, also global tätig, und es ist nicht ganz unlogisch. Er hat tatsächlich eine kräftige Stimme mit dem gewissen lyrischen Etwas, zurzeit an der Staatsoper überprüfbar, wo Pirgu in Falstaff als Fenton zu hören ist.

Wer keine Zeit oder Karten hat und nicht bis 2008 warten will, um Pirgu (mit Nikolaus Harnoncourt bei Idomeneo) singen zu hören, der besorgt sich die bei Universal erschienene erste Pirgu-CD. Weitere werden folgen, so ist das Business, wenn es gut läuft, und für ihn läuft es gut, wobei er sich im Klaren ist: "Das ist alles nur der Anfang. Wenn ich es schlecht mache, geh ich zurück nach Albanien, arbeite irgendwas. Aber ich passe auf. In meinem Alter studiert man ja noch, und ich sage oft Nein zu Anfragen. Viele große Karrieren haben mit einem guten Nein zu tun. Ich habe fünf, sechs Rollen, die mir Sicherheit geben, mehr macht ich vorerst nicht."

Glück gehabt? "Sicher. Aber das hat man einmal, zweimal aber nicht immer." Und: Solange Kollegen wie Luciano Pavarotti gerne beratend zuhören, darf man sich am richtigen Weg wähnen. "Ich bin ja ein Produkt der drei Tenöre. Die habe er in Albanien im TV gehört und beschlossen, Sänger zu werden . . ." (Ljubisa Tosic /

  • Mittwoch (7.2.) und am Samstag als Fenton zu hören - Tenor Saimir Pirgu.
    foto: standard/hendrich

    Mittwoch (7.2.) und am Samstag als Fenton zu hören - Tenor Saimir Pirgu.

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