Vorsicht ist die Mutter des Iran-Geschäfts

22. Februar 2007, 16:17
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An sich bietet der Iran einige Perspektiven. Doch durch die geopolitische Lage und die möglichen UN-Sanktionen sind die Finanzierer derzeit übervorsichtig

Wien/Teheran - Der US-Druck auf Firmen, die im Iran Geschäfte machen wollen, steigt spürbar. Vor allem "Finanzierungen sind zurzeit schwierig zu bekommen, was vor allem Erstexporteure trifft", berichtet Karl Hartleb, Handelsdelegierter der Wirtschaftskammer Österreich in Teheran. Vor allem die deutschen, schweizerischen sowie niederländischen Institute "sind schon sehr vorsichtig geworden, österreichische, spanische und italienische Banken sind noch etwas relaxter".

Auch die Österreichische Kontrollbank bestätigt dies: Es gebe zwar nach wie vor die gleichen Deckungsmöglichkeiten für Exportkredite wie vor einem Jahr, das Volumen des Neugeschäftes ist eindeutig zurückgegangen. Bei Einzelgeschäften werden die Partner im Iran derzeit noch genauer unter die Lupe genommen, damit irgendwann keine möglicherweise versteckten Connections zum Nuklearprogramm aufkommen.

Deficit-Spending-Politik

Im Land selbst sieht Hartleb "eine wirtschaftliche Anspannung, die politische Auswirkungen haben wird". Die auf den Öleinnahmen basierende Deficit-Spending-Politik der aktuellen Regierung habe das Wachstum nicht angekurbelt, die Inflation aber nach oben getrieben. Ausländische Investoren geben sich aufgrund der politischen Großwetterlage zurückhaltend.

Wie berichtet hat der UN-Sicherheitsrat ein Ultimatum an den Iran gestellt, dieser möge bis Ende Februar die Vorbereitungsarbeiten in Richtung Urananreicherung einstellen. Sollte Teheran dieser Forderung nicht nachkommen, treten Sanktionen in Kraft.

Österreichs Wirtschaft ist traditionell gut unterwegs im Iran, vor allem im infrastrukturnahen Bereich sowie natürlich im Öl- und Gassektor (die OMV ist etwa seit fast sechs Jahren im Iran aktiv). Dazu kommen Maschinenzulieferer in der Kunststoffindustrie wie Greiner oder Engel. Die Branche wird gefördert, da mit dem Rohöl der Grundstoff der Petrochemie ausreichend im Land vorhanden ist. Im Boom befindet sich auch die Fahrzeugindustrie. Weitere Chancen für heimische Firmen liegen in der Umwelttechnik, da das Land mit erheblichen Verschmutzungsproblemen zu kämpfen hat. Die Teheraner Kläranlage wird beispielsweise von der Siemens-Tochter Wabag (VA Tech) errichtet. Aber auch mittelständische Betriebe sind in der Wasseraufbereitung aktiv. Ein weiteres Zukunftsthema seien laut Hartleb Solarenergieanlagen.

Irritationen

Weniger Irritationen als befürchtet habe der jüngste Flop der ÖBB im Iran ausgelöst, so Hartleb. Wie vom STANDARD berichtet, wollten sich die Bundesbahnen in einem 850-Millionen-Euro-Schnellbahnprojekt in der iranischen Hauptstadt engagieren, zogen sich aber im letzten Moment vor der Unterschrift der Verträge zurück, weil man in Wien plötzlich draufgekommen, dass man sich die ventilierten Projekte gar nicht leisten kann. "Unter den Konsortialpartnern herrschte damals größte Verwunderung", so Hartleb. Jedenfalls sei die Nachfrage nach Planung und Construction von Verkehrsprojekten im Iran nach wie vor hoch. Die Schieneninfrastruktur sei im Übrigen einer jener Bereiche, in denen die Österreicher auch - traditionell - seit Jahrzehnten im Iran prominent mitmischen. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.2.2007)

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    Teheran ist unter den Metropolen dieser Welt eine der am stärksten verschmutzten. Umwelttechnik wäre im Iran heutzutage nicht zuletzt aufgrund dessen sehr gefragt, ebenso wie alternative Energietechnik und Wasseraufbereitungen.

  • Karl Hartleb, Handelsdelegierter der WKÖ im Iran.
    foto: wko

    Karl Hartleb, Handelsdelegierter der WKÖ im Iran.

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