Kurse gegen Menschenhandel

5. Februar 2007, 19:30
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Jährlich fallen unzählige Frauen aus Moldawien MenschenhändlerInnen in die Hände - Die Caritas konzentriert ihre heurige Osteuropakampagne auf die ehemalige Sowjetrepublik

Rodica ist eines von jährlich 300 Opfern des Menschenhandels, die in der moldawischen Hauptstadt Chisinau betreut werden. Rodica ist aus dem Fenster der Wohnung gesprungen, in der sie ihr "Besitzer" in der Türkei eingesperrt hatte und landete schwer verletzt im Krankenhaus. Sie kam zurück in die Heimat, physisch und psychisch kaputt.

Moldawien ist das Zentrum des Handels mit Frauen. Das kleine Land zwischen Rumänien und der Ukraine ist auch das Schwerpunktland der heurigen Osteuropakampagne der Caritas. Eines der Projekte: Kurse für junge Mädchen in Computerkenntnissen, Frisieren und Schneiderei. Wer etwas kann, hat mehr Chancen auf reguläre Arbeit und ist weniger versucht, Schleppern auf den Leim zu gehen, die mit Angeboten von angeblichen Jobs als "Kellnerin" Halbwüchsige für das Sexgeschäft rekrutieren.

"Die Opfer des Menschenhandels waren schon vorher Opfer", sagt Martin Wyss, ein Schweizer, Leiter der internationalen Organisation für Migration (IOM) in Moldawien; Opfer der herzzerreißenden Armut, die im ärmsten Land Europas jeden, der irgendwie kann, in die Fremde treibt, um beinahe jeden Preis.

Von den rund vier Millionen MoldawierInnen arbeiten rund eine Million im Ausland, legal oder illegal, und schicken Geld nach Hause. Fast 50 Prozent des Bruttonationalprodukts kommen aus solchen Überweisungen, getätigt von Menschen, die meist als Bauarbeiter oder Putzfrauen wenig genug verdienen.

LehrerInnenmangel

Die Folge: die mittlere Generation, die Zwanzig- bis Fünfzigjährigen, fehlt. Es gibt zu wenig LehrerInnen, zu wenig Personal im Gesundheitswesen, zu wenig dynamische Leute, die die Wirtschaft vorantreiben. Zurückgeblieben sind hunderttausende Kinder, die bei überforderten Großeltern und Nachbarinnen aufwachsen, und hunderttausende Alte, um die sich niemand kümmert.

Die Massenemigration wird sofort verständlich, wenn man sieht, wie die Menschen in Moldawien leben. Ein/e LehrerIn verdient rund 40 Euro im Monat, die Mindestpension beträgt 15 Euro, aber Miete, Strom und Heizung für eine Zweizimmerwohnung kosten 30 Euro. Wie überleben?

Nicht heizen und die Erdäpfel essen, die man im eigenen kleinen Garten anbaut. "Wenn ich etwas habe, essen die Kinder, wenn nicht, essen sie nicht", sagte eine von der Caritas betreute Mutter von drei Kindern in einem Dorf.

Die einstige Sowjetrepublik Moldawien, damals der "Gemüsegarten Moskaus" genannt, ist vom Zusammenbruch der Sowjetunion besonders schwer getroffen worden. Neue Märkte sind noch nicht gefunden, das Sozialsystem noch nicht den neuen Verhältnissen angepasst. Die Caritasprojekte, vor allem Sozialzentren samt Hausbetreuung für Kinder und Alte, sind auch Pionierleistungen, die helfen, eine Zivilgesellschaft im Lande aufzubauen. Längst wird die Arbeit von Einheimischen gemacht. Igor, ein junger Mitarbeiter, sagt, er habe auch mit der Emigration geliebäugelt. "Aber jetzt will ich bleiben und in meinem Land etwas bewegen." (Barbara Coudenhove Kalergi aus Chisinau, DER STANDARD, Print, 6.2.2007)

Caritas-Spendenkonto: P.S.K. 7.700.004, BLZ.: 60000,
Kennwort: Osteuropa-Hilfe

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Caritas

  • Hilfe gegen Menschenhandel: Durch die Nähkurse und Computerkurse der Caritas können sich junge Mädchen in Moldawien eine eigene Existenz aufbauen.
    foto: caritas
    Hilfe gegen Menschenhandel: Durch die Nähkurse und Computerkurse der Caritas können sich junge Mädchen in Moldawien eine eigene Existenz aufbauen.
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