Horngacher: Aufregung um nächtliche SMS

9. Februar 2007, 11:08
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Landespolizei-
kommandant soll Polizeipräsidenten bedroht haben - Der fürchtete sich aber gar nicht

Wien – "Das Klima ist offenbar schon so vergiftet, dass jedes kleine Wort umgedreht und gegen meinen Mandanten verwendet wird", ist der Wiener Rechtsanwalt Richard Soyer mittlerweile desillusioniert. Sein Mandant: Roland Horngacher, der suspendierte Landespolizeikommandant der Bundeshauptstadt. Das kleine Wort: Patrone.

"Bis zur letzten Patrone" werde er für seine berufliche Rehabilitierung kämpfen, hatte Horngacher nämlich in einem SMS dem Polizeipräsidenten Peter Stiedl mitgeteilt. Zuvor hatte Horngacher Einsicht in die Akten zu seinem Fall genommen und war offensichtlich darüber so empört, das er in der Nacht auf Freitag Stiedl die Nachricht schickte. Aus schon im Oktober

Allerdings: Der fühlte sich davon gar nicht bedroht, hält der Polizeipräsident im Gespräch mit dem Standard fest. "Für mich war klar, dass damit eine disziplinarrechtliche Auseinandersetzung gemeint ist. Schließlich habe ich schon im Oktober mit General Horngacher gesprochen und ihm klar gelegt, dass eine Rückkehr in seine alte Position nicht vorstellbar ist, und dem hat er mehr oder weniger zugestimmt." Spätestens nach dem Aktenstudium scheint sich die Meinung des suspendierten Spitzenbeamten geändert zu haben.

"Nach einer routinemäßigen Morgenbesprechung habe ich meine Einschätzung dann dem Personalchef mitgeteilt. Dabei hat ein anderer Kollege angemerkt, dass ,bis zur letzten Patrone‘ auch als Drohung aufgefasst werden könnte", berichtet Stiedl.Am Ende habe er entschieden, Horngacher wie andere suspendierte Beamte des Wachkörpers zu behandeln: Wenn sie in die Polizeizentrale wollen, müssen sie ihre Anwesenheit melden. Wer der Wiener Gratiszeitung heute die Geschichte erzählt habe und warum von einem Hausverbot die Rede sei, wisse er nicht.

Indiskretionen

Solche Indiskretionen sind es aber, die Anwalt Soyer empören. "In einer extrem wichtigen Phase des Verfahrens versucht man, meinen Mandanten zu diskreditieren. Es ist bekannt, dass mein Mandant zu martialischer Ausdrucksweise neigt", meint Horngachers Verteidiger. Ob und wann es zu einer Anklageerhebung gegen Horngacher kommt, dem Korruption und Verrat von Amtsgeheimnissen vorgeworfen werden, können weder Soyer noch Gerhard Jarosch, Sprecher der Staatsanwaltschaft, sagen. Diese Woche soll der General ein letztes Mal einvernommen werden, dann müssen die vorgesetzten Stellen bis hin zum Justizministerium über den Antrag des Staatsanwaltes entscheiden.

An einer Nebenfront des Komplexes ist dagegen schon entschieden worden. Eine der Anzeigen Horngachers gegen die Polizeivizepräsidentin Michaela Pfeifenberger wurde mittlerweile zurückgelegt. Die zweite Anzeige liegt noch bei der Anklagebehörde. (Michael Möseneder, DER STANDARD print, 7.2.2007)

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    foto: robert newald

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