Grazer "Ökosoziale Oberstufe" geht ins dritte Jahr

17. April 2007, 13:04
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Matura und Lehre: Privates Schulprojekt bietet Orientierungshilfe bis zur Reifeprüfung für Jugendliche mit und ohne Handicap

Graz - Für nicht mehr schulpflichtige Jugendliche, die sich nicht zwischen Schule und Lehre entscheiden können oder wegen eines Handicaps speziell gefördert werden müssen, wurde in Graz die "Ökosoziale Oberstufe" (ÖSO) eingerichtet. Öffentliche Förderungen blieben dem privaten Bildungsprojekt einiger engagierter Waldorfpädagogen auch im zweiten Bestandsjahr großteils versagt. Dennoch denkt man nicht ans Aufhören und wirbt um neue Schüler für das kommende Schuljahr.

Vorbereitung auf Matura und Beruf

In der "Lernwerkstatt Ökosoziale Oberstufe" in Graz werden Schüler nach der 9. Schulstufe auf die Matura vorbereitet. Sie erlangen aber zugleich durch Mitarbeit in Betrieben auch einen Einblick in den Arbeitsalltag, der ihnen bei einem späteren Berufseinstieg als Lehrzeit gutgeschrieben wird. Angeboten wird das Schulprojekt als Ganztagsschule.

Soziale Fähigkeiten fördern

"Jugendliche sind nach dem 9. Schuljahr bei der Berufswahl vielfach überfordert, da sie bis zu diesem Zeitpunkt auch nur sehr geringe Berührungspunkte mit der realen Arbeitswelt haben und die persönlichen Talente und Fähigkeiten vielfach erst erkannt werden müssen", schilderte Peter Novy von der Steuerungsgruppe des privaten Grazer Vereines im Gespräch mit der APA den Ausgangspunkt des Schulprojektes. Zugleich will man auch für Teenager mit Handicaps ein über das Pflichtschulprogramm reichendes Bildungsangebot schaffen. "Im gemeinsamen Tun können Jugendliche mit ihren verschiedensten Fertigkeiten, mit entsprechenden Begabungen und auch Handicaps gegenseitig voneinander lernen und ihre sozialen Fähigkeiten schulen", so Novy weiter.

Alternative Lernmethoden

Unterrichtet wird nach den Prinzipien der Waldorfpädagogik. "Am Stundenplan steht alles, was man für die Matura, die extern abgelegt werden kann, braucht", erklärte Novy. Gleichzeitig können die Schüler in ihrem täglichen zweistündigen Praxisblock erste Erfahrungen in der Arbeitswelt schnuppern. Die Jugendlichen "arbeiten" u.a. in einer Apotheke, bei einem Goldschmied, in einem Kulturzentrum und einem Blumenladen. "Wir suchen natürlich weitere Betriebe", so der ÖSO-Sprecher. Nach dem gemeinsamen Mittagessen in der Schule stehen am Nachmittag Übungsunterricht, Studierzeit und künstlerisches Arbeiten am Programm.

Zehn SchülerInnen pro Jahr

Jährlich werden zehn Schüler - davon die Hälfte mit einem speziellen Förderbedarf - aufgenommen. Zur Zeit besuchen insgesamt 14 Schüler eine zehnte und elfte Schulstufe (davon drei mit Handicap und zwei mit Förderbedarf).

Öffentliche Förderungen seien bisher - abgesehen von den Tagsätzen für die Betreuung der Jugendlichen mit Handicap - ausgeblieben: "Wir werden zwischen den Ressorts Bildung, Wirtschaft und Soziales hin und her geschickt und keiner fühlt sich wirklich zuständig", klagte Novy. Derzeit müssen Eltern 300 Euro monatlich berappen. In den nächsten acht Jahren will man daher fünf schuleigene Unternehmen einrichten, in dem die Schüler arbeiten und so auch einen Teil der Kosten selbst lukrieren. (APA)

Kontakt
Lernwerkstatt Ökosoziale Oberstufe
Schönaugasse 8a, 8010 Graz.
  • Die SchülerInnen der Ökosozialen Oberstufe bekommen nicht nur Einblick in die Berufswelt, sondern werden auch auf die Matura vorbereitet.
    foto: öso

    Die SchülerInnen der Ökosozialen Oberstufe bekommen nicht nur Einblick in die Berufswelt, sondern werden auch auf die Matura vorbereitet.

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