EADS warnt Berlin vor Stornierungen

7. März 2007, 15:47
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Rüstungsaufträge der Bundesregierung würden nahezu ausschließlich in Deutschland abgearbeitet - Hartes Sanierungsprogramm unvermeidbar

Frankfurt - EADS-Co-Chef Tom Enders hat die deutsch Regierung vor der Stornierung von Rüstungsaufträgen gewarnt. Damit würde Berlin vor allem dem Wirtschaftsstandort Deutschland schaden, sagte Enders der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe). "Man muss wissen, dass Rüstungsaufträge der Bundesregierung für die EADS nahezu ausschließlich in Deutschland abgearbeitet werden und damit deutschen Arbeitsplätzen und auch vielen kleinen Zulieferfirmen zugute kommen", erläuterte er.

Deutschlands Wirtschaftsminister Michael Glos hatte am Wochenende gedroht, Rüstungsaufträge zu stornieren, falls der Flugzeughersteller Airbus übermäßig Arbeitsplätze in Deutschland abbauen wolle. Ein Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die Aussagen allerdings relativiert. Er sagte: "Wir machen unsere deutschen Interessen deutlich. Aber wir drohen nicht." Glos sei mit seinen Äußerungen "vielleicht ein bisschen überinterpretiert worden".

Sanierung mit Härte

Enders bekräftigte in dem Interview, im Zuge des Sanierungsprogramms "Power 8" werde es im Konzern durchaus "unvermeidbare Härten" geben, die aber fair auf verschiedene Länder verteilt würden. "Wir prüfen in der Tat, die Fertigung bestimmter Teile auszulagern." Auch sei es denkbar, die Produktion einzelner Modelle jeweils an einem Standort zu konzentrieren. "Das ist sicherlich eine Möglichkeit. Es ergibt keinen besonderen Sinn, die Endmontage eines Modells an mehreren Standorten vorzunehmen." Zur Frage, ob Airbus sich möglicherweise von Standorten trennen werde, sagte Enders: "Nichts ist für die Ewigkeit in der Wirtschaft."

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff warnte vor Erpressungsversuchen. "Wir kämpfen um die niedersächsischen Werksstandorte, weil sie gut sind, und nicht weil wir ihre Sicherung erpressen wollen", sagte Wulff der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe). Glos hatte hingegen am Montag bekräftigt: "Wir kämpfen mit allen Möglichkeiten, die wir haben." Enders kommentierte das mit den Worten: "Gerade in der letzten Woche hat der Haushaltsausschuss des Bundestags Verteidigungsprojekte für die EADS im Volumen von über einer Milliarde Euro freigegeben. Das zeigt, dass der Bundesminister der Verteidigung volles Vertrauen in die EADS hat."

Der Betriebsrat hatte Befürchtungen geäußert, dass die deutschen Standorte zu Gunsten der französischen Fabriken benachteiligt werden könnten. Insgesamt sehen die Arbeitnehmer bis zu 8.000 von 23.000 Arbeitsplätze bei Airbus und ebenso viele bei Zulieferern in Gefahr. (APA/Reuters)

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