"Klima-Killer" Verkehr und Energie

20. Februar 2007, 18:10
11 Postings

Ein Zwischenbericht stellt den Wiener Klimaschutzmaßnahmen ein gutes Zeugnis aus - Allerdings: Verkehr und Energieverbrauch bleiben weiter die großen Sorgenkinder

Die Österreichische Energieagentur (EA) stellt der Wiener Klimaschutzpolitik ein gutes Zeugnis aus – im Prinzip. Die Halbzeit-Evaluierung des Wiener Klimaschutzprogramms (KliP) ergab „ein positives Bild“, so das Urteil. Ziel der im Jahr 2000 gestarteten 36 Programme war es, bis 2010 insgesamt 2,6 Millionen Tonnen „CO2-Äquivalente“ einzusparen. „Positiv muss hervorgehoben werden, dass bereits zur Halbzeit (2005) diese Einsparung, absolut gesehen, annähernd erreicht wurde“, so die EA-Analyse.

Gleichzeitig wird im Bericht aber darauf hingewiesen, dass die Treibhausgas-Bilanz durch das Umweltbundesamt (1990–2004) ein „differenziertes Bild“ zeichnet. Demnach betrug der Wiener Anteil an Österreichs Treibhausgas-Emissionen „nur 10,1 Prozent und die Pro-Kopf-Emissionen 2004 lagen mit 5,7 Tonnen CO2-Äquivalenten deutlich unter dem österreichischen Schnitt von 11,2 Tonnen. Aber: In den Sektoren Verkehr und Energieversorgung ist die Tendenz eindeutig steigend.

Verkehr und Energie seien laut Umweltstadträtin Ulli Sima (SP) auch die beiden „Problemfelder“, bei denen „verstärkte Anstrengungen“ nötig seien. Bei Ersterem setzt Sima weiter auf den 2003 beschlossenen „Masterplan Verkehr“: Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs solle auf 25 Prozent aller Wege reduziert werden – der Radverkehr „möglichst rasch“ auf acht und der öffentliche Verkehr von 34 auf 40 Prozent gesteigert werden. Letzteres vor allem durch den U-Bahn-Bau.

180 Gigawattstunden bis 2015 einsparen

Im Bereich der Energie will Sima das im Vorjahr beschlossene Wiener Energieeffizienzprogramm „konsequent umsetzen“ – damit soll bis 2015 der Verbrauch von 180 Gigawattstunden eingespart werden. Allerdings: Damit wird der prognostizierte Anstieg des Energiebedarfs „nur“ von zwölf auf sieben Prozent reduziert. Weiters soll „der Bereich der erneuerbaren Energien forciert“ werden – für Sima bedeutet das: Die Mittel für die Solarförderung wurden für heuer verdoppelt. Das Problem des massiv steigenden Energieverbrauchs durch neue Bürobauten hat Sima „auf die Liste für den KliP 2 gesetzt“ – diese Fortsetzung des Klimaschutzprogramms soll 2010 starten.

Wo Wien im Rahmen des Klimaschutzprogrammes bisher punkten konnte: Durch den Einbau neuer Kraft-Wärme-Kopplungen in kalorischen Kraftwerken – Effizienzsteigerung um zehn Prozent; der Ausbau des Fernwärmenetzes – derzeit sind rund 251.00 Wohnungen angeschlossen. Das spart im Vergleich zu einer Heizöl-Extra-Leicht-Befeuerung immerhin 1,3 Millionen Tonnen CO2. Und: Das Programm zur thermischen Sanierung von Wohnhausanlagen – von 2000 bis 2005 wurden damit insgesamt 51.770 Wohnungen saniert, was jährlich immerhin 82.400 Tonnen CO2 einspart. Sima orientiere sich „einfach an schon bestehende Maßnahmen oder beschränkt sich auf PR-Maßnahmen, kritisierte VP-Umweltsprecher Roman Stiftner. Er fordert unter anderem „verkehrsrelevante sinnvolle Maßnahmen“ – aber keine weiteren Tempolimits, sowie „eine Fotovoltaik-Offensive“ mit dem Ziel, dass bis 2015 im Schnitt ein Quadratmeter Solarfläche pro Einwohner installiert ist. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD-Printausgabe, 06.02.2007)

Mehr zum Thema:

"Klimaschutz ungenügend" - Chorherr fordert "mutige Schritte" und lesbare Stromrechnungen

  • Smog über Wien. Bisherige Klimaschutzmaßnahmen greifen. In Summe steigen aber die Emissionen.
    foto: christian fischer

    Smog über Wien. Bisherige Klimaschutzmaßnahmen greifen. In Summe steigen aber die Emissionen.

Share if you care.