"Sex and the City" im alten Rom

5. Februar 2007, 21:18
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Georg Friedrich Händels "Agrippina" in der Wiener Kammeroper

Händel habe mit den meisten seiner Opern "einen Bock geschossen", war sich ein früher Librettist des Komponisten ganz sicher. Die Nachwelt folgt beim 1709 in Venedig uraufgeführten Dramma per musica Agrippina durchaus diesem Urteil. Frau Agrippina war mit dem römischen Kaiser Claudius verheiratet und wollte Nerone, ihren Sohn aus einer anderen Verbindung, auf den Thron hieven. In der Wiener Kammeroper bringt Regisseur Peter Pawlik Sex and Crime, an Kostüm und Ausstattung (Cordelia Matthes) gemessen, eher "Sex And the City".

Abgründig wie die Titelheldin stellen sich die meisten der begeistert aufgenommenen 48 Musiknummern vor. Primadonna Wiebke Huhs überzeugt durch ein abgerundetes Timbre. Marelize Gerber als Nerone ("Tokio Hotel" lässt grüßen) braucht sich nicht den vermeintlich fehlenden Belcantoschmelz durch allzu pastose Verzierungen zu erschleichen. Philip Zawisza als Claudio liefert hinreißende Emotionen. Dirigent Bernhard Klebel und das Barockorchester der Wiener Kammeroper beweisen sich als zuverlässiges, flexibles Ensemble mit einem ganz eigenen, reizvoll rauchig-warmen Timbre. (henn / DER STANDARD, Printausgabe, 06.02.2007)

Wiener Kammeroper, 1., Fleischmarkt 24, (01) 512 01 00-77. 19.30
  • Nubier am Werk: Der römische General Ottone (Armin Gramer) wird auf Vordermann gebracht.
    foto: kammeroper/christian husar

    Nubier am Werk: Der römische General Ottone (Armin Gramer) wird auf Vordermann gebracht.

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