Hausordnung gegen den Sitzstreik

7. Februar 2007, 11:23
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"Dauergast" am Tragweiner Gemeindeamt droht der Verweis - Pensionist will sich Traum von eigenem Museum erstreiken

Franz Kornbichler hat ganz offensichtlich Sitzfleisch. Braucht er auch, denn der 79-Jährige ist seit über einem halben Jahr im Sitzstreik am Gemeindeamt von Tragwein - der Standard berichtete. Jetzt scheint aber des Bürgermeisters Geduldsfaden überstrapaziert, man lotet derzeit rechtliche Möglichkeiten gegen den Sitzstreiker aus.

Jeden Morgen gegen sieben Uhr früh zieht Franz Kornbichler nun schon seit Anfang August mit seinen Protestschildern (siehe Foto oben) ins Gemeindeamt, okkupiert einen Sessel im Wartebereich und bleibt bis zum Ende der Amtszeit. Sitzend will sich der streitbare Pensionist seinen großen Traum erstreiken: Ein eigenes "Museum der Antriebskräfte". Der alte Mann sammelt leidenschaftlich Motoren von Landmaschinen und will diese mittels einer rund 1000 Quadratmeter großen Ausstellungshalle im Ortszentrum ins Licht der Öffentlichkeit rücken.

Nicht kompromissbereit

Die Gemeinde selbst hätte nichts gegen ein Museum, stößt sich aber an den architektonischen Vorstellungen von Herrn Kornbichler. Seit gut zehn Jahren ist dieser daher mit der Gemeinde über Kreuz. Trotz zahlreicher Vermittlungsversuche zeigt sich der 79-Jährige nicht kompromissbereit und belagert lieber das Gemeindeamt. Selbst ein Mediator scheiterte. "Wir haben alles probiert", seufzt Bürgermeister Josef Naderer (ÖVP). Beendet werden soll der Sitzstreik jetzt aber mit einem rechtlichen Trick.

Derzeit streikt Franz Kornbichler im offiziellen Wartebereich des Amtes. Gesetzlich ist nicht festgelegt, wie lange man im Wartebereich auch tatsächlich warten darf. Jetzt hat Bürgermeister Josef Naderer aber eine neue Hausordnung erlassen, wonach ein Aufenthalt im Wartebereich nur für die Zeit einer Amtshandlung gestattet ist. "Wir wollen eine saubere Lösung und keinen Prager Fenstersturz", plant Naderer den sanften Abgang von Franz Kornbichler aus dem Amts-Kalendar. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 06.02.2007)

  • Der Worte sind genug gewechselt. Der "Kornbüchi Franz" will sein Museum und notfalls dafür streiken, bis er "tot vom Sessel kippt". Die Gemeinde will früher eingreifen.
    foto: rohrhofer

    Der Worte sind genug gewechselt. Der "Kornbüchi Franz" will sein Museum und notfalls dafür streiken, bis er "tot vom Sessel kippt". Die Gemeinde will früher eingreifen.

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