Die Koalition im Wikipedia-Test

Redaktion, 21. Februar 2007 14:24
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    Foto: screenshot wikipedia, freie online enyklopädie: startseite

Grüne starten Homepage, auf der jeder den rot-schwarzen Regierungspakt erweitern oder umschreiben kann

Mitverhandeln durften sie nicht, aber Anregungen fürs Nachverhandeln wollen sie geben: Die Grünen Die Grünen starten eine Homepage für die „Internetgeneration“ (© Schüssel), auf der jeder den rot-schwarzen Regierungspakt erweitern oder umschreiben kann.

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Wien – Vielleicht kann die Homepage www.neuverhandeln.at auch ein Ventil für die steigende Frustrationen roter Genossen sein. „Ich habe in den letzten Tagen im Wiener Rathaus niemanden getroffen, der mit vollem Herzen hinter diesem Koalitionsprogramm steht“, erzählt die Wiener Grün-Chefin Maria Vassilakou, „ab sofort kann jeder von ihnen auf unserer Seite einfach dazuschreiben, was ihn stört und Vorschläge machen, wie es besser werden könnte.“ Nachsatz: „Ich sehe schon vor mir, wie sich Wiens Bürgermeister Michael Häupl heimlich einloggt.“

Dass er es wirklich macht, ist unwahrscheinlich. Anonym bleiben könnte er dabei jedenfalls. Denn die von den Wiener Grünen ins Leben gerufene Internet-Plattform funktioniert nach dem Wikipedia-Prinzip (siehe Wissen). Die Grundidee ist simpel: Jeder, der einen Internetzugang hat, kann sich ab sofort einloggen und das Regierungsprogramm kommentieren, umschreiben – und somit virtuell, zumindest aus grüner Sicht, „verbessern“.

Selbstregulation

Ganz wie das Vorbild Wikipedia, auf dessen frei zugänglicher Software die grüne Seite auch basiert, ist der Prozess transparent: Änderungen lassen sich nachvollziehen und können in eigenen Foren diskutiert werden. Anders als bei der Online-Welt-Enzyklopädie, die eigene Administratoren quasi als „Wissens-Sheriffs“ einsetzt, haben die Grünen vorerst aber nicht vor, inhaltlich einzugreifen. „Rassistische, sexistische und andere politisch nicht korrekte Texte werden entfernt. Wir haben aber nicht vor, die Seiten zu redigieren“, meint Vassilakou. Mit Kampfpostern aus anderen Parteien wird gerechnet. „Aber da _glauben wir an die Kraft der Selbstregulation“, meint die grüne Gemeinderätin Marie Ringler, die die Idee für den Koalitionspakt-Elchtest im Netz hatte.

Dreißig Tage will die Oppositionspartei das rot-schwarze Koalitionsübereinkommen der Kritik der Internet-Community überlassen, danach soll erste Bilanz gezogen werden. Als Vergleich ist das rot-schwarze Original in einer „Read only“-Version abrufbar. „Wir wollten ganz einfach die Alltagspraktiken der Internetgeneration in die Politik transferieren“, sagt Ringler.

Anders als bei traditionellen Kampagnen geht die Umsetzung vergleichsweise rasch: Drei Tage dauerte es, bis Ringler und ihr Gemeinderatskollegen Marco Schreuder die Plattform installiert hatten.

Die eigentliche Arbeit damit haben vorerst ohnehin die User. Eine der ersten Zusatz-Einträge kam im Kapitel „Bildung und Wissenschaft“: „Die Studiengebühren sind einer Steigerung der Akademikerquote und einer Erhöhung der Bildung in der Bevölkerung nicht zuträglich und werden mit sofortiger Wirkung abgeschafft.“ Es wird nicht die erste Aktion von Ringler sein. Im Hauptberuf Kultursprecherin, ist sie seit einigen Wochen bei den Wiener Grünen zuständig für „Innovation“ – sprich für jenen Bereich, den man bei den zuletzt öffentlich nahezu abgetauchten Grünen vergeblich suchte. (Barbara Tóth/ DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2007)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 136
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RH84
06.02.2007 21:11

Die Idee hat was. Ich würde auch sofort dabei sein, wenn zB der ÖGB ein Wiki eröffnet und nur seine Mitglieder Schreibrechte haben. Da könnte wirklich viel Sinnvolles herauskommen...

SPIESS
06.02.2007 17:04
...dafür bin i schneller duart

Bronner und Qualtinger hätten ihre Freud ghabt, dass die Grünen ihren Song "Der Wilde" adaptieren. Textbeispiel: "I waas zwoa net, wo i da hinfoa, oba dafür bin i schnölla duart"

Soviel zur neuen Politik-Zielerfassung mit schnellen Rechenmaschinen.

yotix
06.02.2007 15:51

Nette Idee.
Es scheint aber unklar, ob die Wiki-Schreiber das Programm neu gestalten oder in all seiner Unerträglichkeit satirisch umformulieren sollen.

Davidoff et cetera
06.02.2007 16:08

naja, was dort z.b. unter diskussion über eine wahlrechtsreform abläuft kann wohl kaum als satire gesehen werden.

Davidoff et cetera
06.02.2007 15:27

außerdem ist das die einzige partei, die sowas macht. jaja, wie riskant wäre das für die großen, wenn sie feststellen würden, dass die leute "unter" ihnen gar nicht das wollen, was sie wollen, wenn man sie einmal sachlich diskutieren lässt.

sicherlich ist klar, dass das nichts bringen wird. aber einzelne ideen, neue ansätze, vorschläge sind immer drin. und wenn ich mich persönlich nicht erst durch irgendeinen parteiapparat kämpfen muss, um mich einzubringen, umso besser.

Davidoff et cetera
06.02.2007 14:52

dieses wiki ist super. kann ich nur allen, die sich für politik interessieren und einmal irgendwo ein bisschen mitreden wollen, empfehlen.

Roman Seidl
06.02.2007 15:22
wieviel cent

bekommt man eigentlich für ein rotes stricherl so in der lichtenfelsgasse?

Davidoff et cetera
06.02.2007 16:02

obwohl, das kann eigentlich auch von den frustrierten löwelstraßlern kommen, die selbst schon an das glauben, was sie vertreten.

Roman Seidl
06.02.2007 20:24
ich frag mich das nur

weil in letzter zeit schon wirklich alles hier rot bestricherlt wird - wenn ich hier nun schreiben würde "der himmel ist blau" - in einem forum, das politisch und kontroversiell ist - so hätte ich in etwa 10 minuten ein rotes stricherl denke ich.

Kilianus
07.02.2007 10:17

Das hätten sie sich auch verdient. Denn das rote Stricherl soll ja aussagen, dass ein Post unnötig ist. "Der Himmel ist blau" würde ich durchaus als unnötig, weil für niemanden interessant und/oder hilfreich, einstufen.

www.agendax.at - Alexander Trinkl
06.02.2007 14:44
Keine parteipolitische Vereinnahmung der Zivilgesellschaft

Die Grünen laden zur Zeit die Zivilgesellschaft ein, sich in einem Wiki an einer symbolischen Neuverhandlung des Regierungsprogramms zu beteiligen. Ziel ist in etwa drei Wochen "das erste Regierungsprogramm der Zivilgesellschaft vorzustellen".
Es geht sicher nicht an, dass eine im Parlament vertretene Partei "das erste Regierungsprogramm der Zivilgesellschaft" vorstellt. Abgesehen davon, dass es "das Programm" nicht geben wird können, weil die Zivilgesellschaft eine nicht einfassbare Vielfalt darstellt, sind keiner Partei, nur zivilgesellschaftlichen Akteuren selbst, solche oder ähnliche Projekte zuzugestehen.

Davidoff et cetera
06.02.2007 15:25

wenn es einheit nicht gibt, muss man vielheit normieren.

Roman Seidl
06.02.2007 14:29
warum sein "die grünen" dämlich nur weil sie ein experiment starten?

es behauptet ja niemand das dies die probleme des landes löst oder wasauchimmer. es ist einfach ein experiment. natürlich würde es veilleicht besser zur netbase passen als in den wiener gemeinderat. aber es ist trotzdem nicht mehr und nicht weniger.

jede kritik an der frage, dass dies nichts löst oder beweisen würde, dass die grünen unfähig sind etc. ist doch lächerlich. das mag ja alles zutreffen aber was hat das mit dem gegenstand dieses artikels zu tun?

Orkan Kyrill
06.02.2007 14:15
Saulangsam!

Das Ding ist grottenlangsam und man kann Diskussionsbeiträge nur nach Anmeldung lesen...

8-{

Michael Bakunin
06.02.2007 16:11
stimmt nicht

da hast anscheinden eine langsame intenetverbindung.
auch ist zum lesen keine anmeldung erforderlich, nur zum bearbeiten.

rosa parks
06.02.2007 15:36
stimmt schon, mensch kann...

...daneben essen kochen. glücklicherweise steht bei mir kein baseballschläger herum...

yotix
06.02.2007 14:12
Wenn man sich manche der Einträge dort anschaut

... dann haben Kukackas Ferialpraktikanten bereits großen Spaß daran, allen möglichen Schrott da einzubauen, von rechtsextremen Ausländerverunglimpfungen ("extreme Kosten des Flüchtlingstaschengelds ... eigene Sonderpolizei vor Ort ... evaluieren") bis hin zu haarsträubend dummen Vorschlägen (Vervielfachung der Studiengebühren für Studierende über der Mindestzeit).

cannery row
06.02.2007 14:10
die aktivität der grünen beginnt..

wenns für sie um nichts mehr geht.

rosa parks
06.02.2007 15:34
aber das ist ja eigentlich sympathisch, oder?

wurzelbum
06.02.2007 17:33

nicht nur sympathisch sondern konstruktiv...ich verstehe die vielen negativen postings nicht...diese idee ist doch ein schönes klares stück demokratie - und gehört nicht zur polemik des wahlkampfes

SPIESS
06.02.2007 18:25
Sehr konstruktiv!!

Ich mag auch gern Kinderspielplätze. Und ich mag Nihilismus. Insofern...ja, super, sympathisch konstruktiv, engagiert, herzig...cooool.

rossgoschn
06.02.2007 14:07

Diese WiKi-Seite der Grünen ist sehr seltsam formuliert, v.a. mit vielen Fehlern: z.B. "... die Regierung hat schlecht verhandelt" -> zugegeben, es könnte besser sein, aber die Sozialisten wurden halbwegs erfolgreich ausgesperrt. Hr. Gusenbauer will offensichtlich nicht mehr tun als zu grinsen und in sozialistischer Tradition auf 8 Atü aufgehen (tlw. schon geglückt). Soweit also ok! P.S. an die Grünen: könnt ihr nicht www.neuwahlen.at ins Netz stellen? Thnx!

Volkes Stimme
06.02.2007 12:00
Fairtrade?

Das ist es noch lange nicht!

Es wäre schon ein Vortschritt, wenn dieses Wikimuster als "Beschwerde und Lobventil" fungierte.

Aber die Software ermöglicht ein Bürgerforum - damit ist ein Anfang gemacht.

Früher oder später werden die Bürger den Parteien sowieso sagen wo es langgeht.

die_eidechse
06.02.2007 12:31
blablablabla... die bürger werden den parteien sagen wo es langgeht? ja, in entenhausen vielleicht!

more than
06.02.2007 21:29
An eidechse


Ein Troll! http://de.wikipedia.org/wiki/Trol... (Internet)


Man nehme sich 25 NICKS (!) und poste und bewerte sich selbst. Was, ihr glaubt das nicht? Überall wo sie folgende Nicks finden, können sie es nachprüfen. Sie treten meist zugleich auf. Man beachte dabei die Bewertung, sind immer grüne Stricherl (No na)!

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