Chinesische Attacken auf das "Marxist Internet Archive"

14. Februar 2007, 10:46
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Rätselraten bei den Betreibern wer hinter den zahllosen Denial-of-Service-Attacken wirklich steckt

Seit Jahresbeginn häufen sich, laut Angaben der Betreiber, die Denial-of-Service-Attacken auf das Marxist Internet Archive, einer Online-Community, die sich dem Organisieren einer umfassenden Marx-Bibliothek verschrieben hat. Damit geht es dem Archiv so wie vielen anderen Internetangeboten auch, doch gibt die Herkunft der Angriffe doch einige Fragen auf.

Chinesische Angriffe

"Wir sind nicht 100-prozentig sicher, ob die chinesische Regierung hinter diesen Angriffen steht; es gibt zahlreiche mögliche Urheber", so Brian Basgen, der seit 1990 am Projekt beteiligt ist. Die Marx Internet Archives waren zuvor schon einmal für einen längeren Zeitraum von der chinesischen Regierung gesperrt worden. "Hier liegt aus unserer Sicht auch das Motiv. Sie haben dies schon früher gemacht. Auffällig ist zudem, dass ausschließlich die chinesischen Dateien von den Angriffen betroffen sind."

Seit Jänner

Seit Anfang des Jahres fanden mehrere hundert Denial-of-Service-Attacken statt, meldet Basgen. 99 Prozent davon würden von chinesischen AnwenderInnen durchgeführt. Es gebe unterschiedliche Arten von Attacken; so würde ein Programm andauernd dasselbe Dokument herunterladen und damit andere vom Dokument fernhalten. Auch Downloads von Mirror-Sites oder das Umlenken von Anfragen brachte bisland nicht den gewünschten Erfolg. Den Grund für die Attacken vermutet Basgen im Wunsch der chinesischen Regierung die Schriften Maos in einer eigenen "etwas sehr freien" Interpretation an die BürgerInnen auszugeben.

Für viele Menschen sei es nicht nachvollziehbar, dass die chinesische Regierung nicht will, dass Maos Werke in China gelesen werden. "Die chinesische - so genannte - kommunistische Regierung hat nichts mit dem Kommunismus zu tun. Sie entwickelt sich schon seit langem in Rihtung Kapitalimus. Viele Leute wissen einfach nicht, wie es in China derzeit aussschaut", so Basgen. Das Marx-Archiv sieht schon Mao selbst nicht als einen wahren Marxisten und hat seine Werke in einer Kategorie gemeinsam mit Adam Smith, Josef Stalin und Jean-Jacques Rousseau eingeordnet.(red)

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