Grüne gegen "Freunderlwirtschaft" bei geförderten Wohnungen

16. Februar 2007, 15:50
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Forderungen an neuen Wohnbaustadtrat Ludwig präsentiert, transparentes Vergabesystem nötig

Wien - Die Wiener Grünen sehen Handlungsbedarf im Bereich "Wohnen" in der Bundeshauptstadt: Wohnen werde teurer, die Spekulation nehme zu, Gemeindewohnungen würden weiterhin ungerührt verkauft. Die Wiener Bauordnung müsse deshalb verändert werden, klagte der nicht amtsführende Stadtrat David Ellensohn am Dienstag in einer Pressekonferenz.´

Transparentes Vergabesystem gefordert

"Freunderlwirtschaft" ortete er bei der Vergabe geförderter Wohnungen. Vom neuen SPÖ-Wohnbaustadtrat Michael Ludwig forderte Ellensohn unter anderem ein transparentes Vergabesystem für alle von der Stadt geförderten Wohnungen im Alt- und Neubaubereich. Die schönen Wohnungen am Dach oder mit großem Balkon gebe es im Prinzip nicht, meinte Ellensohn. Würden die Wohnungen online angeboten, seien sie in kürzester Zeit weg, erklärte er.

Aktuelle Zahlen würden belegen, dass in einem durchschnittlich verdienenden Arbeitnehmerhaushalt mehr als ein Drittel des gesamten Haushaltseinkommens für Wohnkosten aufgewendet würden, meinte Ellensohn. Bei einem Verlust des Arbeitsplatzes sei es in Wien außerdem schwer, eine leistbare Wohnungen zu finden. Das für Gemeindebauten zuständige "Wiener Wohnen" bemühe sich, nur mehr Wohnungen der Kategorie A oder B anzubieten, billige Wohnungen der Kategorien C oder D seien vom Markt verschwunden, so Ellensohn.

Immobilienmaklerprovisionen

Bedarf für Nachverhandlungen des Regierungsübereinkommens zwischen SPÖ und ÖVP sieht Ellensohn beispielsweise im Bereich der Immobilienmaklerprovisionen. Diese würden normalerweise drei Monatsmieten betragen und zählten zu den höchsten im europäischen Vergleich, bemängelte Ellensohn. Zudem sei die Regelung der Mietzinse durch das Richtwertegesetz undurchsichtig und biete den Vermietern enormen Spielraum für "kreative" Gestaltung.

Unter dem ehemaligen Wohnbaustadtrat Werner Faymann seien in Wien 700 Gemeindewohnungen veräußert worden, kritisierte Ellensohn. Er forderte einen sofortigen Stopp des Verkaufs sowie die Sanierung der Gemeindebauten unter Mieterbeteiligung auf dem neuesten Stand der Technik.

Mehr Energieeffizienz gefordert

Bei der Wiener Bauordnung ist laut Ellensohn eine Umgestaltung notwendig: Beim Neubau von Bürogebäuden sollten Bauträger zu mehr Energieeffizienz unter anderem durch verpflichtende Energiekennzahlen angehalten und so neue Technologien gefördert werden.

"Enorme Herausforderungen an die Zukunft stehen dem neuen Stadtrat für Wohnen bevor", hatte bereits am Montag der Wiener VP-Gemeinderat Bernhard Dworak in einer Aussendung erklärt. Im Bereich der von der Stadt verwalteten Gemeindebauten beobachte die ÖVP seit langem ein "Auseinanderklaffen des Nebeneinanders von alteingesessenen und neuen Mietern in sozialer und gesellschaftlicher Hinsicht".

In Wien gebe es im Gegensatz zu anderen Städten keine Wohnungsnot, weil leistbare Wohnungsangebote für alle Bevölkerungsgruppen zur Verfügung stünden, erklärte am Dienstag SP-Gemeinderat, Kurt Stürzenbecher, in einer Aussendung. Durch die Wohnbauförderung, die allgemeine Wohnbeihilfe, Notfallswohnungen sowie nicht zuletzt durch spezielle Maßnahmen für Jungfamilien würden vor allem einkommensschwächere Familien bei dem Wunsch nach modernen, zeitgerechten Wohnungen unterstützt, meinte Stürzenbecher. (APA)

  • David Ellensohn ortet "Freunderlwirtschaft" bei der Vergabe geförderter Wohnungen.
    foto: derstandard.at/ped

    David Ellensohn ortet "Freunderlwirtschaft" bei der Vergabe geförderter Wohnungen.

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