Plassnik: "Grausame Form der Gewalt gegen Frauen"

15. März 2007, 16:45
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Außenministerin zum "Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung": Traditionell, nicht religiös bedingt

Wien/Brüssel - Der heutige Dienstag steht international im Zeichen der Bemühungen gegen die weibliche Genitalverstümmelung (FGM). Außenministerin Ursula Plassnik hat aus diesem Anlass die "Null-Toleranz" auf diesem Gebiet unterstrichen: "Gewalt gegen Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung, die auf schockierende Weise in jeder Kultur und sozialen Schicht vorkommt. Weibliche Genitalverstümmelung ist ein Teil davon. Sie ist eine grausame Form der Gewalt gegen Frauen, die traditionell bedingt ist und in keiner Religion ihre Wurzeln hat." In einer Aussendung erinnerte Plassnik daran, dass auch islamische religiöse Führer im Vorjahr dies deutlich gemacht hätten.

Bewusstseinsbildung

Der Einsatz gegen traditionsbedingte Gewalt und der Respekt gegenüber anderen Kulturen gehen Hand in Hand, stellte Plassnik weiter fest. "Bemühungen zu Bewusstseinsbildung und Umdenken können nur von den betroffenen Gesellschaften ausgehen und von uns mitgetragen werden", sagte die Außenministerin. Sie unterstrich die Bedeutung etwa des Maputo-Protokolls zur Afrikanischen Menschenrechts-Charta, an deren Umsetzung die Afrikanische Union arbeitet. Dieses Protokoll fordert explizit das Verbot der weiblichen Genitalverstümmelung. Der "Internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung" ist eine Initiative von afrikanischen NGOs, für die sich auch die ägyptische Präsidentengattin Suzanne Mubarak engagiert.

Ferrero-Waldner: "Tortur"

EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner warnte davor, die "Augen vor der abscheulichen Praxis der Genitalverstümmelung" zu schließen. Etwa 150 Millionen Frauen litten ihr Leben lang an den Folgen. Viele würden diesen gefährlichen Eingriff nicht überleben, erklärte Ferrero-Waldner am Dienstag laut einer Aussendung. "Jedes Jahr unterziehen sich etwa zwei Millionen Mädchen dieser Tortur. Das kann durch keine so genannte Tradition gerechtfertigt werden. Das muss enden und es muss jetzt enden."

Die EU werde tun, was sie könne, um der Genitalverstümmelung ein Ende zu setzen, ergänzte Ferrero-Waldner. Die EU versuche ihre Bedenken in dem politischen Dialog mit den betroffenen Nicht-Mitgliedsstaaten zu äußern. Sie versuche auch, bei einer Änderung der nationalen Gesetzgebung in Richtung eines Verbots von gesundheitsschädlichen Praktiken behilflich zu sein. Außerdem bemühe sie sich um die Bewusstseinsbildung in allen Teilen der Gesellschaft. Genitalverstümmelung finde nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der EU-Grenzen statt.

""FGM ist gegen den Islam"

Auch die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) hat die FGM-Praktiken scharf verurteilt. "FGM ist gegen den Islam. Es steht im Widerspruch zum Gebot von der Unverletzlichkeit des menschlichen Körpers und der Verantwortung für die Bewahrung der Gesundheit" erklärte Carla Amina Baghajati, Medienreferentin der IGGiÖ in einer Aussendung. Das Recht der Frau auf ein erfülltes Geschlechtsleben würde ihr durch Genitalverstümmelung genommen. Gleichzeitig warnte die Sprecherin vor islamfeindlichen Tönen; diese seien für den konstruktiven Umgang kontraproduktiv und würden nur "Gegensätze konstruieren". (APA)

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