Wetterkapriolen bringen die Sonnenstudios ins Schwitzen

20. Februar 2007, 16:02
10 Postings

Der milde Winter lässt Umsätze der Solarien­betreiber schmelzen. Die Bereinigung beschleunigt sich. Ketten sind am Vormarsch und versuchen den Sprung nach Osteuropa

Wien – Österreichs Solarstudios stehen nicht auf der Sonnenseite des Lebens. Die goldenen Zeiten, in denen sich mit ein paar Bräunungskabinen gutes Geld verdienen ließ, sind vorbei. Der heiße Sommer 2003 ließ die Zahl der Gewerbeberechtigungen um ein Viertel schmelzen. Jetzt bringt der milde Winter die Sonnenstudiobetreiber einmal mehr ins Schwitzen. Harald Slauschek, Präsident vom Sonnenlicht Forum Austria, dem Verband der Branche, rechnet mit Geschäftseinbußen von zehn bis 20 Prozent seit September.

Die Kundenfrequenz sinke, sagt Slauschek dem Standard. Wer schon bisher mit der Auslastung kämpfe, dem wachsen die Kosten über den Kopf; die Marktbereinigung beschleunige sich. Auch Robert Vrabel, Solariengroßhändler und Betreiber einiger Studios, beobachtet heuer mehr Schließungen. Es gebe nach wie vor viele mit guten Gewinnen. Vom Zusperren bedroht seien aber Betriebe, die schon lange nicht mehr investiert hätten. Druck auf die Erträge

"Der Markt stagniert. Es gibt mittlerweile reinen Verdrängungswettbewerb", zieht Helmut Steiner, Chef von Sonnenkönig und Sunfactory, Bilanz. Er führt in Österreich mit rund 150 Mitarbeitern 50 eigene Solarien und hofft auf eine Kälteperiode. Die ungünstige Witterung habe seinem Unternehmen seit Herbst ein Umsatzminus im einstelligen Bereich gebracht. Steiner sieht das große Sterben in der Branche beendet. Klar sei aber: Die Wetterkapriolen drücken die Erträge.

Genaue Daten fehlen, Experten schätzen aber, dass es in Österreich 1500 Gewerbescheine für Solarien gibt. Bis zu 700 Sonnenstudios teilten sich den Markt auf, mehr als 150 davon allein in Wien. Und eine Hand voll Betreiber zähle jeweils mehr als zehn Filialen. Noch überwiegen die Einzelstudios. Wie andere Branchen treibt jedoch auch diese die Filialisierung voran. Die größte Franchisekette ist Sun Company mit 24 Filialen und nach eigener Angabe acht Mio. Euro Umsatz. Sun & Fun setze in 22 Standorte vier bis fünf Mio. Euro um, sagt Geschäftsführer Herbert Lechner.

Sun Company-Chef Johann Arsenovic eröffnet demnächst vier neue Outlets und will sie jährlich um bis zu sieben weitere ergänzen. Sein Ziel: eine Filiale in jeder Bezirksstadt. Bis 2010 soll der Schritt in den Osten gelingen. Verhandlungen in Bratislava laufen. Wie er ist auch Lechner überzeugt, dass es für Sonnenstudios mit weniger als 150 Quadratmetern eng wird. Bis zum Break Even dauere es mitunter fünf Jahre. Vielen fehlte die Kraft für Werbung und Schulungen.

Kommt die Rede auf Gefahr für die Haut, reagiert die Branche gereizt. "Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen", empört sich Slauschek. Die Hälfte der Kunden "sonnte" sich maximal einmal im Monat, andere bereiteten sich nur auf den Urlaub vor. Überhaupt sei schnelle tiefe Bräune in Österreich längst out, versichert Slauschek. Kunden gehe es vielmehr ums Wohlfühlen und Ambiente. In den Worten Vrabels: "Die Powerbräuner werden weniger."

Vrabel erwartet mit der Vermietung, dem Verkauf und Betrieb von Solarien heuer ein Umsatzplus. Die Chancen in Osteuropa schätzt er – anders als die Sun Company – gering ein. "Der Osten ist in dem Geschäft mittlerweile selber sehr gut geworden." Er rüste lieber die Thermen um und sieht für sich, "solange es jetzt kein Badewetter gibt", keine Probleme. Doch anderen läuft die Zeit davon. Denn in drei Monaten ist die Hochsaison vorbei, und der Sommer lässt die Umsätze um die Hälfte schmelzen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.2.2007)

  • Schatten über den Sonnenstudios: Für kleine wird es immer enger, große Franchiseketten decken
den Markt ein. Bräunen allein ist den Österreichern zu wenig.
    foto: standard/heribert corn

    Schatten über den Sonnenstudios: Für kleine wird es immer enger, große Franchiseketten decken den Markt ein. Bräunen allein ist den Österreichern zu wenig.

Share if you care.